Helpline: 040 - 23 93 44 44  |  Montags - Donnerstags 10.00 - 18.00 Uhr, Freitags 10-15 Uhr  |    

Erste Anzeichen für problematisches Glücksspielen ernst nehmen – und frühzeitig handeln

In den letzten sechs Jahren ist die Zahl der Menschen in Hamburg, die sich wegen einer Glücksspielproblematik an eine Beratungsstelle wendeten, um das Dreifache gestiegen. Das ergab der aktuelle Bericht des Vereins BADO (Basisdokumentation im Suchtbereich). den wir in unserer Dezember-News nähervorgestellt haben. Demnach haben in 2011 insgesamt 1.207 glücksspielende Männer und Frauen in Hamburg eine Beratung in Anspruch genommen. Am häufigsten suchten sie eine Beratungsstelle auf, weil bei ihnen das Spiel an Geldspielautomaten in Gaststätten und Spielhallen außer Kontrolle geraten war.

 

Bei Frauen zeigen sich Anzeichen für kritisches Spielverhalten eher

Die Ergebnisse der BADO-Studie machen auch deutlich, in welchem Zeitraum sich ein problematisches Spielverhalten entwickeln kann. So werden bei weiblichen Automatenspielerinnen erste Anzeichen eines problematischen Spielverhaltens im Schnitt nach etwa zwei Jahren erkennbar. Bei Männern setzt die Störung im Allgemeinen nach durchschnittlich 3,5 Jahren, ein.

Bis zur Kontaktaufnahme mit dem Hilfesystem vergehen zu viele Jahre

Und dann vergehen noch einmal zehn (Männer) bzw. über zwölf Jahre (Frauen), bis sich die Betroffenen Hilfe holen – ein (zu) langer Zeitraum, in dem sich die Belastung durch das Glücksspielen in der Regel verstärkt: Die Einsätze der Betroffenen erhöhen sich und in der Folge steigt auch ihr Schuldenstand. Die Schwierigkeiten im familiären und beruflichen Umfeld nehmen in dieser Zeit meist ebenfalls zu. Viele Betroffene isolieren sich und werden damit immer schwerer erreichbar für Hilfen von außen.

Viele Betroffene nutzen gar keine Hilfsangebote

Eine große Mehrheit der Menschen mit einer Glücksspielproblematik nimmt offensichtlich sogar überhaupt kein Hilfsangebot in Anspruch. Zu diesem Ergebnis kam eine Untersuchung der Universitäten Lübeck und Greifswald, die zeigen konnte, dass nur ein Fünftel der glücksspielsüchtigen Menschen in Kontakt mit dem Hilfesystem kamen: Etwa 80 Prozent der befragten Personen, die im Laufe ihres Lebens ein süchtiges Spielverhalten zeigten, nutzten keines der ihnen zur Verfügung stehenden Hilfsangebote. Je größer die aus der Glücksspielsucht entstandene Problemlast wurde, desto eher wendeten sich Menschen an professionelle Beratungsangebote – auch das konnte die Studie zeigen.

Menschen mit einem kritischen Spielverhalten erhalten also insgesamt zu selten und oft auch erst in einem fortgeschrittenen Stadium ihrer Problematik professionelle Unterstützung von außen. Das ist fatal, denn die Aussichten auf eine Bewältigung ihrer Schwierigkeiten sind umso besser, je früher Betroffene eine Beratung in Anspruch nehmen.

Erste Anzeichen problematischen Spielverhaltens erkennen

Die Kampagne Automatisch Verloren möchte dazu beitragen, dass Menschen möglichst frühzeitig das für sie passende Hilfsangebot finden. „Ein typisches Anzeichen für ein problematisches Glücksspielverhalten ist ein starker innerer Drang zum Spielen, den die Betroffenen nur schwer kontrollieren können“, erklärt Christiane Lieb, Geschäftsführerin der Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen (HLS). „Oft beherrscht das Glücksspiel einen großen Teil der Gedankenwelt der Spielenden, andere Freizeitaktivitäten und auch nahestehende Menschen werden dafür oft vernachlässigt.“

Auch eine regelrechte „Jagd nach dem nächsten Gewinn“ ist ein ernstzunehmender Hinweis auf eine problematische Entwicklung des Glücksspiels: Vergangene Verluste sollen ausgeglichen werden, dafür werden oft das Spieltempo und auch die Einsätze erhöht. Meist hat das wiederum höhere Verluste zur Folge – um diese auszugleichen wird die Spielintensität dann noch gesteigert. Ein Teufelskreis setzt ein.

Fließender Übergang vom Freizeitvergnügen zum Gewöhnungsstadium

Der Verlauf vom gelegentlichen Spielen in der Freizeit zu einer Phase, die von Expertinnen und Experten auch „kritisches Gewöhnungsstadium“ oder „Verlustphase“ genannt wird, ist fließend. Im Gewöhnungsstadium verbringen die Spielenden immer mehr Zeit mit dem Spielen, die Einsätze werden höher, die Risikobereitschaft nimmt deutlich zu. Es wird zunehmend schwieriger, aus den Teufelskreisen auszusteigen.

Weitere Informationen zum Verlauf einer Glücksspielsucht finden Sie hier.

Hilfe bei Glücksspielproblemen

Wenn Sie sich Gedanken über ihr eigenes Spielverhalten oder das eines Angehörigen machen, stehen Ihnen unterschiedlichste Hilfsangebotein Hamburg zur Verfügung. Eine gute erste Möglichkeit ist die Helpline Glücksspielsucht (Montags bis donnerstags 10.00 bis 19.00 Uhr, freitags 10 – 15 Uhr, zum Ortstarif aus dem deutschen Festnetz). Die Beratung durch die Helpline ist anonym und vertraulich – es werden keinerlei Informationen an die Justiz, den Arbeitgeber oder an Angehörige weitergegeben.

Quellen:

Bericht „Suchthilfe in Hamburg - Statusbericht 2011 der Hamburger Basisdatendokumentation in der ambulanten Suchthilfe und der Eingliederungshilfe“, Autoren: Sven Buth, Uwe Verthein, Christian Schütze, Eike Neumann-Runde, Marcus-Sebastian Martens; abrufbar unter http://www.bado.de/

Anja Bischof und andere (2012). Inanspruchnahme von Hilfen bei Pathologischem Glücksspielen: Befunde der PAGE-Studie in: Sucht: Zeitschrift fur Wissenschaft und Praxis, Jg. 58(2012), H. 6, S. 369-377