Für eine Studie gesucht: Angehörige von Menschen mit Glücksspielproblemen
„No man is an island“ („Kein Mensch ist eine Insel“): Mit diesem Satz brachte der englische Dichter John Donne schon im 17. Jahrhundert einen Gedanken auf den Punkt, der sich auf viele Lebenssituationen übertragen lässt: Unser Leben ist eng mit dem Leben anderer Menschen verbunden. Was einen Menschen belastet, bleibt selten ohne Auswirkungen auf sein Umfeld. Das gilt umso stärker für Menschen, die uns nahestehen, mit denen wir eng verbunden sind – und zeigt sich in besonderer Weise auch beim Thema „Problematisches Glücksspiel“. Denn die Folgen eines kritischen Glücksspielverhaltens treffen nicht nur die Betroffenen selbst. Partnerinnen, Eltern, Kinder oder enge Freundinnen erleben mit, wie Sorgen um Geld, Vertrauensverlust und Konflikte den Alltag verändern. Viele fühlen sich mit der Situation allein gelassen und wissen nicht, an wen sie sich wenden können.
Genau hier setzt eine neue Studie des ISD Hamburg (Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung) an. Das ISD möchte besser verstehen, welche Erfahrungen Angehörige machen und wie Präventions- und Unterstützungsangebote künftig besser auf ihre Bedürfnisse abgestimmt werden können.
Dafür werden Menschen gesucht, die bereit sind, in einem kurzen Interview von ihren Erfahrungen zu berichten. Wir haben mit Veronika Möller, einer der Studienverantwortlichen gesprochen.
Worum geht es in der Studie ganz genau?
Der Glücksspielsurvey 2023 hat gezeigt, dass umgerechnet auf die deutsche Gesamtbevölkerung etwa 3,3 Millionen Kontakt mit (mindestens) einer Person aus ihrem Umfeld hatten, von der sie annahmen, dass diese ein Glücksspielproblem aufweist. Gleichzeitig zeigt die Deutsche Suchthilfestatistik für das Jahr 2023, dass nur ca. 2.500 Personen aufgrund einer Glücksspielproblematik eines Familienangehörigen (z. B. Eltern, Kinder) oder Bekannten eine ambulante Hilfeeinrichtung kontaktierten. Über die Wahrnehmung, Bedeutung und Inanspruchnahme von Präventionsangeboten für Angehörige liegen bisher keine belastbaren Zahlen vor. Wir wissen bisher insgesamt viel zu wenig darüber, wie diese Angebote bedarfsgerecht ausgestaltet sein müssten. Unser Ziel ist es daher, auf der Basis von empirischen Erkenntnissen – Befunde aus der Literatur, Ergebnisse einer qualitativen Befragung von Angehörigen und Wissen von Expert*innen – Vorschläge zur Optimierung der Präventions- und Hilfeangebote für Angehörige von Personen mit einer glücksspielbezogenen Störung zu entwickeln.
Welche Personengruppen fallen bei Ihnen alle unter den Begriff „Angehörige“?
Als Angehörigen verstehen wir sowohl Mitglieder der Familie wie Partner*innen, Kinder, Eltern und Geschwister als auch nahestehende Bezugspersonen außerhalb der Familie, z. B. gute Freund*innen oder enge Arbeitskolleg*innen. Dabei ist es nicht relevant, ob die Person bereits Erfahrung mit dem professionellen Hilfesystem gemacht hat. Vielmehr suchen wir sowohl Personen mit einer solchen Erfahrung als auch Angehörige ohne Erfahrungen mit Angeboten des Präventions- und Hilfesystems.
Warum sind die Rückmeldungen von Angehörigen für die Weiterentwicklung von Hilfsangeboten so wichtig?
Ganz einfach: Angehörige sind Expert*innen für ihre Lebenswelt. Sie kennen die Herausforderungen und ihre persönlichen Belastungen im Umgang mit problematisch Glücksspielenden sowie die Schwierigkeiten bei der Suche nach Hilfe und Unterstützung. Gleichzeitig können sie am besten einschätzen, was sie entlastet, was vielleicht schwer zugänglich ist oder wo Unterstützung noch fehlt. Ihre Perspektive hilft, Angebote wirklich an den realen Bedarfen auszurichten. Außerdem schaffen Rückmeldungen Vertrauen: Wenn Angehörige merken, dass ihre Erfahrungen ernst genommen werden und in die Weiterentwicklung einfließen, steigt die Akzeptanz der Angebote. So kann die Qualität, Passgenauigkeit und Wirkung verbessert und an die tatsächlichen Bedürfnisse angepasst werden. Am Ende sorgt das dafür, dass Präventions- und Hilfsangebote effektiver und nachhaltiger gestaltet werden können.
Wie läuft ein Interview konkret ab und was können Interessierte erwarten, wenn sie sich zur Teilnahme melden?
Wenn sich jemand für eine Teilnahme an einem Interview meldet, vereinbaren wir zunächst einen passenden Termin. Das Interview dauert in der Regel etwa 30 bis 45 Minuten. Die Interviewpartner*innen können dabei selbst entscheiden, ob das Gespräch telefonisch oder per Videokonferenz geführt werden soll. Zu Beginn des Interviews klären wir dann kurz die Rahmenbedingungen und klären offene Fragen. Außerdem sichern wir selbstverständlich Anonymität und Vertraulichkeit zu. Das bedeutet: Alle Angaben werden so behandelt und verarbeitet, dass keine Rückschlüsse auf die Person möglich sind. Im Interview stellen wir Fragen, zu persönlichen Erfahrungen im Umgang mit der problematisch spielenden Person und vor allem zu Erfahrungen im bzw. mit dem Hilfesystem. Auch mögliche Präventionsangebote werden angesprochen. Ziel ist ein offener Austausch, in dem unsere Interviewpartner*innen in Ruhe schildern können, was ihnen wichtig ist.
Als kleines Dankeschön für die Zeit und das Vertrauen erhalten unsere Interviewpartner*innen im Anschluss einen 30-Euro-Wunschgutschein.
An wen können sich interessierte Personen wenden, auch wenn sie noch Fragen zum Ablauf oder anderen Bedingungen haben?
Interessierte Personen können sich immer gern an Veronika Möller und Nell Hillie wenden. Wir sind sowohl via Mail als auch telefonisch immer gern für Fragen und bei Teilnahmeinteresse erreichbar:
E-Mail:
Tel.: 0174 - 820 64 48 oder 040 - 428 383 631
Danke für das Gespräch.