Glücksspiel ist ein Milliarden-Markt – steigende Umsätze vor allem bei Automatenspielen

Um die Bedeutung des Glücksspiels und das Ausmaß glücksspielbezogener Probleme in Deutschland besser zu verstehen, ist ein Blick in die Statistik hilfreich.

Glücksspiel-Markt setzt über 30 Milliarden Euro um
Einem Artikel im ‚Jahrbuch Sucht 2012' zufolge lag der Gesamtumsatz auf dem deutschen Glücksspiel-Markt im Jahr 2010 bei 31,51 Milliarden Euro. Die Umsätze von Soziallotterien, Telefon-Gewinnspielen, Sportwetten und Online-Glücksspielen von privaten und ausländischen Anbietern sind bei diesem Betrag noch nicht eingerechnet. Damit ist der Umsatz der Glücksspielindustrie gegenüber dem Vorjahr zwar leicht (um 0,8 Prozent) zurückgegangen. Aber gerade mit einer besonders riskanten Glücksspielart wurde in 2010 deutlich mehr Umsatz erzielt als in den Jahren davor – die Rede ist von Geldspielautomaten in Spielhallen und Gaststätten.

Deutliches Umsatzplus bei den Automatenspielen
Ganze 17,21 Milliarden Umsatz machten die Aufsteller von Geldspielautomaten in 2010, das bedeutet ein Plus von 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bereits in den Jahren zuvor wurden hohe Umsatzsteigerungen erzielt, diese Entwicklung scheint ungebrochen. 235.750 Geräte im gesamten Bundesgebiet sorgen für eine beträchtliche Dichte dieser Form des Glücksspiels und für satte Einnahmen bei den Aufstellern. Laut Jahrbuch Sucht ist der „erwirtschaftete Bruttospielertrag seit 2006 um 67,7 Prozent gestiegen“.
Andere Glücksspielsparten wie etwa Klassenlotterien oder auch Pferdewetten verloren dagegen deutlich an Zuspruch bzw. Umsatz im Vergleich zu den Jahren davor.

Zahl der Automatenspieler nimmt zu
Das vermehrte Spielen an Automaten in Spielhallen oder Gaststätten lässt sich auch anhand von Befragungsdaten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) nachvollziehen. Der Prozentsatz der Menschen in der 16- bis 65-jährigen Bevölkerung, der in den vergangenen 12 Monaten an einem dieser Automaten gespielt hat, ist eindeutig gestiegen. Im Jahr 2007 lag dieser Anteil bei 2,2 Prozent, inzwischen geben 2,9 Prozent der Befragten an, im letzten Jahr mindestens einmal einen Geldspielautomaten genutzt zu haben. Bei Männern liegt der Anteil erwartungsgemäß höher – 4,6 Prozent der Männer in Deutschland haben in den letzten 12 Monaten an Automaten gespielt, ebenfalls ein deutlicher Anstieg gegenüber 2007 (3,7 Prozent). Frauen liegen mit 1,2 Prozent zwar deutlich unterhalb dieser Nutzungsquote, aber auch bei ihnen ist eine – auch im statistischen Sinne – bedeutsame Zunahme bei den Automatenspielen (2007: 0,7 Prozent) festzustellen.
Dreiviertel der Hilfesuchenden an Beratungsstellen sind süchtige Automatenspieler
Spiele an Geldspielautomaten stellen ein zugleich hochproblematisches und weitverbreitetes Glücksspiel dar – die Folgen dieser riskanten „Kombination“ lassen sich auch in den Suchtberatungsstellen beobachten. Bei 74 Prozent der Menschen, die sich im Jahr 2010 an eine ambulante Suchtberatungsstelle wendeten, wurde ein pathologisches bzw. süchtiges Spielen an eben diesen Automaten festgestellt. Mit großem Abstand folgen Glücksspiele in Spielbanken (26 Prozent der Hilfesuchenden in Beratungsstellen) und Wetten (6 Prozent, jeweils Mehrfachnennungen möglich).

275.000 glücksspielsüchtige Menschen in Deutschland
Die Zahl der Personen, die wegen ihrer Glücksspielsucht die Hilfe einer ambulanten Beratungs- und/oder Behandlungsstelle in Anspruch genommen haben, ist in den letzten Jahren insgesamt deutlich angestiegen. Pro Einrichtung wurden im Durchschnitt 12 Spielerinnen und Spieler betreut. Im Jahr davor waren es noch 10,2 Fälle, im Jahr 2002 nur 3,8 Fälle pro Beratungsstelle.
Eine Studie der BZgA kommt zu dem Schluss, dass ca. 275.000 Menschen in Deutschland glücksspielsüchtig sind, weitere 264.000 Personen zeigen ein problematisches Spielverhalten. Aber auch Angehörige und Freunde von glücksspielsüchtigen Menschen leiden unter der Glücksspielsucht. Sie sind immer „mit“ betroffen – durch hohe finanzielle Verluste und auch oftmals durch Kränkungen und Streitereien in Folge des Spielens. Schätzungsweise acht bis zehn Personen sind durch das süchtige Glücksspielen eines Menschen negativ betroffen, so eine Untersuchung aus dem Jahr 1996.

Beratung von Menschen mit Glücksspielproblemen und deren Angehörigen: je früher desto besser
Die Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen e.V. rät allen betroffenen Menschen (ob als Spieler oder Angehörige), möglichst frühzeitig eine Beratungsstelle aufzusuchen oder die Nummer der Helpline Glücksspielsucht zu wählen: Helpline Glücksspielsucht: 040 23934444 (Montags - Donnerstags 10.00 - 19.00 Uhr, Freitags 10-15 Uhr; zum Ortstarif aus dem deutschen Festnetz).

Quellen:
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (Hrsg.) (2012): Jahrbuch Sucht 2012. Neuland, Geesthacht.
Addiction 98: 645–655 Petry NM (2005) Pathological Gambling – etiology, comorbidity and treatment. American Psychological Association, Washington DC
Glücksspielverhalten und Glücksspielsucht in Deutschland 2007, 2009 und 2011 - Ergebnisse aus drei repräsentativen Bevölkerungsbefragungen (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln)