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Glücksspielsucht und Gewalt? Neue Studie zeigt Zusammenhänge

Männer mit problematischem Spielverhalten neigen eher zu Gewalt als andere Männer: Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie aus England, die vor kurzem veröffentlicht wurde.

Über 3.000 Männer wurden gefragt, ob sie schon einmal verschiedene Formen von Gewalt ausgeübt haben, zum Beispiel jemanden angegriffen, eine Waffe genutzt haben, oder auf sonstige Weise in gewaltsame Auseinandersetzungen verwickelt waren. Auch über ihr Glücksspielverhalten gaben die Befragten Auskunft, zum Beispiel darüber, wie häufig sie spielten. Mit speziellen Fragen wurde zudem erhoben, ob ihr Spielverhalten als normales oder bereits problematisches bzw. pathologisches Spielen einzuordnen ist.

Spielen und Gewalt hängen oft zusammen

Viele Befragte und jede Menge schwierige Fragen  – eine aufwändige Untersuchung, für die sich die Arbeit jedoch gelohnt hat: Die Studienverantwortlichen fanden eine Reihe interessanter Zusammenhänge zwischen der Teilnahme an Glücksspielen und gewalttätigem Verhalten. Ein Kernergebnis: Je kritischer bzw. problematischer das Glücksspielverhalten, umso eher wurde auch über gewaltsame Verhaltensweisen berichtet.

Drei Zahlen machen das deutlich:

19 Prozent aller Nicht-Spieler waren in den vergangenen fünf Jahren in irgendeiner Weise gewalttätig geworden (ein Prozentwert, der dem einen oder der anderen für sich genommen schon sehr hoch erscheinen mag). Bei Freizeitspielern – Männern also, die immer mal wieder spielen, ohne schon „Problemspieler“ zu sein – stieg der Anteil der Gewalterfahrungen in den letzten fünf Jahren dann bereits auf 28 Prozent. Problemspieler berichteten am häufigsten über Gewalttaten: 45 Prozent, also knapp die Hälfte von ihnen, gab an, in den vergangenen fünf Jahren in irgendeiner Form Gewalt ausgeübt zu haben.

Wie lassen sich die Ergebnisse erklären?

Die Zusammenhänge blieben auch dann noch bestehen, wenn man zum Beispiel psychische Erkrankungen „heraus rechnete“. Das bedeutet, dass die erhöhte Gewaltanfälligkeit unter (vor allem problematischen) Spielern sehr wahrscheinlich tatsächlich etwas mit ihrer oft exzessiven Teilnahme an Glücksspielen zu tun hat.

Aber warum? Darauf kann die Studie leider auch keine Antwort geben. Es gibt verschiedene mögliche Erklärungen für den gezeigten Zusammenhang. So könnte es eine gemeinsame Ursache für die Neigung zum Spielen und zu Gewalt geben – zum Beispiel eine „Störung der Impulskontrolle“. Ebenso denkbar: Regelmäßiges oder sogar exzessives Spielen bringt jemanden häufiger in Situationen (oder Milieus), in denen Gewalt eine größere Rolle spielt.

Oft kommen Spieler in eine sogenannte „Verzweiflungsphase“, in der sie verstärkt Gewinnen hinterher jagen und sich auf verschiedenste Weise Geld verschaffen, um weiterspielen zu können. In diesem Zustand ist es vorstellbar, dass jemand auch Gewalt anwendet, um an das notwendige Geld zu kommen (Stichwort „Beschaffungskriminalität“) oder es zum Beispiel zu Streit mit Gläubigern kommt.

Glücksspielsucht kommt selten allein

Es ist bekannt, dass Menschen mit problematischen Spielverhalten oft auch noch andere Belastungen bzw. Störungen mit sich tragen. Der Anteil alkoholabhängiger oder riskant konsumierender Personen ist unter Glücksspielsüchtigen beispielsweise deutlich höher als in der Allgemeinbevölkerung, ähnlich sieht es bei Depressionen oder Angsterkrankungen aus. Auch hier ließe sich diskutieren, welches Verhalten welche Befindlichkeit auslöst. Wichtig ist aber vor allem, dass solche zusätzlichen Problemlagen bei der Beratung und Behandlung von Glücksspielern mit berücksichtigt werden. Dazu zählt auch eine Schuldnerberatung, die ein Teil der professionellen Beratung von problematischen Spielern ist. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Beratungsstellen kennen das Hilfesystem in Hamburg sehr gut und können an die entsprechenden Stellen verweisen.

Mehr Informationen zum Hilfesystem und zu Beratungsangeboten in Hamburg gibt es hier.


Quelle:
Amanda Roberts, Jeremy Coid, Robert King, Raegan Murphy, John Turner, Henrietta Bowden-Jones, Katie Palmer Du Preez, Jason Landon. Gambling and violence in a nationally representative sample of UK men. Addiction, 2016; DOI: 10.1111/add.13522