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Glücksspiel

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Raus aus dem Teufelskreis:
Hilfsangebote in Hamburg

Ein Mann in geknickter Haltung beim Online Glücksspiel

„Ich spiele mehr als früher, sollte ich besser mal eine Pause machen?“

„Meine Freundin meckert, weil ich ihrer Meinung nach zu viel im Netz spiele – hat sie recht?“
„Wo verläuft die Grenze zwischen harmlosem Spielen und einem bereits riskantem Spielverhalten?“
„Ich denke oft an das Spielen, ist das noch normal?“
„Mein Sohn kommt manchmal tagelang nicht auf seinem Zimmer und sein Konto ist ständig im Minus. Kann es sein, dass er im Internet Geld verspielt?“

Alles Fragen, die sich am besten im Gespräch mit einer Expertin oder einem Experten klären lassen.

In Hamburg gibt es eine breite Palette an Beratung-und Unterstützungsangeboten für alle, die

  • Fragen zum Thema Pathologisches Glücksspielen haben
  • ihr eigenes Spielverhalten besser einschätzen möchten
  • sich Gedanken machen, weil sie eventuell zu viel spielen
  • Glücksspiele spielen, obwohl sie sich das nicht (mehr) leisten können
  • nur noch solange spielen möchten, bis ein größerer Gewinn die bisherigen Verluste ausgleicht (eine solche Denkweise ist bereits ein deutlicher Hinweis auf ein riskantes Spielverhalten!)
  • sich Sorgen machen um eine andere Person, die viel am Computer spielt und dabei auch Geldbeträge setzt

Gute Argumente für eine persönliche Beratung:

  • alle Gespräche sind anonym und kostenfrei
  • auch wenn sich herausstellt, dass Sie oder Ihr Angehöriger eine weitergehende Beratung oder Behandlung benötigt, werden die Kosten hierfür (von den Sozialversicherungsträgern) übernommen
  • die Beraterinnen und Berater verfügen über viel Hintergrundwissen und haben vor allem jede Menge „Erfahrungswerte“ – durch zahllose Gespräche mit Menschen, denen es ähnlich geht wie Ihnen.

Als Lotse durch das vielfältige Hilfesystem eignet sich die Helpline Glücksspielsucht:

Helpline Glücksspielsucht: 040 23934444

Montags - Donnerstags 10.00 - 18.00 Uhr, Freitags 10-15 Uhr (zum Ortstarif aus dem deutschen Festnetz). Die Helpline-Glücksspielsucht wird im Auftrag der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen e.V. betrieben vom LUKAS Suchthilfezentrum Hamburg-West.
Bundesweit steht das Beratungstelefon zur Glücksspielsucht der BZgA unter 0800 1372700 kostenlos und anonym zur Verfügung (Montag bis Donnerstag 10 - 22 Uhr, Freitag bis Sonntag 10 - 18 Uhr).

Zu unserem Angebot zum Thema „Exzessive Internetnutzung“ geht es hier.

Fazit: Menschen, die sich über das eigene oder das Spielverhalten einer anderen Person Gedanken bzw. Sorgen machen, sollten darüber mit einem Experten oder einer Expertin sprechen. In Hamburg gibt es jede Menge davon.

Süchtig nach dem nächsten Klick?
Machen Sie den Test

Spielen

  • macht in erster Linie Spaß
  • ist für viele Menschen ein wichtiger Antrieb und auch
  • eine Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung von Kindern
  • dient vielen Zwecken: lässt Stress und Konflikte des Alltags vergessen, ist ein soziales Ereignis mit Freunden und in der Familie oder einfach ein Zeitvertreib

Auch bei Glücksspielen steht meist die Unterhaltung im Vordergrund. Und die meisten Menschen, die Glücksspiele spielen, sind Unterhaltungsspielerinnen und -spieler und entwickeln kein kritisches Spielverhalten.

Jedoch: Ein großer Teil des Umsatzes in der Glücksspielindustrie wird mit Problemspielenden gemacht – mit Menschen also, die ihr Spielverhalten nicht mehr steuern können. Alleine in Hamburg leben ungefähr 7.500 Menschen mit problematischem und ca. 6.500 Menschen mit pathologischem Spielverhalten1). Fachleute gehen davon aus, dass pro betroffenem Spieler bzw. betroffener Spielerin zwischen zehn und fünfzehn weitere Menschen, insbesondere aus dem Freundes- und Familienkreis, „mit betroffen“ sind: zum Beispiel durch verschuldete Haushalte und eine damit verbundene unsicherere Zukunft, häufige Abwesenheiten von zu Hause – und vor allem durch verloren gegangenes Vertrauen.

Gut zu wissen: Ist Pathologisches Glücksspielen eine Verhaltenssucht?
Lange hat man das Pathologische Spielen in den international anerkannten Klassifikationssystemen nicht als „Sucht“ definiert. Sowohl im Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem sogenannten ICD (International Classification of Diseases = internationales Klassifikationssystem für Krankheiten) als auch im amerikanischen System DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders = diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen) tauchte das pathologische Spielen lange unter „Impulskontrollstörungen“ auf. Im Jahr 2013 hat sich das geändert, als das pathologische Glücksspielen in der fünften Auflage des DSM („DSM-V“) als erste Verhaltenssucht überhaupt in die Gruppe der „Abhängigkeitserkrankungen“ aufgenommen wurde. Die „Umgruppierung“ wird mit den Ähnlichkeiten zwischen einer Abhängigkeit von einer Substanz (z.B. Alkohol, Nikotin, Heroin, etc.) und dem pathologischen Glücksspielen begründet.

Risiko: Spielen als Bewältigung negativer Gefühle
Schneller als viele glauben, kann Glücksspielen in eine Sucht entgleiten. Ein erhöhtes Risiko besteht zum Beispiel immer dann, wenn mit dem Spielen negative Stimmungen bewältigt werden sollen. Viele Personen mit einem kritischen Spielverhalten suchen immer wieder die Erfahrung des Glücksspielens auf, um Gefühlen wie Langeweile oder Stress zu entkommen. Erfolgreiches Vermeidungsverhalten erhöht das Risiko für die Entwicklung einer Abhängigkeit2) – je häufiger und wirkungsvoller sich dieser kurzfristige „Erfolg“ (den negativen Gefühlen entkommen zu sein) einstellt, umso stärker steigt dieses Risiko.

