„Sportwetten – vom Freizeitspaß zum Problemverhalten“

Sportwetten sind hierzulande absolut salonfähig geworden. Bundesligaspieler, die mit dem Namen eines Sportwetten-Anbieters auf dem Trikot in ein Stadion einlaufen, an den Werbebanden rund um das Spielfeld ist ebenfalls Werbung für Sportwetten zu sehen. Im Internet geht es weiter – Websites für Sportinteressierte werden häufig durch aufmerksamkeitsstarke Werbebanner für Sportwetten eingerahmt. Keine Frage – Sportwetten sind zunehmend präsent im öffentlichen Bild.

Sportwetten Suchtprävention Kampagnenmotiv Hamburg

Immer mit auf dem Platz: Werbung für Sportwetten

Einer Untersuchung der Universität Hohenheim zufolge haben 20 Profivereine eine Kooperation mit einem privaten Sportwetten-Anbieter abgeschlossen, 13 davon in der 1. Bundesliga. Größere Wettanbieter kooperieren mit mehreren Bundesligavereinen gleichzeitig und vergrößern damit ihren Werbeeffekt. Angesichts der derzeitigen rechtlichen Regelung von Sportwetten in Deutschland mag die starke Präsenz dieser Glücksspielform im öffentlichen Raum verwundern, denn augenblicklich verfügt noch kein Sportwettenanbieter über eine der (noch zu vergebenden) 20 Konzessionen. Somit gilt für sie eigentlich ein explizites Werbeverbot. Die Unternehmen greifen durch ihre Werbemaßnahmen dem Erhalt einer Konzession also vor, das Vorgehen wird von den Behörden geduldet.

Das Wetten auf Sportereignisse hat eine lange Tradition

Frühe Vorläufer des heutigen milliardenschweren Sportwettenmarkts sind Wetten auf Pferderennen. Bereits im antiken Griechenland platzierten die Menschen Pferdewetten, in England reicht diese Tradition bis in das 19. Jahrhundert zurück. Zunächst wettete man dabei gegen einen Buchmacher, seit Erfindung des sogenannten „Totalisators“ können die Teilnehmer dann auch gegeneinander spielen.

Längst haben Fußballwetten der Pferdewette den Rang abgelaufen. In Deutschland gibt es diese Wettform seit 1948, lange Jahre ausschließlich als staatliche Sportwette Toto. Mit dem aktuell geltenden Glücksspieländerungsstaatsvertrag wird der Markt zukünftig für private Anbieter geöffnet – zunächst mit einer Experimentierklausel, in deren Rahmen 20 Konzessionen mit einer Laufdauer von jeweils sieben Jahren vergeben werden. Um diese Konzessionen, die sowohl für den Vertrieb in Wettbüros als auch für das Internet gelten, können sich staatliche und private Anbieter bewerben. Dieses Verfahren ist derzeit noch nicht abgeschlossen.

Einer Studie (Goldmedia 2013) zufolge wurden mit Sportwetten im Jahr 2012 insgesamt 6,8 Milliarden Euro umgesetzt, davon 3,7 Milliarden mit online getätigten Wetten. Aufgrund der bisher fehlenden Konzessionen handelt es sich bei Sportwette angeboten allesamt um und regulierte Angebote. Die Studie beziffert den Umsatz der staatlichen Angebote (Oddset, Fußballtoto) im Jahr 2012 auf 245 Millionen Euro.

Sind Sportwetten Glücksspiele?

Kampagnenmotiv Sportwetten & Sucht (Hamburg)Viele Menschen in Deutschland sind sportbegeistert. Sport und insbesondere der Fußball sind Teil unserer Kultur, am Wochenende ziehen Millionen Fußballfans in die Stadien. Auf den Ausgang eines Spiels zu tippen, macht für viele Menschen dabei einen zusätzlichen Reiz aus. Einige von ihnen spielen um einen Wetteinsatz.

Ist eine Sportwette ein Glücksspiel? Viele der Spielenden haben diesen Eindruck ganz und gar nicht. Sie setzen darauf, dass ihnen ihre Sportkenntnisse und ihre Wetterfahrungen einen Vorteil verschaffen, der Ausgang ihrer Wette also nicht in erster Linie von Glück oder Zufall abhängt.

Tatsächlich gelten Sportwetten unter Fachleuten als sogenannte „Glücksspiele mit Kompetenzanteil“. Das bedeutet, dass ein Gewinn zwar in hohem Maße, aber nicht vollkommen vom Zufall abhängt (wie etwa beim Roulette, wo die Gewinnwahrscheinlichkeit für jede Zahl gleich groß ist). Auch Wissen und Erfahrungen beeinflussen also die Gewinnchancen. Dieser Faktor wird allerdings von vielen Spielenden überschätzt, wie Untersuchungen zeigen konnten – und gerade diese Über- bzw. Fehlschätzung macht Sportwetten zu einem Glücksspiel mit einem erhöhtem Gefährdungspotenzial:

Die Kehrseite des Wettvergnügens

Fakt ist: Auch Sportwetten sind Glücksspiele. Vergleichende Untersuchungen kamen zu dem Schluss, dass ihr Gefährdungspotential größer ist als bei einigen anderen Glücksspielarten. Die Folge: Unter Menschen, die regelmäßig Sportwetten abschließen, gibt es einen erhöhten Anteil von sogenannten „Problemspielern“. Wir informieren unter Nicht so harmlos wie viele denken – über das Risiko von Sportwetten

Informieren Sie sich über Sportwetten und problematisches Wettverhalten. Das Angebot derSchwerpunktrubrik umfasst folgende Themen:

Von TOTO bis zur Livewette: Sportwetten im Überblick

Sportwetten – bloß ein harmloser Freizeitspaß? Ein kritischer Dialog

Nicht so harmlos wie viele denken: Über das Risiko von Sportwetten

Neue Regeln, schleppende Umsetzung: Die aktuelle Rechtslage beim Thema Sportwetten

„Diesmal muss ich einfach gewinnen“ Süchtig nach Sportwetten?

„Mit Sport hat das schon lange nichts mehr zu tun“ Problematisches Sportwetten aus Sicht einer Angehörigen

In guten wie in schlechten Zeiten? Tipps für Angehörige von Menschen mit problematischem Sportwettverhalten

Das Risiko begrenzen – Tipps für einen verantwortungsvollen Umgang mit Sportwetten

 

Quellen:
https://gluecksspiel.uni-hohenheim.de/fileadmin/einrichtungen/gluecksspiel/Regulierung/Schnellstudie_Werbung_Okt2013.pdf
http://www.goldmedia.com/gluecksspielmarkt-2017-studie.html

 


1) Ausnahmen gibt es allerdings in Schleswig-Holstein, wo aufgrund einer gesonderten Gesetzgebung Lizenzen vergeben wurden.