BADO 2024: Hohe Belastungen bei Menschen mit Glücksspielproblemen
BADO 2024: Hohe Belastungen bei Menschen mit Glücksspielproblemen
Der aktuelle BADO-Statusbericht 2024 („Statusbericht der Hamburger Basisdatendokumentation“) liefert erneut eine belastbare Datengrundlage zur Situation der Suchthilfe in Hamburg. Die BADO erfasst jährlich Art und Ausmaß von Suchtproblemen sowie psychosoziale, gesundheitliche und biografische Belastungen von Klient*innen im Hamburger Suchthilfesystem. Der im Dezember 2025 veröffentlichte Bericht bezieht sich auf das Erhebungsjahr 2024.
Auch wenn Glücksspielprobleme im Vergleich zu Alkohol- oder illegalen Substanzabhängigkeiten zahlenmäßig einen geringeren Anteil einnehmen, machen die Daten deutlich: Glücksspiel ist ein relevanter Bestandteil der Suchthilferealität. Personen, die aufgrund einer Glücksspielsucht in Hamburger Suchthilfeeinrichtungen betreut werden, sind häufig erheblich belastet und haben oftmals hohe Schulden.
Hohe Verschuldung am Ende einer Spielerkarriere
Laut BADO-Dokumentation verfügten rund drei Prozent der betreuten Glücksspiel-Klient*innen über Schulden von mehr als 100.000 Euro. Bei weiteren knapp zwölf Prozent lagen die Verbindlichkeiten zwischen 50.000 und 100.000 Euro. Lediglich etwa ein Viertel der Klientinnen war schuldenfrei; bei rund 13 Prozent konnten keine Angaben zur Schuldenhöhe gemacht werden.
Die absolute Höhe der Schulden erlaubt jedoch ohne Berücksichtigung der jeweiligen Einkommenssituation nur eine eingeschränkte Einschätzung der finanziellen Belastung. So kann beispielsweise eine Person ohne Erwerbseinkommen mit vergleichsweise geringen Spielschulden stärker belastet sein als eine Person mit höherem Schuldenstand, aber stabilem Einkommen. Vor diesem Hintergrund erfasst die BADO zusätzlich, ob und in welchem Umfang eine Schuldenregulierung erforderlich ist. Im Erhebungsjahr 2024 war bei 16 Prozent der Glücksspiel-Klient*innen eine Schuldenregulierung notwendig. In weiteren knapp 40 Prozent der Fälle war sie bereits eingeleitet, bei etwa sieben Prozent konnten die Schulden erfolgreich reguliert werden.
Psychische Belastungen bei einem Großteil der Betroffenen
Finanzielle Probleme stellen jedoch nur einen Teil der Belastungen dar. Rund 39 Prozent der Glücksspiel-Klient*innen schätzten ihre psychische Belastung als „erheblich“ ein, weitere knapp vier Prozent als „extrem“. Innerhalb dieser Gruppe zeigen sich unterschiedliche psychische Auffälligkeiten: Bei mehr als jeder siebten betreuten Person wurde eine depressive Stimmung beschrieben, ein ähnlich hoher Anteil berichtete über Nervosität oder innere Unruhe. Bei etwa 13 Prozent waren Beeinträchtigungen der Impuls- bzw. Affektkontrolle festzustellen.
Gewalterfahrungen und Suizidversuche
Die hohe Belastung spiegelt sich auch in den Angaben zu Gewalterfahrungen und Suizidalität wider. Insgesamt 42 Prozent der Glücksspiel-Klient*innen berichteten, in ihrem Leben körperliche Gewalt erfahren zu haben; bei Frauen lag dieser Anteil mit 50 Prozent deutlich höher. Sexuelle Gewalt wurde von etwa 36 Prozent der betreuten Frauen angegeben, bei männlichen Klienten lag der entsprechende Anteil bei rund 14 Prozent.
Elf Prozent der Glücksspiel-Klient*innen gaben an, mindestens einen Suizidversuch unternommen zu haben.
Hilfsangebote in Hamburg
Die Ergebnisse der BADO verdeutlichen, dass Menschen mit Suchtproblemen häufig auf umfassende Unterstützungs- und Beratungsangebote angewiesen sind. Dazu zählen neben der Suchtberatung auch ergänzende Hilfen wie Schuldnerberatung oder die Behandlung weiterer psychischer Erkrankungen. Die Berater*innen in den Hamburger Suchtberatungsstellen verfügen über fundierte Kenntnisse des regionalen Hilfesystems und unterstützen bei Bedarf gezielt bei der Vermittlung an passende Angebote. Die Beratungen sind kostenfrei und auf Wunsch anonym. Weiterführende Informationen zu Hilfs- und Beratungsangeboten in Hamburg finden sich hier.
Hintergrund
Die Hamburger Basisdatendokumentation e.V. (BADO e.V.) ist ein Zusammenschluss von Freien Sucht- und Drogenhilfeträgern in Hamburg und der Behörde für Arbeit, Gesundheit, Soziales, Familie und Integration (Sozialbehörde). Der vollständige Bericht zur Basisdatendokumentation ist online verfügbar unter: BADO — Basisdokumentation im Suchtbereich.
Quelle: Martens, M.-S., & Neumann-Runde, E. (2025). Statusbericht der Hamburger Basisdatendokumentation 2024: Suchthilfe in Hamburg. Hamburg: BADO e.V. ISSN 2195-7843.