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Projekt an Hamburger Schulen: Aufklärung über Glücksspielrisiken zeigt Wirkung!

Obwohl die Teilnahme an Glücksspielen jeder Art erst mit Erreichen der Volljährigkeit erlaubt ist, haben Jugendliche offenbar breiten Zugang zu Glücksspielen. Das zeigen unter anderem Erhebungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), denen zufolge ungefähr ein Drittel der 16- bis 17-jährigen – also noch minderjährigen – Jugendlichen (32 Prozent) in den zwölf Monaten vor der Befragung an (mindestens) einem Glücksspiel teilgenommen hat. Damit ist der Prozentsatz von Jugendlichen mit Glücksspielerfahrung gegenüber einer Untersuchung aus dem Jahr 2009 (24 Prozent) deutlich angestiegen. Ungefähr sechs Prozent der Jugendlichen zeigen bereits ein auffälliges Spielverhalten, als problematisch gilt ungefähr ein Prozent von ihnen. Oft wird der Grundstein für die Entstehung einer Glücksspielsucht bereits im Jugendalter gelegt.

Zehn interaktive Stationen klären über Glücksspiele auf

Um Jugendliche über die Risiken von Glücksspielen aufzuklären und sie darin zu bestärken, selber nicht an Spielen um Geld teilzunehmen, wurde in Hamburg ein sogenannter „Stationenparcours“ für 13- bis 20-jährige Schülerinnen und Schüler entwickelt. Nach einer allgemeinen Einführung in die Thematik Glücksspielsucht durchlaufen die Jugendlichen selbstständig den Parcours. Jede der zehn interaktiven Stationen des Parcours beleuchtet einen anderen Aspekt des Themas Glücksspielsucht. Unter anderem setzen sich die Jugendlichen dabei mit den Gewinnwahrscheinlichkeiten und Gefährdungspotentialen verschiedener Glücksspiele auseinander und erfahren etwas über die Problematik von Onlinespielen.

Wissenszuwachs bei Jugendlichen nach Teilnahme am Schulprojekt

Die Forscher vom Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD) haben das Projekt wissenschaftlich begleitet und seine Wirksamkeit untersucht. Ihr vor kurzem erschienener Bericht zeigt: Jugendliche, die an dem Schulprojekt teilgenommen haben, wissen anschließend besser über die Risiken des Glücksspiels Bescheid als eine gleichaltrige Kontrollgruppe. Für die Überprüfung des Wissensstandes der Schüler wurden ihnen Fragen aus einem Wissenstest der BZgA (www.check-dein-spiel.de) vorgelegt. Dabei ging es zum Beispiel um die Gewinnwahrscheinlichkeit beim Roulette und um Altersbegrenzungen bei Glücksspielen. Der Wissenszuwachs bei den teilnehmenden Jugendlichen kann dabei durchaus als nachhaltig bezeichnet werden, denn die Nachbefragung fand einige Monate nach ihrer Teilnahme an dem Projekt statt.

Kritischere Einstellungen gegenüber Glücksspielen, aber keine Auswirkung auf Verhalten

Und auch die Einstellungen der Jugendlichen haben sich nach dem Projekt verändert – sie sind kritischer gegenüber den Verheißungen von Glücksspielen geworden. So verneinen sie häufiger (unsinnige) Aussagen wie „Bei jedem Glücksspiel gibt es Spielstrategien, die einem zu einem Gewinn verhelfen können“ oder „Wenn eine Person eine Glückssträhne hat, sollte sie den Einsatz erhöhen.“

Die Aktion kommt bei den Jugendlichen insgesamt gut an, auch das zeigt die Studie. Dass sich die Teilnahme an dem Projekt auch auf das (Glücksspiel-) Verhalten der Jugendlichen auswirkte, konnte die Studie jedoch nicht feststellen: Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die angaben, an Glücksspielen teilzunehmen, war vor der Projekt genau so hoch wie danach.

Spanische Studie: Glücksspielende sollten frühzeitig Hilfe suchen

Jugendliche mit Glücksspielproblemen sollten sich frühzeitig an eine Beratungsstelle wenden. Eine aktuelle Studie aus Spanien konnte zum Beispiel einen Zusammenhang zwischen dem Alter von Glücksspielenden (und damit der zeitlichen Dauer ihrer Glücksspielerfahrungen) und der Problemlast finden, die durch das Glücksspiel entstanden ist. Hierfür wurden über 2.000 Menschen unterschiedlichen Alters befragt, die sich wegen ihrer Glücksspielsucht behandeln ließen. Bei den älteren Glücksspielerinnen und Glücksspielern hatten sich erwartungsgemäß mehr und komplexere Schwierigkeiten (zum Beispiel höhere Schulden) angehäuft. Deshalb sind die Erfolgsaussichten einer Behandlung umso besser, je früher sich jemand an eine Hilfseinrichtung wendet.

Die BZgA hat eine Broschüre für Jugendliche herausgegeben, die Sie hier bestellen oder herunterladen können. Antworten auf die Frage „Bin ich süchtig / gefährdet?“ finden Sie hier.

Quellen:

http://www.isd-hamburg.de/projekte_spielsuchtpraevention_schule.htm;

Kalke, Jens/Buth, Sven/Hiller, Philipp (2012): Glücksspielsucht-Prävention an Schulen. Entwicklung und Evaluation eines Stationenparcours, in: Abhängigkeiten. Forschung und Praxis der Prävention und Behandlung, 18. Jahrgang, Heft 3, S. 27-44.

Springer Science+Business Media (2013, March 14). Problems of pathological gambling differ for younger and older gamblers. ScienceDaily. Retrieved April 2, 2013, from http://www.sciencedaily.com­ /releases/2013/03/130314110621.htm

Glücksspielverhalten und Glücksspielsucht in Deutschland 2007, 2009 und 2011 - Ergebnisse aus drei repräsentativen Bevölkerungsbefragungen (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln)