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Erinnerung an frühere Gewinne kann zum Weiterspielen animieren!

„Mein Pech war, dass ich am Anfang Glück hatte“. Dieser Ausspruch eines (pathologischen) Glücksspielers ist unter Suchtexperten eine Art „Klassiker“ geworden – beschreibt er doch einen typischen Anfang einer Entwicklung zur Spielsucht, an dem oftmals ein größerer Gewinn steht. Um noch einmal zu gewinnen, wird dann weiter gespielt. Offenbar ist der frühere Gewinn in diesen Fällen eine Art „Initialzündung“ und die Erinnerung daran könnte dazu beitragen, dass die Person nicht aufhört zu spielen.

Wie mächtig sind Spielgewinne aus der Vergangenheit?

Eine neue Untersuchung aus England hat nun gezeigt, dass die Erinnerung an zurückliegende Gewinne tatsächlich wirkungsvoll sein kann. Um ihre These „Gewinne beeinflussen die spätere Entscheidung zum (Weiter-) Spielen“ zu überprüfen, führten die Studienverantwortlichen ein Experiment durch. Wobei: Das Wort „Entscheidung“ im Zusammenhang mit dem Weiterspielen trifft es nicht so ganz. Denn es sind eher unbewusste Prozesse, die dabei das „Zepter in der Hand“ halten.

Ein Experiment am PC soll Aufschluss über Risikoverhalten geben

Für das Experiment wurden insgesamt 86 Personen gebeten, am Computer ein Glücksspiel zu spielen. Auf dem Bildschirm waren jeweils verschiedenfarbige Türen zu sehen, hinter denen sich Frucht-Symbole verbargen (vergleichbar mit den Symbolen, die wir von Automatenspielen kennen, also beispielsweise eine Brombeere oder eine Birne). Wenn die Probanden nun zum Beispiel die grüne Tür wählten, war dahinter eine Birne zu sehen, die 40 Gewinnpunkte erbrachte. Im Laufe des Spielens lernten die Probanden dann, dass sich hinter der grünen Tür immer die Birne versteckte. Es gab noch zwei weitere dieser Türen, hinter denen immer das gleiche Symbol zu sehen war. Bei der vierten Tür war es anders: Sie zu öffnen war mit einem Spielrisiko verbunden: Entweder erschien dort eine Brombeere, die eine hohe Punktzahl bedeutete oder eine Erdbeere, die mit einer niedrigen Punktzahl verknüpft war. Die Chance für eine Erdbeere oder eine Brombeere war jeweils 50 zu 50. Das Spiel bestand nun darin, sich in vielen Durchgängen jeweils zwischen zwei Türen zu entscheiden, die auf dem Bildschirm gezeigt wurden.

Können Reize unterhalb der Wahrnehmungsschwelle das Spielverhalten beeinflussen?

Man gab den Teilnehmern genügend Zeit, die Systematik des Spiels kennenzulernen, bevor man das eigentliche Experiment durchführte: Bei einigen Durchgängen präsentierte man den Probanden, bevor man ihnen die beiden Türen darbot, für ganz kurze Zeit (0,5 Sekunden) eines der Symbole. Die Symbole waren jeweils so kurz zu sehen, dass sie unter die Wahrnehmungsschwelle fielen, also nicht bewusst gesehen wurden. Die Wissenschaftler interessierte nun: Würden die Entscheidungen der Teilnehmer davon beeinflusst werden, welches Symbol man ihnen kurz vorher einspielte?

Eingespielte Reize verführen zum Risiko

Das Ergebnis der Untersuchung: Grundsätzlich spielten die Teilnehmer defensiv und vermieden Risiken. Mit einer Ausnahme: wenn man ihnen zuvor für kurze Zeit die Brombeere einspielte, also das Symbol, das im Falle eines Gewinns bei der Risikoentscheidung auftauchte. Wenn die Brombeere präsentiert wurde, spielten die Probanden demnach also riskanter. Die Folgerung der Studienverantwortlichen: Durch das Auftauchen des Symbols wird die Erinnerung an zurückliegende Gewinne geweckt, die man wieder erzielen möchte – und dafür riskanter spielt. Es muss also nicht einmal die bewusste Erinnerung an einen früheren Gewinn in der Vergangenheit sein, die zum Weiterspielen animiert. Es reicht, wenn ein Reiz erfolgt, der automatisch mit dem Gewinnen verknüpft wird – eine Möglichkeit für die Glücksspielindustrie, die Nachfrage der Konsumenten mit zu steuern, zum Beispiel durch das Einspielen von Sounds, die einen Gewinn signalisieren oder die Darbietung von visuellen Erinnerungen an frühere Gewinnerlebnisse.

Nüchterner Verstand ist das beste Mittel gegen Spielreize

Was hilft gegen die Verlockungen des Glücksspiels? Zuallererst einmal ein möglichst kühler Verstand. Um den zu bewahren, sollte man beim Spielen immer wieder Pausen einlegen. Wer dann merkt, dass ihm oder ihr solche Unterbrechungen des Spielens schwer fallen oder eine geplante Auszeit sogar nicht durchgehalten wird, sollte das Gespräch mit einem Berater oder einer Beraterin suchen. Apropos Gespräch: Wer regelmäßig Glücksspiele spielt, sollte aufpassen, dass er oder sie sich nicht von anderen Menschen (vor allem aus dem „nichtspielenden Umfeld“) isoliert, sondern im Kontakt bleibt mit Menschen, die ihm oder ihr einen Spiegel vorhalten können.

Fazit: Auch wenn die Anbieter von Glücksspielen das Spielverhalten ihrer Kunden beeinflussen können – jeder einzelne Mensch kann sich von solchen Reiz-Reaktions-Mechanismen lösen und das Zepter wieder selber in die Hand nehmen. Wer Schwierigkeiten dabei hat, kann sich Hilfe holen. Einen Überblick über Unterstützungsangebote in Hamburg finden Sie hier oder bei der Helpline Glücksspielsucht Hamburg: (040) 23 93 44 44 Montags - Donnerstags 10.00 - 18.00 Uhr, Freitags 10-15 Uhr (zum Ortstarif aus dem deutschen Festnetz).

Die Helpline-Glücksspielsucht wird im Auftrag der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen e.V. betrieben vom LUKAS Suchthilfezentrum Hamburg-West. Bundesweit steht das Beratungstelefon zur Glücksspielsucht der BZgA unter 0800 1372700 kostenlos und anonym zur Verfügung (Montag bis Donnerstag 10 - 22 Uhr, Freitag bis Sonntag 10 - 18 Uhr).

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Quelle: Elliot A. Ludvig, Christopher R. Madan, Marcia L. Spetch. Priming memories of past wins induces risk seeking.. Journal of Experimental Psychology: General, 2015; 144 (1): 24 DOI: 10.1037/xge0000046 http://psycnet.apa.org/journals/xge/144/1/24.html

 

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