Gut zu wissen: Worin besteht das besondere Risiko bei Online-Glücksspielen?
Glücksspiele im Internet sind 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche und 365 Tage im Jahr verfügbar. Und das bequem von zu Hause aus und ganz anonym. Hinzu kommt, dass die Ereignisdichte – ein weiterer Risikofaktor beim Glücksspielen – bei Online-Glücksspielen hoch ist. So können Spiele parallel gespielt werden, zum Beispiel wenn jemand an mehreren Online-Pokertischen gleichzeitig aktiv ist. Dabei können Spieler auch jederzeit betrogen werden: durch Absprachen zwischen anderen Spielern, die man ja nicht „zu Gesicht“ bekommt. Online-Glücksspiele sind als solche nicht immer sofort klar zu erkennen, die Grenzen zwischen Online-Spielen und Online-Glücksspielen sind zum Teil fließend. Alle diese Faktoren begünstigen einen möglichen Kontrollverlust über das Glücksspielen. Grundsätzlich sollte das individuelle Spielverhalten regelmäßig auf den Prüfstand gestellt werden, um einer drohenden Abhängigkeit vorzubeugen.

Spielst du noch oder hast du schon die Kontrolle verloren?
Um herauszufinden, ob der eigene Umgang mit Glücksspielen, als kritisch einzustufen ist oder nicht, ist ein Gespräch mit einer Expertin oder einem Experten notwendig. Erste Hinweise liefern Selbsttests wie beispielsweise der interaktive Selbsttest der Universitätsklinik Mainz.

Den interaktiven Selbsttest der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung finden Sie hier.
Hinweis: Die Durchführung von Selbsttesten ersetzt in keinem Fall die professionelle Einschätzung eines Beraters oder einer Beraterin, sondern soll Ihnen lediglich einen Eindruck vermitteln, welche Aspekte eines möglicherweise problematischen Spielverhaltens auf sie zutreffen könnten.

Fazit: Um einschätzen zu können, ob jemand einen kritischen Umgang mit Glücksspielen hat, ist ein Gespräch mit einem Berater oder einer Beraterin notwendig. Erste Hinweise auf ein riskantes Spielverhalten liefern Selbsttests


1) Buth, S. & Stöver, H. (2008). Glücksspielteilnahme und Glücksspielprobleme in Deutschland: Ergebnisse einer bundesweiten Repräsentativerhebung. Suchttherapie, 9, 3-11.

2) Springer Science+Business Media. "Gambling is just plain fun for those players who are in control." ScienceDaily. ScienceDaily, 9 September 2014. <www.sciencedaily.com/releases/2014/09/140909123524.htm>.

Nur „eigentlich“ verboten? Rechtliche Rahmenbedingungen von Online-Glücksspielen

Online-Glücksspiele sind in Deutschland grundsätzlich verboten. Es gibt allerdings Ausnahmen.

Aktuelle Rechtslage Online-Glücksspiel

  • Mit dem im Jahr 2012 in Kraft getretenen GlüÄndStV (Glücksspieländerungsstaatsvertrag) wurde ein Lizenzverfahren für Anbieter von Sportwetten oder Lotterien eröffnet, das zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen ist. Dabei können sich erstmalig auch private Unternehmen um eine Sportwettlizenz sowohl im stationären als auch im Onlinevertrieb bewerben. Insgesamt 20 Konzessionen sollten für sieben Jahre vergeben werden. Es könnte also in Zukunft ein legales Angebot für Online-Sportwetten geben.
  • Rechtliche Aspekte Online Glücksspiel Angebote des Deutschen Lotto-Toto-Blocks können auch über das Internet gespielt werden. Dazu gehören „Lotto 6 aus 49“, die Glücksspirale, Keno und der Eurojackpot.
  • Das Verbot von Online-Casinospielen ist im GlüÄndStV zwar beibehalten worden. Allerdings hatte sich das Bundesland Schleswig-Holstein zunächst nicht dem Änderungsvertrag angeschlossen, sondern ein eigenes Konzessionsverfahren für Online-Casinos ins Leben gerufen. So wurden in den Jahren 2011 bis 2013 Lizenzen für Online-Casinos und Online-Poker vergeben, die zunächst für fünf Jahre gelten. Inzwischen ist Schleswig-Holstein dem Glücksspielstaatsvertrag beigetreten. Die erteilten Konzessionen gelten jedoch weiterhin. Dennoch sind die meisten Casinospiel-Angebote im Internet illegal. Für Konsumentinnen und Konsumenten ist es kaum möglich, zwischen erlaubten und verbotenen Online-Glücksspielen zu unterscheiden.

Gut zu wissen: Was steht im GlüÄndStV?
Der Glücksspieländerungsstaatsvertrag (GlüÄndStV) ist am 1. Juli 2012 in Kraft getreten. Er ist die aktualisierte Fassung des Glücksspielstaatsvertrages (GlüStV), der zwischen den Bundesländern abgeschlossen wurde. Die Ziele des GlüÄndStV bestehen unter anderem darin, „das Entstehen von Glücksspielsucht und Wettsucht zu verhindern und die Voraussetzungen für eine wirksame Suchtbekämpfung zu schaffen.“ Weiterhin soll über den Vertrag der Jugend- und Spielerschutz gewährleistet sowie die ordnungsgemäße Durchführung von Glücksspielen sichergestellt werden. Spielerinnen und Spieler sollen „vor betrügerischen Machenschaften geschützt“ und „die mit Glücksspielen verbundene Folge- und Begleitkriminalität abgewehrt“ werden.

Jugend- und Spielerschutz: im Internet ungenügend

Glücksspiele sind für Minderjährige verboten. Die Überprüfung erfolgt üblicherweise durch die Ausweiskontrolle im persönlichen Kontakt (Identifikation über Ausweis). Bei Online-Glücksspielen ist diese Kontrolle natürlich deutlich erschwert bzw. nicht möglich.

