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Jeder zehnte Jugendliche in Hamburg nimmt regelmäßig an Glücksspielen teil!

Bei einer Fachtagung des Instituts für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung e.V. Anfang Februar in Hamburg kamen zahlreiche Expertinnen und Experten aus den Bundesländern zusammen, um aktuelle Ergebnisse der Glücksspielsucht-Forschung in Deutschland vorzustellen und zu diskutieren. Mehrere Vorträge beschäftigten sich mit dem Glücksspielverhalten von Jugendlichen – zwei davon möchten wir an dieser Stelle etwas näher vorstellen.

Wie hoch ist der Anteil von Jugendlichen, die Erfahrungen mit Glücksspielen um Geld haben und wie viele von ihnen spielen regelmäßig? Gibt es bestimmte Gruppen von Jugendlichen, die häufiger und intensiver spielen? Und welche Glücksspielarten sind unter den Heranwachsenden besonders populär?

Antworten auf diese und andere Fragen gab Theo Baumgärtner, Leiter des Büro für Suchtprävention der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen e.V., der die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung unter Hamburger Jugendlichen und jungen Erwachsenen präsentierte. Die Studie ist Teil der sogenannten SCHULBUS-Erhebung, die seit vielen Jahren in regelmäßigen Abständen in Hamburg durchgeführt wird. Im Jahr 2009 wurde im Rahmen dieser Befragung das Glücksspielverhalten der Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen näher beleuchtet. Alle Befragten waren zwischen 14 und 18 Jahren alt.

Vier von fünf Jugendlichen (82 Prozent) in der genannten Altersspanne gaben an, in ihrem Leben schon einmal an einem Glücksspiel um Geld teilgenommen zu haben. Und jeder fünfte der 14- bis 18-Jährigen in Hamburg (20 Prozent) hat innerhalb der letzten 30 Tage vor der Befragung ein Glücksspiel gespielt.
Von einem regelmäßigen – d.h. in diesem Fall mehrmals monatlichen – Spielen um Geld berichten zehn Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die Mehrheit der Befragten ist also nach ersten Erfahrungen mit dem Glücksspielen nicht „dabei geblieben“. Das zeigt sich auch bei einzelnen Glücksspielarten: So haben beispielsweise 62 Prozent der 14- bis 18-Jährigen schon einmal an einer Sofortlotterie (Rubbellose) teilgenommen, bezogen auf die letzten 30 Tage vor der Befragung lag der Anteil der Rubbellos-Spieler dagegen bei 4 Prozent.

Bei einigen Jugendlichen entwickeln sich aus ersten Erfahrungen mit Glücksspielen jedoch regelmäßige Nutzungsmuster. Bestimmte Glücksspiele üben dabei offenbar einen besonders großen Reiz für die Jugendlichen aus. So konnte beispielsweise beobachtet werden, dass vor allem Jugendliche, die Poker spielen oder sich an Sportwetten beteiligen, an diesen Glücksspielen „hängen“ bleiben. Sowohl bei Poker als auch bei Sportwetten handelt es sich übrigens um Formen des Glücksspiels mit einem erhöhten Gefährdungspotential.

Die Studie zeigt: Obwohl Jugendlichen unter 18 Jahren die Teilnahme an Glücksspielen gesetzlich grundsätzlich untersagt ist, haben sie Zugang zu Spielen unterschiedlichster Art. Unter den 14- bis 15-Jährigen nehmen zum Beispiel drei Prozent regelmäßig an Sportwetten teil, bei den Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 17 Jahren liegt dieser Anteil sogar bei sieben Prozent. 63 Prozent der regelmäßigen Spielerinnen und Spieler im Jugendalter spielt online – eine Besorgnis erregende Entwicklung, denn Glücksspiele im Internet haben ein deutlich erhöhtes Suchtpotential. Außerdem ist bei dieser Variante des Glücksspiels die Einhaltung des Jugendschutzes besonders schwer zu kontrollieren.

Männliche Jugendliche spielen deutlich häufiger als gleichaltrige Mädchen bzw. junge Frauen, auch das konnte die Studie klar belegen. Jungen mit Migrationshintergrund sind den Ergebnissen zufolge besonders stark gefährdet, ein regelmäßiges Spielverhalten zu entwickeln. Im Schnitt geben Jugendliche, die mehrmals pro Monat spielen, etwa 30 Prozent des ihnen zur Verfügung stehenden Geldes für Glücksspiele aus.

Als wichtigsten Grund für die Teilnahme an Glücksspielen gaben die jugendlichen Spieler die Hoffnung auf einen möglichen Geldgewinn an – ein Ergebnis, das auch eine zweite bei der Fachtagung präsentierte Studie bestätigen konnte. Kai Müller von der Ambulanz für Spielsucht (Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie) aus Mainz stellte die Ergebnisse einer Befragung von fast 4.000 Jugendlichen in Rheinland-Pfalz vor, bei der unter anderem der Anteil von Jugendlichen mit problematischem Spielverhalten ermittelt wurde.


Danach können etwa zwei Prozent (2,2%) der 12- bis 18-jährigen Jugendlichen in dem Bundesland als problematische Spieler bzw. Spielerinnen gelten, weitere knappe vier Prozent (3,7%) fallen in die Kategorie „gefährdet“. Bei Jugendlichen, die sich regelmäßig an Glücksspielen beteiligen, kann den Studienergebnissen zufolge noch deutlich häufiger ein problematisches Spielen beobachtet werden: 17,1 Prozent der regelmäßig spielenden Jugendlichen zeigen demnach einen problematischen Umgang mit Glücksspielen, weitere 18,9 Prozent wurden als gefährdet eingestuft.

Für die Einordnung des Spielverhaltens der befragten Jugendlichen wurden die Kriterien des Diagnoseinstruments DSM-IV zugrunde gelegt. Einige dieser Kriterien wurden von den problematischen bzw. gefährdeten Spielerinnen und Spielern im Jugendalter besonders häufig erfüllt – so etwa eine starke Eingenommenheit vom Spiel oder die Gefährdung von Beziehungen.

Eine Spielproblematik zeigte sich übrigens besonders häufig bei Jugendlichen, die an Geldspielautomaten oder im Internet spielen. Beide Untersuchungen belegen eine weite Verbreitung des Glücksspiels unter Jugendlichen. Eine verhältnismäßig große Gruppe unter ihnen spielt regelmäßig und einige von ihnen haben bereits ein problematisches Spielverhalten entwickelt. Damit unterstreichen die Studienergebnisse die Notwendigkeit von umfassenden Präventionsmaßnahmen – vor allen Dingen von solchen, die bereits im frühen Jugendalter einsetzen.

 

Weitere Informationen:

Über die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) kann eine Broschüre mit dem Titel „Total verzockt?!“ bestellt oder heruntergeladen werden, die sich direkt an Jugendliche bzw. junge Erwachsene richtet.

Die Ergebnisse der Hamburger SCHULBUS-Studie zum Glücksspielverhalten von Jugendlichen können hier eingesehen werden

Die Studie der Mainzer Ambulanz für Spielsucht ist als Broschüre (http://www.unimedizin-mainz.de/fileadmin/kliniken/verhalten/Dokumente/Broschuere_KIJU-RLP.pdf) erschienen.