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Sportwetten: Die große Kluft zwischen Gesetz und Wirklichkeit!

Private Sportwetten sind in Deutschland verboten. Davon ausgenommen sind Pferdesportwetten, die als eigene Wettform anderen gesetzlichen Regelungen unterliegen. Zudem wurden in Schleswig Holstein vor einigen Jahren Lizenzen an einige private Sportwettanbieter vergeben. Das Land im Norden hatte den Glücksspieländerungsstaatsvertrag im Jahr 2012 als einziges Bundesland zunächst nicht unterschrieben und privaten Anbietern das Geschäft mit Sportwetten erlaubt. Diese Lizenzen gelten auch heute noch, obwohl Schleswig Holstein den Glücksspieländerungsstaatsvertrag inzwischen mit unterschrieben hat.

In dem Vertrag ist auch eine Klausel zum zukünftigen Umgang mit privaten Sportwettanbietern zu finden. Die Bundesländer einigten sich in einer Experimentierklausel darauf, bundesweit 20 Sportwettlizenzen an private Unternehmen zu vergeben. Dieses Verfahren ist jedoch immer noch nicht abgeschlossen. Aktueller Stand: Der hessische Verwaltungsgerichtshof hat die Vergabe der Lizenzen ausgesetzt.

Private Sportwetten: Verboten und doch allgegenwärtig

Ein allgemeines Verbot privater Sportwetten und einzelne noch gültige Lizenzen in Schleswig-Holstein: Das erklärt nicht, warum so viele private Sportwettanbieter in Hamburg und in anderen Bundesländern ungestört ihr Geschäft betreiben, im Fernsehen dafür geworben wird und auch im Internet viele private Sportwettangebote locken. Wie kommt es also zu der Kluft zwischen Gesetz und Wirklichkeit? Ein wichtiger Grund hierfür ist offenbar die „Angst vor Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe“, wenn Aufsichtsbehörden beschließen, Wettbüros zuzumachen. So lautet die Erklärung des Suchtexperten Hartmut Goergen in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Hintergrund ist eine rechtliche Grauzone: Die Unternehmen haben ihren Sitz meist im Ausland, inklusive dort gültigen Lizenzen. Diese werden zwar in Deutschland nicht anerkannt. Aber falls diese Regelung (zum Beispiel aus europarechtlichen Gründen) fallen oder in einem Gerichtsverfahren nicht anerkannt werden sollte, könnten die Unternehmen hohe Umsatzausfälle als Schadensersatz geltend machen, wenn man ihnen das Geschäft vorher untersagt hätte.

Langwierige Verfahren und Betreiberwechsel erschweren Sportwettverbote

Ein Vertreter des saarländischen Innenministeriums sprach im Deutschlandfunk über einen weiteren „Trick“ privater Sportwettanbieter. Wenn die Aufsichtsbehörde einem privaten Anbieter das Geschäft verbietet, würde manchmal einfach nur der Betreiber des Wettbüros ausgewechselt. In diesem Fall müsse dann meist ein weiteres, oft langwieriges Verfahren angestrengt werden.

Und so floriert der private Sportwettenmarkt munter weiter und prägt das Stadtbild in vielen Straßenzügen deutscher Innenstädte. Nicht zu vergessen die Wettangebote im Internet, ein besonders schwer zu regulierender Bereich.

Die hohe Verfügbarkeit eines Glücksspiels erhöht – neben anderen Risikofaktoren – dessen Gefährdungspotenzial.

Die Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen (HLS) hat im vergangenen Jahr auf die zunehmende Präsenz des Themas Sportwetten reagiert und unter anderem einen eigenen Informationsbereich auf der Kampagnen-Website „Automatisch Verloren“ geschaffen.

Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen informiert zum Thema Sportwetten

Christiane Lieb, Geschäftsführerin der HLS: „Das Thema Sportwetten wird uns auch im Jahr 2015 beschäftigen und sicherlich auch darüber hinaus. Es ist schwer zu vermitteln, dass es sich bei privaten Sportwetten um eine riskante und in Deutschland verbotene Glücksspielform handelt, wenn gleichzeitig dafür an jeder Ecke geworben wird. Vor allem für Menschen, die bereits ein kritisches Spielverhalten entwickelt haben, wird die hohe Präsenz zur ständigen Herausforderung. Sie können sich den Angeboten nur schwer entziehen, wenn sie einem ständig in den Medien und auf der Straße begegnen.“

Mehr zum Thema Sportwetten finden Sie hier. Informieren Sie sich über typische Anzeichen für einen problematischen Umgang mit Sportwetten. Hier geht es zu einem Überblick zu Beratungsangeboten in Hamburg.

Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/wetten-und-geschaeft-illegaler-wildwuchs-beim-gluecksspiel.724.de.html?dram:article_id=307353

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