Rechtssprechung beim OnlineglücksspielIn den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Online-Glücksspielanbietern befindet sich häufiger ein Passus, nachdem die Spielenden selbst prüfen müssen, ob Online-Glücksspiele in ihrem (Bundes-) Land erlaubt seien oder nicht. Zum Teil wird auch vor Beginn des Spiels darauf hingewiesen, dass zum Beispiel Internetcasinospiele in einigen Ländern verboten sind. Die rechtliche Verantwortung wird damit auf den Spieler bzw. die Spielerin übertragen. Das kann Folgen haben, denn eventuelle Gewinnsummen können vom Staat eingezogen werden. Erstmals hatte das vor einiger Zeit auch ein deutsches Gericht bestätigt. Ein Mann hatte über 60.000 € beim Online-Black Jack gewonnen. Ermittler kamen dahinter und zogen das Geld ein. Der vermeintliche „Gewinner“ klagte dagegen und verlor. Seine Aussage, von dem Verbot nichts gewusst zu haben, ließ das Gericht nicht gelten.

Die Rechtslage von Online-Glücksspielen bzw. die damit zusammenhängende Strafverfolgung wird dadurch erschwert, dass die meisten Anbieter vom Ausland aus operieren.

Fazit: Online-Glücksspiele sind mit wenigen Ausnahmen in Deutschland verboten. Wer Rechtsunsicherheit beim Spielen vermeiden möchte, verzichtet auf Online-Glücksspiele.

Im Dopaminrausch. So reagiert das Gehirn auf (Online-) Glücksspiele

Unser Gehirn ist ein hochkomplexes, dynamisches System, das sich durch die Erfahrungen, die wir machen, ständig verändert. Auf diese Weise entstehen immer wieder neue Verbindungen. Alte Verknüpfungen, die nicht mehr benötigt werden, werden dagegen wieder abgebaut. Das gilt in besonderem Maße für bestimmte Lebensphasen wie etwa die Jugendzeit oder das Kleinkindalter, in denen tiefgreifende „Umbauarbeiten“ im menschlichen Gehirn stattfinden. Aber auch im höheren Erwachsenenalter entwickelt sich das Gehirn weiter – Fachleute sprechen von der „neuronalen Plastizität“, also der Formbarkeit bzw. Veränderbarkeit des Gehirns.

Besonders deutliche Spuren im Gehirn hinterlassen intensive oder lang anhaltende bzw. sich wiederholende Erfahrungen. Eine Telefonnummer, die man als Kind zigmal gewählt hat, wird man auch als Erwachsener noch wissen. Häufige Wiederholungen verstärken die Verknüpfungen im Gehirn. Aus Gewohnheiten können Abhängigkeiten werden. „Glücksspiele spielen“ gehört zu den Verhaltensweisen, die schnell in eine Sucht entgleiten können.

Abläufe im Gehirn beim Glücksspiel

Das konditionierte Gehirn

Wenn eine Verhaltensweise ein Wohlgefühl zur Folge hat (zum Beispiel nach einem Glücksspielgewinn), wird sie im Gehirn „gebahnt“. Das bedeutet, dass bestimmte Verknüpfungen zwischen Nervenzellen gestärkt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass die gleiche Verhaltensweise in Zukunft noch einmal gezeigt wird, steigt dadurch an. „Mit einprogrammiert“ wird dabei der jeweilige Kontext des Verhaltens: der Ort, die Situation und die Stimmung, in der man sich zu dem Zeitpunkt befand. Im Falle von Online-Glücksspielen kann das zum Beispiel der Sound der virtuellen Automaten sein und das Gefühl, eine andere Welt zu betreten – frei von den Belastungen des Alltags. In einer vergleichbaren Situation (stressiger Tag, der PC in Reichweite) nimmt dann die Wahrscheinlichkeit zu, dass wieder gespielt wird. Dieser Mechanismus ist schon lange unter dem Begriff „Konditionierung“ bekannt und wurde durch die Hirnforschung bestätigt. Die Umgebungsreize, die das Gehirn automatisch mit dem Glücksspielen verknüpft, wirken also noch nach dem Spielen weiter. Sie fordern auf unbewusstem Wege zum Weiterspielen auf – eine besondere Herausforderung für Menschen mit einem abhängigen Spielverhalten, die aufhören möchten zu spielen. Bei Online-Glücksspielen ist es besonders schwierig, den auffordernden Reizen aus dem Weg zu gehen – schließlich sind internetfähige Geräte allgegenwärtig in unserer Welt.

Der Steuermann im Gehirn sitzt hinter der Stirn
Diese Konditionierung des Gehirns bedeutet jedoch nicht, dass automatisch noch einmal gespielt wird. Verhindern kann das der „Präfrontale Kortex“, eine Hirnregion, die für die Abschätzung von Handlungsfolgen und die Kontrolle von Impulsen – und damit für die Verhaltenssteuerung – zuständig ist. So könnte nach einem Glücksrausch zum Beispiel die Einsicht folgen, dass es nun besser ist, mit dem Spielen wieder aufzuhören. So sichert man sich das gewonnene Geld und gerät nicht in Gefahr, es wieder zu verlieren oder schlimmer noch: dem nächsten Gewinn hinterherzujagen und dabei noch mehr zu verlieren. Man könnte also sagen, dass die „Vernunft einrastet“, wenn der Steuermann im Gehirn, der Präfrontale Kortex, das Kommando übernimmt.

Der hinter der Stirn sitzende Präfrontale Kortex hat eine vergleichsweise lange Reifungsphase – bis etwa zum 21. Lebensjahr, schätzen Fachleute. Deshalb fällt es Jugendlichen und erst recht Kindern auch schwerer, ihre Impulse zu kontrollieren. Und auch das Risiko einer Abhängigkeitsentwicklung ist besonders groß, wenn Menschen im jungen Alter mit suchterzeugenden Substanzen, aber auch mit Verhaltensweisen wie Glücksspielen oder Medienkonsum in Berührung kommen.

