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Wenn die Ampel auf gelb springt

Am Ende einer „Spielerkarriere“ stehen oft hohe Schulden und zerrüttete Familienverhältnisse – und mittendrin ein Mensch, der die Kontrolle über sein Spielverhalten verloren hat. Mit professioneller Unterstützung kann es ihm oder ihr zwar auch dann noch gelingen, sich aus dieser Lage zu befreien und ein neues Leben aufzubauen. Um einiges erfolgversprechender und weniger mühsam ist der Ausstieg aus den Glücksspielen jedoch, wenn die Gefährdung frühzeitig erkannt wird und vor allem: wenn die betreffende Person selber zu einem deutlich früheren Zeitpunkt erkennt, dass sie etwas verändern muss.
Oftmals schwer zu erreichen: gefährdete Spielerinnen und Spieler

Eine Glücksspielsucht entwickelt sich über einen längeren Zeitraum: ein Zeitraum, in dem die Fähigkeit, das eigene (Spiel-) Verhalten zu steuern, immer weiter abnimmt. Genau aus diesem Grund sind Früherkennung und Frühintervention so wichtig: Je früher in diesem Verlauf jemandem geholfen wird, desto leichter lässt sich das Ruder noch herumreißen. Doch ausgerechnet gefährdete Spieler und Spielerinnen sind häufig schwer zu erreichen. Sie selber wenden sich nur selten an das Hilfesystem und Spielerschutzmaßnahmen in Spielhallen oder Spielbanken greifen ebenfalls nicht ausreichend.

Wie kann Früherkennung bei gefährdeten Spielerinnen und Spielern gelingen und warum holen sich viele Menschen erst so spät Hilfe, wenn überhaupt? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Warum spielen viele Menschen immer weiter, obwohl sich bei ihnen Verluste auftürmen und auch andere negative Konsequenzen (zum Beispiel Streit in der Familie) bereits spürbar sind?

Glücksspielerinnen und Glücksspieler blenden ihre Verluste oft aus, Gewinne werden dagegen besser erinnert und treiben die Hoffnung auf den nächsten Gewinn an – der noch dazu so groß ausfallen könnte, dass er die früheren Spielverluste wieder wettmacht. Wenn tatsächlich einmal eine größere Summe gewonnen werden sollte, setzen die meisten dieses Geld jedoch wieder ein.

„Einmal will ich noch gewinnen, dann höre ich auf“: Dieses Versprechen (an sich selbst, manchmal auch anderen gegenüber ausgesprochen) geht so gut wie nie auf, sorgt aber dafür, dass weitergespielt wird und die Verluste sich noch erhöhen. „Vergangenen Verlusten hinterherzujagen“, das sogenannte „Chasing“, ist ein Hinweis auf ein problematisches bzw. pathologisches Spielverhalten.

Menschen, denen der Umgang mit Glücksspielen entgleitet, richten ihren Alltag immer mehr auf das Spielen aus: Die Freizeit wird zunehmend in der Spielhalle verbracht, erst die Abende, später dann auch die Mittagspause und die Wochenenden. Verständlich, dass sich das Spielen alleine dadurch immer weniger mit anderen Lebensinhalten „verträgt“ und es beispielsweise zu Familienstreitigkeiten kommt. Selbst solche eindeutig negativen Folgen des Spielens können den Teufelskreis jedoch noch verstärken, nach dem Motto: „Zu Hause herrscht sowieso nur dicke Luft, da gehe ich lieber in die Spielhalle.“.

Warum suchen viele gefährdete Spielerinnen und Spieler erst so spät Hilfe?

Aus den gerade genannten Gründen. Und: weil es einen gewaltigen inneren Prozess erfordert, zu erkennen und sich selbst (und anderen) gegenüber einzugestehen, dass man ein Problem im Umgang mit Glücksspielen hat – zu groß ist häufig die Scham. Sie wird nicht nur durch die hohen finanziellen Verluste genährt, die oft auch auf Kosten anderer Menschen gehen, etwa wenn Spielschulden nicht beglichen werden oder das Familien-Sparbuch geplündert wurde. Auch die durch das exzessive Spielen vernachlässigten Beziehungen in der Familie und im Freundeskreis können zur Hypothek werden: „Ich war in den vergangenen Monaten und Jahren viel zu selten zu Hause und wenn ich da war, war ich gereizt und ungerecht. Wie kann ich da Hilfe erwarten?“. Auch die gesellschaftliche Erwartung, sein Leben jederzeit im Griff zu haben, kann Spieler und Spielerinnen davon abhalten, sich Unterstützung zu suchen. Zuletzt: sich selber beim Spielen sozusagen „über die Schulter zu schauen“ und dieses Verhalten dann auch noch als riskant einzustufen, kann eine ziemliche Überforderung sein. Das führt uns zur nächsten Frage:

Wie komme ich meinem Spielverhalten auf die Spur?

Gerade weil man nicht erwarten kann, dass betroffene Menschen ihr Spielverhalten selber einschätzen (können), sind professionelle Angebote, beispielsweise in einer Beratungsstelle oder bei einer Telefonberatung (siehe dazu die Antworten der übernächsten Frage) wichtig. Ebenfalls hilfreich – für einen ersten Eindruck – können kurze Selbsttests sein, wie beispielsweise dieser hier. Einige Spieler und Spielerinnen werden auch von anderen Menschen auf ihr Spielen angesprochen, zum Beispiel von Familienangehörigen, die sich Gedanken machen oder (seltener) auch von Beschäftigten in Spielhallen und Spielbanken, die ihrer Pflicht zum Spielerschutz nachgehen. Typische Reaktion von Spielenden darauf: beschwichtigen, verharmlosen, zurückweisen, Ärger zeigen – oder eine andere Form der Abwehr. Hier kann es helfen – vorzugsweise in einer ruhigen Minute, nicht im Eifer des Augenblicks – doch einmal darüber nachzudenken: Welche (gute) Absicht könnte der- oder diejenige gehabt haben, mich darauf anzusprechen? Und was könnte dran sein an der Rückmeldung?

Welche Beratungsmöglichkeiten gibt es?

Alles, was Sie zu Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten für gefährdete Spielerinnen und Spieler wissen müssen, finden Sie unter www.automatisch-verloren.de in der Rubrik Hilfe. Wichtig: Alle Beratungs-und Informationsangebote stehen nicht nur Menschen zur Verfügung, die bereits ein manifestes Problem mit Glücksspielen haben, sondern auch

  • Angehörigen
  • allen, die sich zu dem Thema informieren möchten
  • jenen Menschen, die sich erste Gedanken über ihr Spielverhalten machen und einfach mal mit jemandem ins Gespräch kommen möchte, der/ die sich mit dem Thema auskennt und eine fachkundige (und natürlich kostenfreie und anonyme) Rückmeldung geben kann.

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