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Keine Werbung mehr und deutschlandweites Sperrsystem für alle Glücksspielformen

Steigende Zahlen bei den Automatenspielern, ein erschwerter Spielerschutz im Internet und ein blühender (weil unregulierter) Sportwettenmarkt: Die Liste der aktuellen Herausforderungen bei der Bekämpfung von Glücksspielsucht ließe sich natürlich noch weiter fortsetzen. Zu Beginn des neuen Jahres wollen wir jedoch den Blick einmal auf mögliche Lösungswege werfen. Dafür lohnt ein Blick in den aktuellen Tätigkeitsbericht des „Fachbeirats Glücksspielsucht“, der im Herbst des vergangenen Jahres veröffentlicht wurde. Die Berufung des Fachbeirats ist im Glücksspielstaatsvertrag festgeschrieben worden. In ihm sitzen ausgewiesene Experten zum Thema Glücksspielsucht. Eine der Kernaufgaben des Fachbeirats besteht darin, Empfehlungen zur Verbesserung des Spielerschutzes und zur Vorbeugung von Glücksspielsucht zu entwickeln.

Fachbeirat fordert verbesserten Jugendschutz

In ihrem Bericht fordern die Experten des Fachbeirats eine deutliche Verbesserung beim Schutz von Jugendlichen vor den Risiken des Glücksspielens. Sie verweisen unter anderem auf einen Praxistest in Bremer Spielhallen, über den wir auch in einer News berichtet haben. Darin hatte sich unter anderem gezeigt, dass junge Testspieler häufig nicht nach ihren Ausweisen gefragt werden. Der Fachbeirat fordert deshalb lückenlose Einlasskontrollen in Spielhallen, außerdem ein Verbot von Spielautomaten in Gaststätten. Zudem müsse Jugendlichen das Spielen von Online-Glücksspielen effektiver als bisher verwehrt werden.

Lückenloser Spielerschutz durch ein deutschlandweites Sperrsystem für alle Glücksspielarten

Von Glücksspielautomaten in Gaststätten und Spielhallen geht ein besonders hohes Risiko aus. Das zeigt sich sowohl in Studien als auch in der täglichen Praxis von Suchtberatern. So benennt eine Mehrzahl der Menschen, die sich wegen ihres Spielverhaltens beraten lassen, die Automatenspiele als Kern ihrer Problematik. Befragungen ergeben zudem regelmäßig, dass es unter Automatenspielern einen stark erhöhten Anteil pathologischer Spieler gibt. Um die Risiken der Automatenspiele zu reduzieren, fordern die Experten die Einführung eines Sperrsystems, das für alle Glücksspielformen und in allen Bundesländern gelten soll. Bei jedem Besuch einer Spielstätte müsse die Identität des Gastes geprüft und mit der Sperrdatei abgeglichen werden. Weiterhin sollen die Spielgeräte durch eine Verringerung der maximalen Gewinn- und Verlustsummen sowie eine Drosselung der Spielgeschwindigkeit weiter entschärft werden.

Forderung nach einem einzigen Anbieter für Sportwetten

Im vergangenen Jahr hat der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel die im Glücksspieländerungsstaatsvertrag (GlüÄndStV) festgeschriebene Vergabe von Lizenzen für Sportwettanbieter für unrechtmäßig beschieden. Der Vertrag sah eine Experimentierklausel vor, mit der das staatliche Monopol für Sportwetten bis Juni 2019 ausgesetzt und private Anbieter am Markt beteiligt werden sollten. Nachdem diese Klausel durch die Entscheidung des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs nun als gescheitert gesehen werden muss, ist der Markt für Sportwetten weiterhin unreguliert. Vor diesem Hintergrund ist ein wirkungsvoller Spieler- und Jugendschutz bei Sportwetten nicht zu gewährleisten, wie der Fachbeirat in seinem Bericht deutlich macht. Er fordert deshalb die Beschränkung von Sportwetten auf einen einzigen staatlichen Anbieter.

Auch in der Werbung setzt der Fachbeirat auf eine konsequente Regelung: Werbung für Glücksspiele sollte gänzlich verboten werden, mit einer Ausnahme: In Geschäften bzw. an Annahmestellen könne noch (allerdings zurückhaltend) Werbung betrieben werden.

Kampagne Automatisch Verloren! informiert

Bis zur Umsetzung der zum Teil weit reichenden Forderungen des Fachbereichs Glücksspielsucht dürfte es noch ein weiter Weg sein. Auch die beschriebenen Missstände im Spieler-und Jugendschutz sowie der Prävention von Glücksspielsucht werden sicherlich noch länger bestehen bleiben. Umso wichtiger ist es, dass Spielerinnen und Spieler möglichst gut über die Risiken von Glücksspielen Bescheid wissen und gefährdete Personen die Beratungs- und Hilfsangebote kennen, die ihnen zustehen. Dazu will die Kampagne Automatisch Verloren auch im Jahr 2016 beitragen – durch umfangreiche Informations- und Beratungsangebote. Mit unserem Newsletter bleiben sie immer auf dem aktuellen Stand.


Quelle:

https://innen.hessen.de/sites/default/files/media/hmdis/151002_-_taetigkeitsbericht_fachbeirat_2014_final_-_mit_aenderungen_rg_und_es_0.pdf