Vor allem dank bildgebender Verfahren haben Hirnforscher neue Erkenntnisse über die Entstehung und Aufrechterhaltung problematischer Spielweisen gewonnen – und dabei Parallelen zur Abhängigkeit von Substanzen entdeckt:

Spielgewinne lösen Dopaminrausch aus
Bei Spielgewinnen werden im Gehirn vermehrt Botenstoffe freigesetzt, die Glücksgefühle auslösen bzw. verstärken. Einer dieser Botenstoffe ist Dopamin, ein Stoff der auch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung anderer Suchtformen spielt. Das Dopamin aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn – nach einer Zeit sogar schon dann, wenn ein Gewinn nur erwartet wird. Umgebungsreize, die mit dem Spielen verknüpft sind, das Klingeln des Automaten zum Beispiel, lösen dann die Aktivierung des Belohnungssystems aus.
Im fortgeschrittenen Stadium eines problematischen Spielverhaltens wird dann nur noch die Erwartung eines Gewinns und das Spielen selbst „belohnt“. Spielgewinne werden kurz „registriert“ und oft gleich wieder eingesetzt – große Freude lösen sie nicht mehr aus. Als Anlass für einen Ausstieg werden sie aber auch selten genommen, auch wenn sich das viele vornehmen. „Einmal noch gewinnen, dann höre ich auf“ – leider trägt dieser Gedanke meist eher dazu bei, dass das Spielen beibehalten wird.
Genau wie Alkohol kann ein Gewinn im Glücksspiel also eine „Dopamin-Dusche“ im Gehirn bewirken – an die sich das Gehirn gewöhnen kann.

„Fast-Gewinne“ stimulieren ähnliche Hirnregionen wie echte Gewinne

Fachleute sind sich einig, dass sogenannte „Fast-Gewinne“ zur Entstehung und Aufrechterhaltung eines problematischem Glücksspielverhaltens beitragen können.

Gut zu wissen: Was sind Fast-Gewinne?
Von einem Fast-Gewinn spricht man, wenn zum Beispiel nur zwei statt der für einen Gewinn notwendigen drei Symbole auftauchen. Ein solches Ergebnis wird von vielen Spielerinnen und Spielern nicht als Verlust wahrgenommen, sondern so, als hätten sie „beinahe gewonnen“. Dadurch steigt bei vielen die Hoffnung, dass ein Gewinn bei einem der nächsten Spiele wahrscheinlicher wird. Diese Annahme ist allerdings falsch, denn ein vergangenes Spielergebnis – in diesem Fall der „Fast-Gewinn“ – hat keinerlei Einfluss auf den Ausgang eines zukünftigen Spiels. „Fast-Gewinne“ können die Jagd nach dem nächsten Gewinn „anheizen“ und tragen damit also zum Suchtpotential eines Glücksspiels bei.

Hirnforscherinnen und -forscher aus England haben herausgefunden, dass die Hirnaktivität, die Fast-Gewinne begleitet, eine hohe Ähnlichkeit mit den Aktivitätsmustern bei tatsächlichen Gewinnen aufweist. Gewinn oder Fast-Gewinn: für das menschliche Gehirn also offenbar kein großer Unterschied. Das könnte erklären, warum Glücksspielerinnen und -spieler nach Fast-Gewinnen einen höheren Drang verspüren weiterzuspielen – vergleichbar mit der Reaktion auf echte Gewinne1).

Online-Glücksspiele: Vor allem für Jugendliche und Problemspielende riskant
Jugendliche sind häufiger und längere Zeit im Netz als ältere Erwachsene. Aus der Hirnforschung ist zudem bekannt, dass sie ihre Impulse schwerer kontrollieren können als Erwachsene. Großen Einfluss haben auch gleichaltrige Freunde (Peers), die ebenfalls viel im Internet unterwegs sind. Onlinespiele sind bei vielen hoch im Kurs. All das macht junge Leute besonders anfällig für die Risiken von Online-Glücksspielen.

Ein erhöhtes Risiko besteht auch für Menschen mit einem bereits kritischen Spielverhalten. Ihre Selbstkontrolle gegenüber Glücksspielen ist geschwächt. Insbesondere fällt es ihnen schwer, sich bei jenen Glücksspielen zurückzuhalten, die sie in der Vergangenheit oft gespielt und die zur Entwicklung ihres abhängigen Verhaltens beigetragen haben. Im Internet treffen sie dann auf die Online-Varianten „ihrer“ Glücksspiele – deren Spielweise mit denen aus der realen Welt (Geldspielautomaten, Sportwetten etc.) vergleichbar ist bzw. ihnen entsprechen. Während man Spielhallen oder Casinos jedoch aus dem Weg gehen kann (was für viele bereits mit großen Problemen verbunden ist), ist dies beim Computer oder dem Smartphone ungleich schwerer – zumal diese Geräte für viele Menschen unerlässlich für die tägliche Arbeit und für die Kommunikation mit Freunden sind.

Fazit: Glücksspiele hinterlassen Spuren im Gehirn, die mit der Häufigkeit des Spielens immer tiefer werden und einen Ausstieg erschweren. Bei Online-Glücksspielen sollten besonders Jugendliche und Menschen mit einem bereits problematischen Spielverhalten aufpassen. Je früher ein Spieler oder eine Spielerin eine kritische Entwicklung feststellt und sich beraten lässt, desto leichter und besser kann der Ausstieg gelingen. Infos zu Hilfsangeboten finden Sie hier.


 

 1) British Neuroscience Association (2013, April 8). Distorted thinking in gambling addiction: What are the cognitive and neural mechanisms?. ScienceDaily. Retrieved July 23, 2013, from http://www.sciencedaily.com /releases/2013/04/130408085046.htm

Gratis? Einer zahlt immer

Online Glücksspiele sind nur vordergründig kostenlos„Keine Kohle, ständig neue Games zu kaufen? Macht nichts: Zocken Sie gratis!“ Mittlerweile gibt es viele Seiten im Internet, die mit solchen oder ähnlichen Slogans locken. Viele dieser sogenannten „Free-to-Play Games“ entsprechen klassischen Glücksspielen wie Automatenspielen, Roulette oder Poker oder enthalten zumindest glücksspielähnliche Elemente.

