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Glücksspiele: So kann man sich irren

Angenommen, Ihnen hält jemand eine Lostrommel entgegen und lässt Sie ein Los ziehen: Würden Sie dieses – von Ihnen ausgewählte – Los einfach so gegen ein anderes tauschen? Eines, das jemand anderes für Sie gezogen hat? Viele von Ihnen werden bei der Antwort auf diese Frage zögern. Und schon sind wir mitten in einem Phänomen, das Fachleute „Kontroll-Illusion“ nennen. Beide Lose bergen de facto die gleiche Chance auf einen Gewinn. Das selbst gewählte erscheint einem dennoch „wertvoller“ – ganz klar eine Verzerrung des rationalen Denkens.

Die Kontroll-Illusion: ein seit langem bekanntes Phänomen

Die Kontroll-Illusion wurde erstmals im Jahr 1975 in einem Experiment nachgewiesen. Den Teilnehmenden an dem Versuch wurde entweder die Möglichkeit gegeben, selber ein Los zu ziehen oder aber ihnen wurde eines zugeteilt. Danach wurden alle Personen gefragt, zu welchem Preis sie ihr Los an eine andere Person verkaufen würden. Das Ergebnis: Im Schnitt verlangten jene, die das Los selber gezogen hatten, einen deutlich höheren Preis für ihr Los als diejenigen, denen es zugeteilt wurde. Offenbar haben wir das Gefühl (bzw. die „Illusion“), durch Eigenaktivität (mehr) Einfluss auf zufallsbasierte Ergebnisse zu haben. Dieser Effekt dürfte auch beim Lottospielen wirken. Vermutlich würden die wenigsten auf ihre „Glückszahlen“ verzichten und auf Zahlen vertrauen, die ihnen jemand vorgibt. Oder können Sie sich einen Glücksspieler vorstellen, der einer anderen Person Geld gibt – in der Hoffnung, dass diese es durch Spielen am Automaten vermehrt? Die Illusion, selber auf den Zufall einwirken zu können, ist mächtig. Um diesem und anderen Effekten nicht einfach ausgesetzt zu sein, hilft es, über typische Denkirrtümer Bescheid zu wissen.

Knapp vorbei ist auch daneben

Ein Rechtschreibtest, bei dem man fast alles richtig hat, ist ein Erfolg, über den man sich zu Recht freuen kann. Wenn jedoch die Nachbarzahl beim Roulette gewinnt oder beim Automaten zwei gleiche Symbole erscheinen, haben Sie genauso verloren wie im Falle von Spielereignissen, die einem Gewinn weniger ähneln. Und doch lösen solche Fast-Gewinne ein ähnliches Glücksgefühl aus wie echte Gewinne und lassen viele Menschen weiterspielen. Manche glauben gar, auf einer „Gewinnerstraße“ zu sein und setzen höhere Beträge als sonst. Diese Denkweise ist riskant und schlicht falsch: Knapp vorbei ist auch daneben. Außerdem: Ein Spielereignis sagt nichts über nachfolgende Ereignisse aus. Das zeigt auch der sogenannte Monte-Carlo-Effekt.

Ein Roulettekessel hat kein Gedächtnis

Beim Roulette kam mehrfach hintereinander „rot“, jetzt müsste doch beim nächsten Spiel die Wahrscheinlichkeit für „schwarz“ steigen, oder? Nein, jedes Spiel ist einzeln zu betrachten und in jedem Spiel ist die Wahrscheinlichkeit für rot oder schwarz gleich groß. Viele haben trotzdem die Erwartung, dass die jeweils andere Farbe „dran sei“, wenn längere Zeit nur rot oder schwarz vorkam. Fachleute sprechen auch vom Monte-Carlo-Effekt. Hier gilt der Merksatz: Ein Würfel hat kein Gedächtnis – und ein Roulettekessel auch nicht.

Fatal: dem Gewinn hinterherjagen

Zuletzt noch ein Denkmuster, das insbesondere problematische Spielerinnen und Spieler betrifft: der Glaube, durch vermehrtes Spielen Verluste aus der Vergangenheit wieder wettmachen zu können – ein Irrtum, der fatal sein kann – weil er das Spielen regelrecht anheizen kann. Fachleute sprechen auch vom „Chasing“ (Jagen): der Begriff macht deutlich, welche Dynamik sich aus diesem Denken ergeben kann.

Die Lösung für diese – allzu menschlichen – Denkfehler sitzt wie so oft zwischen unseren Ohren: den Verstand einschalten und die Sache möglichst nüchtern betrachten. Die Umgebung, in der üblicherweise gespielt wird und die Geschwindigkeit so manchen Glücksspiels erschwert das „nüchterne Nachdenken“ natürlich oftmals. Hier hilft: öfters mal eine Spielpause machen und Abstand vom Spielen nehmen. Unterstützung dabei gibt die Helpline Glücksspielsucht unter 040 23 93 44 44: Montags-donnerstags 10.00 - 18.00 Uhr, freitags 10-15 Uhr, zum Ortstarif aus dem deutschen Festnetz (betrieben von LUKAS Suchthilfezentrum Hamburg-West)

Quellen:

Meyer, M. Bachmann (2017). Spielsucht: Ursachen, Therapie und Prävention von glücksspielbezogenem Suchtverhalten. Springer, 4. Auflage, Berlin 2017, ISBN 978-3-662-54838-7, doi:10.1007/978-3-662-54839-4

Langer, Ellen J. (1975): The illusion of control. In: Journal of Personality and Social Psychology, 32 (2), 311-328.

Breen, R.; Zuckerman, M. (1999): Chasing in gambling behavior: Personality and cognitive derterminants. In: Personality and Individual Differences, 27, 1097-1111.