Glücksspiele – unterschiedlich riskant

Jede Art von Glücksspiel kann zur Sucht werden. Dennoch gehen von den verschiedenen Glücksspielarten jeweils unterschiedliche Gefährdungspotenziale aus.

So gibt es zwar beispielsweise süchtige Lottospieler und -spielerinnen – das von Lotterien ausgehende Suchtrisiko ist jedoch im Vergleich zu anderen Glücksspielen deutlich geringer. Das Gefährdungspotenzial von Geldspielautomaten ist dagegen ungleich höher. So sind beispielsweise ungefähr 73 Prozent der Menschen, die wegen ihres Spielverhaltens eine Suchtberatungsstelle aufsuchen, Automatenspieler bzw. -spielerinnen.


Risikopotenzial GlücksspieleDas hohe Gefahrenpotenzial von Geldspielautomaten konnte auch statistisch belegt werden (z.B. Page-Studie). So ist das Risiko von pathologischem – also süchtigem – Spielen bei Nutzern bzw. Nutzerinnen von Geldspielautomaten in Spielhallen und Gaststätten gegenüber anderen Glücksspielarten um das 6,3-fache erhöht. Bei Poker liegt dieser Faktor bei 5,0, bei Sportwetten (außer Pferdewetten) bei 4,7 und bei Glücksspielautomaten in Spielbanken / Kasinos (Kleines Spiel) bei 4,1 (jeweils im Vergleich zu anderen Glücksspielarten).


Die folgenden Bewertungsfaktoren helfen, das Gefährdungspotenzial der verschiedenen Glücksspielarten einzuschätzen. Dabei ist entscheidend, welche Faktoren auf die Glücksspielart zutreffen und wie ausgeprägt diese jeweils sind. In der Rubrik Glücksspiele werden die einzelnen Glücksspiele in kurzen Steckbriefen vorgestellt und ihr Gefährdungspotenzial auch auf Basis dieser Faktoren eingeordnet:

Faktor 1: Schnelle Abfolge von Spielen bzw. Ereignissen
Eine schnelle Spielabfolge sorgt für einen besonderen Nervenkitzel beim Spielen. Wenn der Spielausgang in Sekundenschnelle fest steht geraten Verluste schnell aus dem Blickfeld. Denn auch die Aussicht auf das nächste Spiel und damit die nächste Gewinnmöglichkeit ist nur wenige Sekunden entfernt. Wer sich auf die „Jagd“ nach dem nächsten Gewinn einlässt, hat in der Regel bereits Automatisch verloren!

Faktor 2: Kurzes Auszahlungsintervall
Bei einem kurzen zeitlichen Abstand zwischen Spielbeginn und -ende – und damit der Auszahlung des Gewinns – ist das gewonnene Geld (bzw. der Gegenwert in Jetons) schnell verfügbar und wird von vielen Spielern und Spielerinnen direkt wieder eingesetzt.

Bei Automatenspielen wird die gewonnene Summe beispielsweise sofort ausgezahlt. Bei einem Lotteriespiel liegt dagegen meist ein längerer Zeitraum zwischen dem Beginn des Spiels und der Verfügbarkeit der Gewinnsumme. Auch ein kurzes Auszahlungsintervall heizt die „Jagd“ nach dem nächsten Gewinn an und trägt damit zum Suchtpotenzial eines Glücksspiels bei.

Faktor 3: Aktive Rolle der Spielenden
Wenn Spieler bzw. Spielerinnen aktiv in das Glücksspiel einbezogen werden – zum Beispiel durch die Betätigung von Stopp- oder Risiko-Tasten oder die Spielzüge beim Kartenspiel –wird dadurch eine Beeinflussungsmöglichkeit des Spielausgangs suggeriert. Fakt ist jedoch: Der Ausgang eines Glücksspiels hängt größtenteils oder sogar ausschließlich vom Glück – also dem Zufall – ab. Das gilt auch für Glücksspielarten, bei denen Informationen oder ein bestimmtes Vorwissen die Gewinnchancen tatsächlich erhöhen können (Sportwetten, Börsenspekulationen).

Gerade solche realen Beeinflussungsmöglichkeiten erhöhen das Suchtpotenzial von Glücksspielen. Denn die eigenen Spielfertigkeiten werden von vielen Menschen überschätzt oder aber die Ereignisse entwickeln sich anders als es wahrscheinlich ist, z.B. der Tabellenletzte gewinnt gegen den Tabellenführer.

Faktor 4: Sogenannte „Fast-Gewinne“
Wenn beim Automatenspiel zum Beispiel zwei statt der für einen Gewinn erforderlichen drei Symbole angezeigt werden oder die Roulettekugel direkt neben der Nachbarzahl des eigenen Tipps liegen bleibt, werden diese Ereignisse von vielen Spielern bzw. Spielerinnen nicht als Verlust, sondern als „Fast-Gewinn“ wahrgenommen. Dadurch steigt bei einigen die Hoffnung, dass sich bei einem der nächsten Spiele ein echter Gewinn einstellt. Eine solche Annahme ist grundsätzlich falsch, denn ein vergangenes Spielergebnis (der „Fast-Gewinn“) hat keinerlei Einfluss auf den Ausgang eines zukünftigen Spiels.

Faktor 5:Die Höhe des Gewinns
Die mögliche Gewinnsumme ist ebenfalls ein Faktor für die Bewertung des Gefährdungspotenzials eines Glücksspiels. Als Beispiele sind der Jackpot beim Lotto oder die hohen Gewinnsummen in Spielkasinos zu nennen.

Faktor 6: Die Art des Spieleinsatzes
Bei kleineren Geldbeträgen, Jetons oder Zahlmöglichkeiten per Kreditkarten geht schnell der Überblick über die verspielten Summen verloren. Insofern trägt auch die Form des Spieleinsatzes zum Sucht- bzw. Gefährdungspotenzial eines Glücksspiels bei.


Faktor 7: Die Verfügbarkeit des Glücksspiels
Viele Glücksspielarten sind für die Spielenden leicht erreichbar, etwa Glücksspiele im Internet oder Geldspielautomaten in Gaststätten und Spielhallen. Für Menschen mit problematischem Spielverhalten stellt die hohe Verfügbarkeit ihres Glücksspiels eine ständige Herausforderung dar, dem Spieldrang nicht zu folgen. Bei Glücksspielsüchtigen werden die Spielorte, zum Beispiel die Stammkneipe oder die Spielhalle um die Ecke, zu sogenannten „auslösenden Reizen“, die die Lust bzw. das Verlangen nach einem Spiel hervorrufen können. Aus diesem Grund wird im Rahmen einer Behandlung besonderes Augenmerk auf einen wirksamen Umgang mit solchen „Schlüsselreizen“ gelegt, um Rückfällen vorzubeugen.