Gut zu wissen: Was sind „Free-to-Play Games”?
Free-to-Play Games sind Spiele, die im Internet kostenlos heruntergeladen oder direkt im Browser/App gespielt werden können. Mittlerweile gibt es zahlreiche Spieleseiten, die Shooter, Renn-, Rollen-, Strategie- und auch Glücksspiele anbieten. Auf so genannten „Demo-Seiten“ bieten diese Websites neuen Spielerinnen und Spielern die Möglichkeit, sich ohne Geldeinsätze an den jeweiligen Spielen zu beteiligen und so die Spielweise zu erlernen – und natürlich Gefallen an dem Spiel zu finden. Schnell werden reale Gewinne in Aussicht gestellt, die zu einer Teilnahme mit echtem Geld motivieren. Derartige Angebote sind also eine Art „Trainingslager“ für zukünftige Glücksspieler.

Um Geschicklichkeit geht es beim Gratisspiel nur am Rande

Zum Teil wird damit geworben, dass es bei den Spielen auf das individuelle Können und die Geschicklichkeit des Spielers bzw. der Spielerin ankomme und nicht auf Glück. Aus der Suchtforschung weiß man jedoch, dass ein solcher (meist nur vermeintlicher) Kompetenzanteil eines Glücksspiels eine kritische Entwicklung des Spielverhaltens sogar noch verstärken kann. Denn fast immer wird die Möglichkeit, das Spiel mit Hilfe des eigenen Könnens oder Wissens zu steuern, überschätzt. Denn auch bei Glücksspielen mit Kompetenzanteil, wie etwa bei Online-Sportwetten, bleibt es dabei: Der Ausgang des Spiels hängt überwiegend vom Zufall ab. Wer dabei auf die eigene Kompetenz setzt, hat bereits „automatisch verloren“.

Spielen im Netz: Vorsicht Etikettenschwindel

Spiele im Internet sind beliebt, nicht nur bei Jugendlichen. Und „Games“ bzw. Spiele klingt erst einmal harmloser als „Glücksspiele“ - vor allem wenn eine junge Zielgruppe erreicht werden soll. Glücksspiele sind für Minderjährige in Deutschland schließlich verboten. Eine Studie aus Amerika konnte zeigen, dass Menschen eher bereit sind, sich an einem Online-Glücksspiel zu beteiligen, wenn es mit dem Begriff  „Gaming“ (Spielen) beworben und das Wort „Gambling“ (Glücksspiele spielen) vermieden wird. Das Etikett machte hier also den Unterschied1).

Ständige Präsenz lässt Spiele „normaler“ erscheinen

Die Anbieterseite unternimmt so einiges, um Neukundinnen und -kunden zu gewinnen und Spielerinnen und Spieler zu halten. Neben klassischen TV-Spots unter anderem mit prominenten Testimonials, gibt es Begrüßungsgeschenke, Pop-up-Fenster mit Werbebotschaften oder regelmäßige Erinnerungsmails bei Spielpausen oder Einladungen durch andere Spielerinnen und Spieler. Ein Nebeneffekt dieser Maßnahmen: Die regelmäßige Konfrontation mit dem Thema trägt zu einer Normalisierung von Glücksspielen bei.

Jugendliche im Visier der Online-Glücksspielindustrie

Mit ansprechendem Game-Design und beispielsweise dem Einsatz beliebter Superheldenfiguren, wird die Neugier auf das Spielen um Geld schon bei jungen Menschen geweckt und eine eventuelle schon bestehende Neigung zum Glücksspielen verstärkt. Es besteht dadurch das Risiko, dass Kinder und Jugendliche früher in Kontakt mit Glücksspielen oder glücksspielähnlichen Produkten kommen. Wenn Minderjährige im Internet surfen oder spielen, werden sie zwangsläufig mit Glücksspielangeboten konfrontiert.

Kostenloser Einstieg, abgezockt am Ende: Online gratis SpieleWie bei allen Suchtproblemen spielt die Verfügbarkeit auch bei Online-Glücksspielen eine große Rolle: Mit mobilen Endgeräten kann theoretisch in jeder Schulpause oder zum Beispiel während der Bahnfahrt die Spielewelt betreten werden. Unzureichende Altersverifikationen ermöglichen auch Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Glücksspielangeboten. Durch Paysafe-Karten können sogar Minderjährige Geldeinsätze tätigen. Das Internet gewährleistet Anonymität und einen leichten Einstieg in Glücksspiele, bei dem die Spieler keine Angst haben müssen, als „Anfänger“ oder „Anfängerin“ entlarvt zu werden.

Fazit: So genannte Gratisspiele bzw. Demo-Seiten sind in erster Linie ausgeklügelte Werbemittel. Die Rechnung kommt später, wenn die User – motiviert durch die Erfahrungen beim Probespielen – um echtes Geld spielen.


1) Ashlee Humphreys, Kathryn A. Latour. Framing the Game: Assessing the Impact of Cultural Representations on Consumer Perceptions of Legitimacy. Journal of Consumer Research, December 2013

„Jung, männlich, berauscht“. Wer spielt Glücksspiele im Netz?

Typischer (Glücks-)Spieler im Netz?Ein junger Mann, alleine im abgedunkelten Zimmer, mit gebanntem Blick auf einen oder sogar mehrere Bildschirme – so stellen sich viele den typischen Online-Glücksspieler vor. Stimmt dieses Bild? Sind es vor allem die Männer, die es an die virtuellen Pokertische und vor die Online-Automaten zieht? Spielen junge Erwachsene häufiger im Internet um ihr Glück als die Älteren, die noch „analog“ aufgewachsen sind?

