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Online-Casinos & Co: Player auf einem Milliardenmarkt

Online-Casinos & Co: Player auf einem Milliardenmarkt

Ein Online-Casino lässt sich ganz ohne Raumkosten und natürlich auch mit deutlich geringeren Personalkosten betreiben als etwa eine Spielbank in attraktiver Stadtlage. Hinzu kommen steuerliche Vorteile, wenn das Unternehmen zum Beispiel in Gibraltar oder den Niederländischen Antillen lizenziert ist. Beflügelt wird das Geschäft zudem durch den allgemeinen Internet-Trend und die weit verbreitete technische Ausstattung in der Bevölkerung: Für die Glücksspielindustrie sind Online-Glücksspiele das sprichwörtliche „gefundene Fressen“. Wenn da nicht die Rechtsprechung wäre, aber auch die wird oftmals geschickt umgangen – schließlich mangelt es noch an einer einheitlichen und wirksamen Regulierung von Glücksspielangeboten im Netz.

Online-Casinos & CoWelche Umsätze genau mit Online-Glücksspielen gemacht werden und wie hoch die Spielverluste der Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland ausfallen, lässt sich allenfalls schätzen. Schließlich sitzen die meisten Anbieter im Ausland und bedienen von dort aus eine Vielzahl von Ländern. Eine Reihe von ihnen hat Glücksspielseiten, die auch von Deutschland aus erreicht werden können, viele davon in deutscher Sprache. Hinzu kommt, dass sich die Angebotspalette der Online-Glücksspiele schnell verändert und Umsatzzahlen dadurch entsprechend schnell veralten würden. Die Suchtforscherinnen und -forscher vom Institut für Therapieforschung (IFT) in München stellen fest, dass es „zurzeit keine allgemein anerkannte Methode zur Einschätzung / Messung des Online-Glücksspielmarkts“1) gebe. Aussagen zur wirtschaftlichen Seite von Online-Glücksspielen sind also mit Vorsicht zu betrachten.

Umsätze der Glücksspielindustrie

Eines lässt sich jedoch sagen: Die Umsätze der Glücksspielindustrie mit Onlinespielen steigen an. Einige Einschätzungen aus der Wissenschaft:

  • Die Expertinnen und Expterten vom IFT haben in einer im Jahr 2014 veröffentlichten Studie über 260 Anbieter gezählt, die sich mit Online-Glücksspielangeboten an deutsche Kunden wenden. Sie verfügen über ungefähr 670 Glücksspielseiten, die aus Deutschland und in deutscher Sprache genutzt werden können. Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl von Angeboten in anderen Sprachen, die ebenfalls in Deutschland gespielt werden können. Die Wissenschaftler schreiben, dass „Online-Glücksspielangebote in Deutschland trotz eines Online-Glücksspielverbots weit verbreitet“ seien und „in den letzten Jahren noch zugenommen haben“. So sei beispielsweise die Zahl der verfügbaren Online-Glücksspielautomaten in Deutschland von 2012 bis 2014 um etwa 46 Prozent gestiegen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geben an, dass es keine Garantie für die Genauigkeit ihrer Datenquellen gebe und verweisen auf eine noch höhere Zahl von Online-Glücksspielseiten, die die Europäische Kommission gezählt habe.
  • Eine Schätzung des Bruttospielertrags (Summe der Einsätze abzüglich der ausgezahlten Gewinne) bei Online-Glücksspielen im Jahr 2012 beläuft sich auf 1 Milliarde2), Tendenz wahrscheinlich steigend.
  • Für Online-Poker kamen der Hamburger Wissenschaftler Ingo Fiedler und seine Kollegin Ann-Christin Wilcke für das Jahr 2013 auf 357.322 aktive deutsche Online-Pokerspieler und -spielerinnen, die am weltweiten Markt etwa acht Prozent ausmachen.
  • Die EU-Kommission schätzt die Zahl der Europäer, die im Internet Glücksspiele spielen, auf etwa 7 Millionen. Damit halte Europa einen Marktanteil von 45 Prozent am weltweiten Markt für Online-Glücksspiele, so die Kommission3).

Fazit: Mit Online-Glücksspielen werden Milliarden verdient. Die unsichere Rechtslage und ungenügende Regulierungsmöglichkeiten begünstigen das Geschäft – und erschweren den Jugend- und Spielerschutz.


1) Kurzbericht IFT „ Online Glücksspielangebot: Trends 2012-2014“; Autoren: Pawel Sleczka, Barbara Braun & Ludwig Kraus; aus April 2014

2) Goldmedia (2013). Glücksspielmarkt Deutschland 2017. Marktliche Effekte der Regulierung von Sportwetten in Deutschland, Berlin.

3) Pressemitteilung der EU-Kommission: http://europa.eu/rapid/press-release_IP-14-828_en.htm