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Die Macht des Spielautomaten

In Spielhallen und Spielbanken kann man sie regelmäßig beobachten: Menschen, die im Bann eines Automaten stehen, auf ihn einreden, ihn teilweise sogar streicheln – und die Welt um sich herum vollkommen ausblenden. Dazu passt die Aussage eines Spielers: „Wenn es in der Spielhalle einen Feueralarm geben würde, würde ich es erst gar nicht mitbekommen. Und selbst dann müsste man mich vom Automaten wegzerren.“ Auch das Servicepersonal in Spielhallen und -banken weiß viel über die ganz spezielle Beziehung von Spielern und Spielerinnen zu „ihrem“ Automaten berichten. So ist es nicht weiter ungewöhnlich, dass Gäste darauf bestehen, immer an ein und demselben Gerät spielen zu wollen.

Wie entsteht diese besondere Bindung zwischen Mensch und Maschine?

Erinnerung an vergangene Gewinne spielt immer mit

Ganz maßgeblich wird die Verbindung zwischen Mensch und Automat durch zurückliegende Gewinne und „Fast-Gewinne“ an einem bestimmten Automaten bestimmt. Von „Fast-Gewinnen“ spricht man bei Spielautomaten, wenn das Ergebnis der Gewinnlinie zwar ähnelt, ihr aber nicht ganz entspricht (wenn also zum Beispiel zwei statt der erforderlichen drei Symbole stehen bleiben). Viele Spielerinnen und Spieler haben in diesen Momenten das Gefühl, dass ein tatsächlicher Gewinn nun wahrscheinlicher geworden ist. Dabei steht fest: Ob jemand gewinnt oder verliert, hängt nie von vorhergehenden Spielen ab.

Im Unterschied zu diesen Fast-Gewinnen gewinnt man bei „echten“ Gewinnen zwar tatsächlich. In der Regel sind diese Gewinne jedoch durch Verluste erspielt worden. Ein Beispiel: Wenn jemand insgesamt 400 Euro in einen Automaten gesteckt hat, zwischenzeitlich bei verschiedenen Gelegenheiten insgesamt 100 Euro gewonnen hat, beträgt sein oder ihr Netto-Verlust zwar 300 Euro. Die 100 Euro Gewinn sind in der Erinnerung der spielenden Person jedoch viel präsenter als ihre Verluste.

High-Tech-Automat ersetzt einarmigen Bandit

Solche (häufig teuer erkauften) Gewinne sind jedoch nicht die alleinige Erklärung für die Attraktion von Spielautomaten. Die Geräte sind nämlich genau für diesen Zweck designt und programmiert worden: um eine möglichst enge Bindung zwischen Mensch und Automaten entstehen zu lassen.

Schon längst haben wir es nicht mehr mit den vergleichsweise harmlosen einarmigen Banditen aus früheren Zeiten zu tun, sondern mit ausgeklügelten High-Tech-Automaten. Eine wichtige Rolle für den Sog, den diese Automaten auslösen können, spielen die visuellen und akustischen Signale, die von ihnen ausgehen. Wann welcher Ton zu hören und welches Symbol zu sehen ist, wird nicht etwa dem Zufall überlassen, sondern von den Spiel- und Automatenentwicklern genau austariert.

Licht und Töne beeinflussen das Spielverhalten

Schon in Tierversuchen konnte nachgewiesen werden, dass Licht und Töne die Bindung an einen Automaten erhöhen können. In einem Fall hatte man Ratten beigebracht, in einer Versuchsanordnung an kleinen – Spielautomaten nachempfundenen – Geräten um eine Belohnung (süße Flüssigkeit) zu spielen. Sie dahin zu bringen, dass sie immer wieder ihr Glück versuchten, indem sie auf eine Taste drückten, war nicht weiter schwer. Dieses Verhalten jedoch wieder zu löschen (es ihnen „abzugewöhnen“) war indes nicht so leicht. Insbesondere wenn das Spielen mit Tönen und Lichteffekten gekoppelt wurde, wollten es die Tiere nur ungern aufgeben. Leichter ging dies, wenn sie sich an das Spielen ohne Licht und Sound gewöhnt hatten.

Kanadische Studie untersucht Wirkung von Automatensounds und -signalen

Anfang dieses Jahres wurde eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass spezielle Automatensounds und -signale die Erinnerung an zurückliegende Gewinne verstärken können. In einem Experiment wurden Studierende aufgefordert, an verschiedenen Automaten zu spielen. Die Geräte unterschieden sich zum einen dadurch, dass es von ihnen entweder sichere oder riskante Spielvarianten gab. Die sicherere Variante zeichnete sich dadurch aus, dass – unabhängig davon, welche Symbole vom Automaten angezeigt wurden – immer der gleiche Gewinn ausgezahlt wurde. Bei der riskanten Variante unterschieden sich die ausgezahlten Beträge je nach Symbol-Abfolge.

Außerdem gaben die Automaten verschiedene Töne von sich, entweder „neutrale“ oder solche, die an Gewinne im Casino erinnerten (zum Beispiel das Geräusch fallender Münzen). Auch visuelle Signale, wie zum Beispiel aufleuchtende „Dollarzeichen“ wurden als Begleitung von Gewinnen am Automaten eingesetzt. Die Höhe der Gewinne wurde in dem Experiment ebenfalls variiert.

Typischer Casino-Sound verstärkt Erinnerung an Gewinne

Die Studienverantwortlichen interessierten sich vor allem dafür, welche Spielvarianten von den Studierenden bevorzugt würden und welchen Unterschied die akustische und visuelle Unterstützung des Spielgeschehens machte. Das Ergebnis: Die Teilnehmenden an der Studie entschieden sich vor allem dann für die riskantere Spielvariante, wenn höhere Gewinne in Aussicht standen und wenn diese mit akustischen und visuellen Signalen gekoppelt wurden. Diese Signale sorgten außerdem dafür, dass die Spielenden sich besser an ihre Gewinne erinnerten. Wie anziehend ein Spielautomat ist und wie sehr sich jemand an zurückliegende Gewinne erinnert, wird demnach nicht ausschließlich durch die Höhe dieser Gewinne bestimmt.

Es ist vielmehr davon auszugehen, dass die Automatenindustrie hier alle Register zieht, um das Erleben und Verhalten von Spielerinnen und Spielern am Automaten in ihrem Sinne zu beeinflussen. Und das mit Erfolg. Schließlich zählen Spielautomaten zu den Glücksspielarten mit dem höchsten Gefährdungspotential.

Quellen:

Marcia L. Spetch, Christopher R. Madan, Yang Liu, Elliot A. Ludvig. Effects of Winning Cues and Relative Payout on Choice between Simulated Slot Machines. Addiction, 2020; DOI: 10.1111/add.15010

University of Alberta. "How sound and visual effects on slot machines increase the allure of gambling." ScienceDaily. ScienceDaily, 27 February 2020. www.sciencedaily.com/releases/2020/02/200227114545.htm

University of British Columbia. "Flashing lights, music turn rats into problem gamblers." ScienceDaily. ScienceDaily, 20 January 2016. www.sciencedaily.com/releases/2016/01/160120111517.htm.