Aktuelle Zahlen aus der Glücksspielforschung:

Es stimmt: Männer spielen häufiger Glücksspiele im Internet
Und nicht nur dort – Männer spielen insgesamt häufiger und um höhere Beiträge als Frauen. Zu diesem Ergebnis kommen repräsentative Befragungen, aber auch zum Beispiel Erhebungen in Beratungseinrichtungen, immer wieder. Diese grundsätzliche Tendenz spiegelt sich auch im Online-Bereich. Ein Beispiel: Während 9,6 Prozent aller Männer in Deutschland schon einmal ein Internet-Casinospiel gespielt haben, liegt diese Quote bei den Frauen mit 2,9 Prozent deutlich niedriger. Und im Vergleich zu anderen „Spielorten“ bevorzugen Männer ebenfalls öfter den Weg über das Internet als Frauen.

Diese Unterschiede bedeuten natürlich nicht, dass Frauen durch (Online-) Glücksspiele nicht gefährdet seien und dürfen erst recht nicht dazu führen, dass glücksspielende Frauen übersehen werden. Daten aus der sogenannten BADO-Erhebung1) zeigen beispielsweise, dass Frauen zwar im Durchschnitt später in ihrem Leben mit Glücksspielen anfangen, sich bei ihnen jedoch schneller ein kritisches Spielverhalten entwickelt. Außerdem spricht vieles dafür, dass die Glücksspielindustrie zunehmend die weibliche Zielgruppe entdeckt. (BZgA, 2014)2)

Spielen vor allem junge Leute Glücksspiele im Internet? Ja und Nein
Was stimmt: Ältere Erwachsene (46 bis 65 Jahre) nutzen vergleichsweise selten das Internet, um Glücksspiele zu spielen. Laut BZgA haben sich 2 Prozent der Menschen in dieser Altersgruppe in den vergangenen zwölf Monaten an einem Online-Glücksspiel beteiligt. Bei den 18- bis 20-Jährigen ist diese Quote mit 1,7 Prozent jedoch sogar noch etwas geringer. Unter 16- bis 17-jährigen Jugendlichen, denen laut Gesetz die Teilnahme an jeglichem Glücksspiel verboten ist, spielen 1,8 Prozent Online-Glücksspiele (ebenfalls bezogen auf eine Spielteilnahme in den vergangenen zwölf Monaten). Höhere Beteiligungsquoten findet man im jungen und mittleren Erwachsenenalter, zwischen 21 und 45 Jahren. Am häufigsten bei einem Online-Glücksspiel anzutreffen sind die 36- bis 45-Jährigen: Ungefähr jeder 20. von ihnen (4,8 Prozent) hat im vergangenen Jahr im Internet um Geldbeträge gespielt. (BZgA, 2014)
 
Ein Mann zockt in einem Online-CasinoVermehrt kritische Spielweisen unter Online-Glücksspielerinnen und -spielern
Ungefähr jeder sechste Spieler bzw. Spielerin von Internet-Casinospielen (ganz genau sind es 17,0 Prozent) zeigt ein problematisches oder bereits pathologisches Spielverhalten. Im Vergleich zu anderen Glücksspielarten ist diese Quote sehr hoch und steht in der Rangfolge der Glücksspiele mit „Problemspielendenanteil“ (als „Problemspielende“ werden in der Glücksspielforschung alle Personen bezeichnet, die ein mindestens problematisches Spielverhalten aufweisen) auf Platz 4. Anteilig mehr Problemspielende haben nur Automatenspiele, Live-Wetten und Glücksspiele nach dem Oddset-Prinzip.

Online-Glücksspiele: Auch ein Thema für den Jugendschutz
Jugendliche finden Wege, das für sie geltende Glücksspielverbot zu umgehen. Das zeigen Erfahrungen aus der Praxis genauso wie große repräsentative Befragungen. Eine Studie der Universität Mainz3) nahm das Glücksspielverhalten von 12- bis 18-jährigen Kindern und Jugendlichen im Bundesland Rheinland-Pfalz genauer unter die Lupe. Das Ergebnis: Am häufigsten spielten die jungen Befragten zwar Kartenspiele, kauften sich Rubbellose oder versuchten sich am Glücksspielautomaten. Aber auch im Internet wurden die Jugendlichen auf der Suche nach Glücksspielen oft fündig. Jede/r 20. von ihnen hatte in den vergangenen zwölf Monaten Internet-Poker gespielt (fünf Prozent), drei Prozent hatten online eine Sportwette abgeschlossen. Und jede/r zehnte von ihnen verweist auf „andere (Glücks-) Spiele im Internet“, die er oder sie im Jahr vor der Befragung gespielt habe.

Fazit: Am häufigsten Spielen Männer im jungen und mittleren Erwachsenenalter Online-Glücksspiele. Auch Jugendliche spielen im Netz um Geld. Sie sind besonders gefährdet, ein problematisches Spielverhalten zu entwickeln. Aber auch für andere Alters- und Personengruppen gilt: Online-Glücksspiele sind mit einem erhöhten Risiko verbunden.


1) Suchthilfe in Hamburg - Statusbericht 2013 der Hamburger Basisdatendokumentation in der ambulanten Suchthilfe und der Eingliederungshilfe (2014). Herausgeber: BADO e.V.; abrufbar unter http://www.bado.de/dokumente/2013/BADO-Statusbericht%202013_www.pdf

2) Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2014). Glücksspielverhalten und Glücksspielsucht in Deutschland. Ergebnisse des Surveys 2013 und Trends. Köln. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

3) Aus Vortrag „Problematisches Glücksspielen und Glücksspielsucht -Einstiege und Verläufe bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen“ von Dr. Klaus Wölfing; PDF: https://gluecksspiel.uni-hohenheim.de/fileadmin/einrichtungen/gluecksspiel/Symposium2014/KWoelfling_2014.pdf

Online-Glücksspiele: Verführer im Netz

Online Glücksspiele: Internet Slots, Online-Casinos und mehrSchnell einen Überblick über das aktuelle Weltgeschehen bekommen, bequem von zu Hause aus shoppen oder den Freundeskreis über das nächste Treffen informieren: Viele Menschen haben es sich inzwischen angewöhnt, dafür das Internet zu nutzen. Und auch in den meisten Wirtschaftsbereichen kann man beobachten, wie sich ein zunehmender Teil des Geschäfts in das World Wide Web verlagert. Dies gilt auch für Online-Glücksspiele: Inzwischen kann man Poker spielen, ohne die Gegner jemals zu Gesicht zu bekommen, der Roulettekessel dreht sich immer öfter auf (illegalen) Websites und anstatt Münzgeld in einen Automaten zu werfen, wird in der „Online-Spielhalle“ das Geld von der Kreditkarte abgebucht.

