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Spielerschutz ist Kinderschutz

Das folgende Beispiel zeigt, wie sehr eine Sucht das Leben eines Menschen beherrschen kann und vor allem zeigt es, dass eine Sucht immer auch andere Menschen mit betrifft: Einer Servicemitarbeiterin in einer Spielhalle fiel auf, dass sich ein Spieler, den sie schon seit langem kannte, eines Tages so ganz anders verhielt als sonst üblich. Regelmäßig unterbrach er sein Spiel und verließ die Spielhalle, um bald danach wieder zurückzukehren und sich wieder vor den Automaten zu stellen. Die Mitarbeiterin wunderte sich, normalerweise war der Mann doch kaum vom Automaten wegzubekommen? Warum machte er an diesem Tag gleich mehrere Pausen, für die er sogar nach draußen ging? Kurzerhand folgte sie ihm bei der nächsten Spielunterbrechung ein paar Meter nach draußen und sah dort, wie er sich in sein Auto beugte, auf dessen Rücksitz ein kleiner Junge saß, offenbar sein Sohn. Es stellt sich heraus, dass der Mann an diesem Tag auf sein Kind aufpassen sollte, sein Drang zu spielen jedoch so stark war, dass er den Nachwuchs mitnahm und im Auto platzierte.

Sucht betrifft immer auch andere

Zugegeben: Diese (reale) Begebenheit ist besonders krass, aber bei weitem kein Einzelfall. Die Ausnahme besteht in diesem Fall eher darin, dass die Spielhallen-Mitarbeiterin Initiative zeigte, ihrer Intuition folgte und damit dafür sorgte, dass das Kind aus der konkreten Gefahrensituation (alleine im Auto) befreit werden konnte.

Meist allerdings bekommt die Außenwelt nicht – oder erst rückblickend – mit, wie sich eine Suchterkrankung auf das Leben einer Familie auswirkt. Das gilt in besonderem Maße, wenn (meist) Vater oder Mutter, in extremen Fällen beide, die Kontrolle über ihr Spielverhalten verlieren. Das liegt zum einen daran, dass manche Folgen einer Glücksspielsucht für Außenstehende tatsächlich wenig sichtbar sind, beispielsweise, wenn Streitereien hinter verschlossenen Türen stattfinden oder verheimlicht wird, dass der spielende Elternteil immer häufiger abwesend ist und gemeinsame Aktivitäten in der Familie schon lange nicht mehr stattfinden.

Fassade nach außen wird mit aller Kraft aufrechterhalten

„Verheimlichen“ ist denn auch ein weiterer wichtiger Grund, warum eine Glücksspielsucht eine Familie zwar bereits mit voller Härte treffen kann, nach außen aber alles noch „normal“ wirkt. Sucht ist in unserer Gesellschaft immer noch ein schambesetztes Thema und wenn jemand aus der eigenen Familie davon betroffen ist, soll das möglichst niemand mitbekommen. Deshalb wird von den Familienangehörigen meist erhebliche Energie aufgewendet, um die Fassade zur Außenwelt aufrechtzuerhalten. Daraus können mannigfaltige co-abhängige Verhaltensmuster entstehen: wenn beispielsweise die Partnerin die Spielschulden des Mannes ausgleicht oder sich das Kind immer neue Ausreden überlegt, um gegenüber Freund*innen und Nachbarn zu rechtfertigen, warum Vater oder Mutter nicht zu Hause sind.

Kinderglück-Studie sucht Teilnehmende

Erfahrungen zeigen, dass insbesondere Kinder massiv unter der Suchterkrankung ihrer Eltern leiden. Wie sich das Glücksspielen der Eltern konkret auf das Leben von Kindern auswirkt, untersucht jetzt eine Studie des Deutschen Instituts für Sucht- und Präventionsforschung an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen. Befragt werden Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 15 und 35 Jahren, in deren Familien Glücksspiel eine Rolle spielt oder gespielt hat. Die Befragung dauert ca. 45 Minuten, alle weiteren Infos zur Kinderglück-Studie.

Fazit: Pathologisches Glücksspielen (be-)trifft immer auch die Familie. Deshalb helfen Maßnahmen, die den Spieler schützen sollen, direkt oder indirekt auch ihren Familien und damit ihren Kindern. Eine ganze Reihe von Hilfs- und Beratungsangeboten richtet sich direkt an Angehörige von Menschen mit Spielproblemen.

In Hamburg trifft sich regelmäßig eine Selbsthilfegruppe für Angehörige und Freunde von Spielerinnen und Spielern, weitere Infos im Kursbuch Sucht.

Noch mehr Informationen finden Sie unter Tipps für Angehörige.

Das Team von Automatisch Verloren wünscht Ihnen ein gesundes Jahr 2021!