Illegale Online-Glücksspiele: Wie groß ist der Schwarzmarkt in Deutschland?
„Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“: Im Märchen (Aschenputtel) ist die Aufgabe noch vergleichsweise einfach, wenn auch mühsam. Bei Online-Glücksspielen fällt die Unterscheidung deutlich schwerer.
Viele illegale Angebote wirken auf den ersten Blick professionell und vertrauenswürdig – eine schon auf den ersten Blick riskante Ausgangslage, denn Online-Glücksspiele sind heutzutage jederzeit und an so gut wie jedem Ort verfügbar. Virtuelle Sportwetten und Automatenspiele oder Online-Casinos lassen sich mit wenigen Klicks erreichen. Erste Kontakte mit diesen Angeboten entstehen oftmals über Werbung in sozialen Netzwerken oder durch Empfehlungen auf Streaming-Plattformen. Vielen Menschen ist dabei nicht immer klar, dass sich hinter manchen Angeboten illegale Anbieter verbergen.
Studie untersucht einen Markt im Verborgenen
Wie groß ist dieser illegale Markt für Online-Glücksspiele in Deutschland? Eine kürzlich veröffentlichte Studie versuchte diese Frage zu beantworten. Die Untersuchung trägt den Titel „Die Vermessung des Schwarzmarktes für Onlineglücksspiel in Deutschland“ und wurde im Auftrag der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) durchgeführt. Sie basiert unter anderem auf einer Befragung von 2.000 Personen zu ihrem Spielverhalten im Internet. Das Ergebnis: Der illegale beziehungsweise nicht-lizenzierte Markt spielt in Deutschland eine bedeutende Rolle – mit besonderen Risiken für die Spielenden.
Hohe Einsätze außerhalb des regulierten Marktes
Für die Studie wurden die von den Befragten genannten Glücksspielanbieter ausgewertet, ganze 4.000 (!) an der Zahl. Ein Fünftel (20,3 Prozent) davon entfiel auf nicht-lizenzierte Angebote. Auffällig war dabei, dass die finanziellen Einsätze und Verluste bei diesen Angeboten vergleichsweise hoch ausfielen.
Die Studie liefert auch konkrete Zahlen zu Einsätzen und Verlusten auf nicht-lizenzierten Plattformen. Nach Angaben der Forschenden entfielen rund 22 Prozent der gesamten Spieleinsätze und knapp 23 Prozent der Verluste auf nicht-regulierte Angebote. Auf Grundlage dieser Daten schätzt die Studie das Marktvolumen des unregulierten Online-Glücksspielmarktes für das Jahr 2024 auf rund 547 Millionen Euro. Für das Jahr 2023 beläuft sich die Schätzung auf 466 Millionen Euro.
Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass die Ergebnisse auf Befragungsdaten beruhen und es grundsätzlich immer methodische Grenzen für derartige Schätzwerte gibt. Dennoch liefert die Untersuchung wichtige Hinweise auf die Größenordnung und die Entwicklung des Online-Glücksspielmarkts hierzulande.
Schwieriger Balanceakt
Gleichzeitig zeigt die Untersuchung einen wichtigen Zielkonflikt auf: Regulierungen wie Einsatzlimits oder Spielerschutzmaßnahmen sollen Menschen vor problematischem Glücksspiel schützen. Genau diese Vorgaben gelten bei illegalen Angeboten jedoch häufig nicht. Manche Spielende weichen deshalb möglicherweise gezielt auf nicht-regulierte Plattformen aus – etwa weil dort höhere Einsätze oder weniger Einschränkungen möglich sind. Die Studienautorinnen und -autoren betonen deshalb, dass die Bekämpfung des Schwarzmarktes nicht zulasten des Spielerschutzes gehen dürfe.
Warum illegale Angebote problematisch sind
Illegale Glücksspielangebote wirken auf den ersten Blick oft professionell und seriös. Viele Plattformen werben mit attraktiven Bonusangeboten, schnellen Auszahlungen oder besonders hohen Gewinnmöglichkeiten. Gleichzeitig fehlen dort jedoch in der Regel wichtige Schutzmaßnahmen. Dazu gehören beispielsweise Einsatz- und Einzahlungslimits, verlässliche Alterskontrollen oder die Anbindung an das bundesweite Spielersperrsystem OASIS.
Hinzu kommen weitere Risiken. Bei nicht-regulierten Angeboten besteht ein erhöhtes Risiko für Betrug oder Datenmissbrauch. Gewinne werden möglicherweise nicht ausgezahlt, Ansprechpersonen fehlen, rechtliche Ansprüche lassen sich kaum durchsetzen. Besonders problematisch kann das für Menschen sein, die ohnehin Schwierigkeiten haben, ihr Spielverhalten zu kontrollieren.
Auch der Drogen- und Suchtbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck, warnte kürzlich vor illegalen Glücksspielstrukturen. Gegenüber dem Deutschlandfunk sprach er von organisierter Kriminalität und forderte ein entschiedeneres Vorgehen gegen illegale Angebote.
Legale und illegale Angebote unterscheiden
Für viele Menschen ist es nicht leicht zu erkennen, ob ein Online-Glücksspielangebot legal ist oder nicht. Gerade im Internet sehen viele Plattformen modern und vertrauenswürdig aus. Dennoch gibt es Hinweise, die aufmerksam machen können. Lesen Sie hierzu unsere News Schutz vor illegalem Glücksspiel: Eine neue Broschüre klärt auf.
Gleichzeitig gilt natürlich weiterhin, dass auch legale (Online-)Glücksspielangebote erhebliche Risikopotentiale bergen. Wenn Sie also merken, dass Glücksspiele immer mehr Raum in ihrem Leben einnehmen, empfehlen wir, frühzeitig Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Informationen und Hilfsangebote für Betroffene und Angehörige finden sich hier.
Quellen:
Steinmetz, F., Fiedler, I., Ante, L., & Kopiec, K. (2025). Die Vermessung des Schwarzmarktes für Onlineglücksspiel in Deutschland: Ein empirischer Ansatz auf Basis einer Spielerbefragung. Blockchain Research Lab im Auftrag der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL).
Deutschlandfunk. (2026, 15. Mai). Suchtbeauftragter Streeck fordert hartes Vorgehen gegen illegales Glücksspiel. zuletzt online abgerufen am 29.06.2026 unter https://www.deutschlandfunk.de/suchtbeauftragter-streeck-fordert-hartes-vorgehen-gegen-illegales-gluecksspiel-102.html