Gut zu wissen: Was sind Online-Glücksspiele?
Online-Glücksspiele sind Spiele, die online über den Computer, das Handy oder ein anderes internetfähiges Gerät (z.B. Tablet) gespielt werden können. Voraussetzung für die Spielteilnahme ist ein Einsatz (Geld- oder geldwerter Einsatz). Der Ausgang des Spiels hängt vollständig oder zumindest überwiegend vom Zufall ab. Die Spiele werden zumeist online gespielt, jedoch zählen auch der Online-Kauf eines Lottoscheins oder der Abschluss einer Sportwette im Rahmen eines konventionellen Glücksspiels zu den Online-Glücksspielen1).

Online-Glücksspiele: Alter Wein in neuen Schläuchen?

Das Medium ist natürlich ein anderes – aber der virtuelle Glücksspielautomat sieht immer noch so aus wie ein Glücksspielautomat, auch die Spielweise ist vergleichbar mit der Offline-Variante. Ähnlich sieht es beim Online-Poker oder bei Internet-Sportwetten aus. Sind Online-Glücksspiele der sprichwörtliche „Alte Wein in neuen Schläuchen“, also einfach nur ein weiterer Vertriebsweg, vergleichbar mit anderen online getätigten Geschäften? Oder geht von Online-Glücksspielen eine eigene Gefahr aus? Erhöht sich das Risiko dadurch, dass im Netz und nicht im persönlichen Kontakt mit dem Glücksspiel und anderen Spielern gespielt wird?

Die Antwort lautet: Ja, ein Online-Glücksspiel ist nicht einfach nur ein Glücksspiel, das über ein anderes Medium gespielt wird. Mit Glücksspielen im Internet sind besondere Risiken verbunden, wie Suchtexperten übereinstimmend feststellen. Und auch Spielerinnen und Spieler berichten: Die Spielsituation ist eine ganz andere, wenn man alleine zu Hause ist und das Geld nicht eigenhändig in den Automaten wirft.

Online-Glücksspiele aus Sicht von SpielerInnen und ExpertInnen:

Online-Glücksspiele aus Sicht der Spielerinnen und Spieler:

  • Ständig verfügbar: Online-Glücksspiele haben keine Öffnungszeiten wie Spielhallen oder Spielbanken.
  • Bequem: Es fällt keine Anfahrt zum Spielort an und auch die Kleidung spielt keine Rolle. Außerdem sind die Kosten für Getränke und Essen geringer, wenn man zu Hause spielt.
  • Anonym: Bei Online-Glücksspielen gibt es keinen Kontakt zu anderen Menschen. Auch das kann dem einen oder anderen praktisch bzw. bequem erscheinen, vor allem jenen, für die Menschenansammlungen stressig sind. Die Kehrseite: Es fehlt das Gespräch zwischendurch und die Atmosphäre geselligen Zusammenseins. Und vor allem: Es gibt niemanden, der einen bremsen könnte. So ist das Personal in Spielbanken zum Beispiel dafür sensibilisiert, auffällige Spielerinnen und Spieler zu erkennen und ihnen im Bedarfsfall eine „Spielersperre“ zu empfehlen bzw. zu erteilen. Eine solche Instanz (oder auch den aufmerksamen Spieler am Automaten nebenan, der einschreiten könnte) gibt es im Internet nicht.
  • Unübersichtlich: Die Auswahl an Glücksspielen im Internet ist riesengroß. Oftmals weiß man gar nicht, wer hinter einem Glücksspiel-Angebot steht.
  • Unsicher oder illegal: Online-Glücksspiele sind in den allermeisten Fällen verboten: Man macht sich also strafbar, wenn man im Internet um Geld spielt, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen und hat kein Anrecht auf einen Gewinn.
  • Ungebremst: Die beschriebene Anonymität und das fehlende Regulativ durch andere Menschen können dazu führen, dass höhere Geldbeträge eingesetzt werden.
  • Gefährlich: Meist lässt sich am Computer, also nur ein paar Klicks entfernt, über Online-Banking weiteres Spielgeld besorgen. Kommt dazu noch Alkohol ins Spiel, kommen viele schnell in einen Spielrausch – Kater und leeres Konto garantiert.

Online-Glücksspiele aus Sicht von Suchtexperten:

  • Würfel und Casino Chips auf einem NotebookDie fehlenden Möglichkeiten zum Spieler- und Jugendschutz machen Online-Glücksspiele riskant. Minderjährige und gesperrte Spielerinnen und Spieler kommen im Internet leichter an Glücksspiele.
  • Das Internet ist nahezu überall. Online-Glücksspiele können auf dem Smartphone, über den PC zu Hause und bei der Arbeit, im Internetcafe etc. gespielt werden. Aus der Suchtforschung weiß man: Eine hohe Verfügbarkeit macht ein Suchtmittel riskanter, das gilt auch für Verhaltenssüchte wie den pathologischen Glücksspielgebrauch. Und:
  • Menschen, die aufhören möchten, im Netz zu spielen oder ihre Spielaktivitäten dort stärker begrenzen möchten, haben es schwer, das Medium oder die dort zu findenden Glücksspielangebote zu umgehen. Denn die Arbeit am Computer und über das Internet ist aus den meisten Lebens- und Arbeitsbereichen nicht mehr wegzudenken. Einfach den Computer im Büro oder zu Hause nicht mehr anmachen, ist also auch keine Lösung. Und ist man einmal im Netz, muss man nicht einmal die entsprechenden Seiten aufrufen, um mit Glücksspielen konfrontiert zu werden: „Plug-In-Werbung“ sorgt dafür, dass den Nutzern früher genutzte Angebote nun als Werbung begegnen.
  • Es wird mit elektronischem Geld gespielt, das kann zu größeren Einsätzen verführen. Die wiederum erhöhen das Risiko, dass verloren gegangenem Geld hinterher gejagt wird – und das Spielen außer Kontrolle gerät.
  • Absprachen zum Beispiel zwischen Online-Pokerspielern mindern die Gewinnchancen und machen das Spiel unfair.
  • Oftmals fällt es den Angehörigen, zum Beispiel den Eltern oder dem Partner / der Partnerin (zu) spät auf, dass Online-Glücksspiele gespielt werden: Der Sohn / die Freundin „ist halt viel im Internet“, wie viele andere auch. Wenn er oder sie sich stattdessen allabendlich in die Spielhalle verabschieden würde, fiele das in den meisten Fällen eher auf.
  • Wie bei illegalen Musik-Downloads auch, ist vielen Menschen nicht wirklich bewusst, dass sie sich außerhalb des Gesetzes bewegen, wenn sie im Internet Glücksspiele spielen. 

Fazit: Glücksspiele im Internet sind mit besonderen Risiken verbunden und auch die Rechtslage für Online-Glücksspiele ist eine andere.

Wir informieren Sie ...

Unsere Webseite "webfehler-hamburg.de" informiert darüber hinaus ausgiebig über das spezifische Thema „Exzessive Internetnutzung“.


1) Angelehnt an Definition aus Kurzbericht IFT „ Online Glücksspielangebot: Trends 2012-2014“; Autoren: Pawel Sleczka, Barbara Braun & Ludwig Kraus; aus April 2014

Online-Casinos & Co: Player auf einem Milliardenmarkt

Ein Online-Casino lässt sich ganz ohne Raumkosten und natürlich auch mit deutlich geringeren Personalkosten betreiben als etwa eine Spielbank in attraktiver Stadtlage. Hinzu kommen steuerliche Vorteile, wenn das Unternehmen zum Beispiel in Gibraltar oder den Niederländischen Antillen lizenziert ist. Beflügelt wird das Geschäft zudem durch den allgemeinen Internet-Trend und die weit verbreitete technische Ausstattung in der Bevölkerung: Für die Glücksspielindustrie sind Online-Glücksspiele das sprichwörtliche „gefundene Fressen“. Wenn da nicht die Rechtsprechung wäre, aber auch die wird oftmals geschickt umgangen – schließlich mangelt es noch an einer einheitlichen und wirksamen Regulierung von Glücksspielangeboten im Netz.

Online-Casinos & CoWelche Umsätze genau mit Online-Glücksspielen gemacht werden und wie hoch die Spielverluste der Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland ausfallen, lässt sich allenfalls schätzen. Schließlich sitzen die meisten Anbieter im Ausland und bedienen von dort aus eine Vielzahl von Ländern. Eine Reihe von ihnen hat Glücksspielseiten, die auch von Deutschland aus erreicht werden können, viele davon in deutscher Sprache. Hinzu kommt, dass sich die Angebotspalette der Online-Glücksspiele schnell verändert und Umsatzzahlen dadurch entsprechend schnell veralten würden. Die Suchtforscherinnen und -forscher vom Institut für Therapieforschung (IFT) in München stellen fest, dass es „zurzeit keine allgemein anerkannte Methode zur Einschätzung / Messung des Online-Glücksspielmarkts“1) gebe. Aussagen zur wirtschaftlichen Seite von Online-Glücksspielen sind also mit Vorsicht zu betrachten.

Umsätze der Glücksspielindustrie

Eines lässt sich jedoch sagen: Die Umsätze der Glücksspielindustrie mit Onlinespielen steigen an. Einige Einschätzungen aus der Wissenschaft:

  • Die Expertinnen und Expterten vom IFT haben in einer im Jahr 2014 veröffentlichten Studie über 260 Anbieter gezählt, die sich mit Online-Glücksspielangeboten an deutsche Kunden wenden. Sie verfügen über ungefähr 670 Glücksspielseiten, die aus Deutschland und in deutscher Sprache genutzt werden können. Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl von Angeboten in anderen Sprachen, die ebenfalls in Deutschland gespielt werden können. Die Wissenschaftler schreiben, dass „Online-Glücksspielangebote in Deutschland trotz eines Online-Glücksspielverbots weit verbreitet“ seien und „in den letzten Jahren noch zugenommen haben“. So sei beispielsweise die Zahl der verfügbaren Online-Glücksspielautomaten in Deutschland von 2012 bis 2014 um etwa 46 Prozent gestiegen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geben an, dass es keine Garantie für die Genauigkeit ihrer Datenquellen gebe und verweisen auf eine noch höhere Zahl von Online-Glücksspielseiten, die die Europäische Kommission gezählt habe.
  • Eine Schätzung des Bruttospielertrags (Summe der Einsätze abzüglich der ausgezahlten Gewinne) bei Online-Glücksspielen im Jahr 2012 beläuft sich auf 1 Milliarde2), Tendenz wahrscheinlich steigend.
  • Für Online-Poker kamen der Hamburger Wissenschaftler Ingo Fiedler und seine Kollegin Ann-Christin Wilcke für das Jahr 2013 auf 357.322 aktive deutsche Online-Pokerspieler und -spielerinnen, die am weltweiten Markt etwa acht Prozent ausmachen.
  • Die EU-Kommission schätzt die Zahl der Europäer, die im Internet Glücksspiele spielen, auf etwa 7 Millionen. Damit halte Europa einen Marktanteil von 45 Prozent am weltweiten Markt für Online-Glücksspiele, so die Kommission3).

Fazit: Mit Online-Glücksspielen werden Milliarden verdient. Die unsichere Rechtslage und ungenügende Regulierungsmöglichkeiten begünstigen das Geschäft – und erschweren den Jugend- und Spielerschutz.


1) Kurzbericht IFT „ Online Glücksspielangebot: Trends 2012-2014“; Autoren: Pawel Sleczka, Barbara Braun & Ludwig Kraus; aus April 2014

2) Goldmedia (2013). Glücksspielmarkt Deutschland 2017. Marktliche Effekte der Regulierung von Sportwetten in Deutschland, Berlin.

3) Pressemitteilung der EU-Kommission: http://europa.eu/rapid/press-release_IP-14-828_en.htm