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BADO 2019: Menschen mit Spielproblemen sind massiv belastet

BADO 2019: Menschen mit Spielproblemen sind massiv belastet

Menschen, die wegen ihrer Glücksspielsucht in einer Hamburger Suchthilfeeinrichtung betreut werden, stehen häufig vor einem hohen Schuldenberg. Das geht aus dem „Statusbericht der Hamburger Basisdatendokumentation“ für das Jahr 2019, kurz BADO, hervor. Die BADO dokumentiert alljährlich die Suchtprobleme sowie psychosozialen und gesundheitlichen Belastungen und biografischen Hintergründe von Klient*innen im Hamburger Suchthilfesystem.

Am Ende einer Spielerkarriere: Schulden von über 50.000 Euro sind keine Seltenheit

Laut BADO -Dokumentation hatten rund fünf Prozent der Klient*innen zum Zeitpunkt ihrer Betreuung einen Schuldenstand von über 100.000 Euro, bei weiteren fünf Prozent beliefen sich die Schulden auf zwischen 50.000 und 100.000 Euro. Gar keine Schulden hatten lediglich knapp 20 Prozent der in Hamburg betreuten Klient*innen. Bei etwa acht Prozent war unklar, wie hoch ihre Schulden ausfielen.

Die absolute Höhe der Schulden allein, ohne die Einkommenssituation der Klient*innen zu kennen, beschreibt ihre finanzielle Belastung jedoch nur unzureichend. So kann ein arbeitsloser Klient oder jemand mit niedrigem Einkommen und beispielsweise 5.000 Euro Spielschulden in einer schwierigeren Lage sein als beispielsweise eine Klientin mit deutlich höheren Schulden, aber gleichzeitig guten bzw. stabilen Einkommensverhältnissen. Aus diesem Grund wird in der BADO zusätzlich erhoben, wie häufig bei den betreuten Fällen eine Schuldenregulierung notwendig bzw. durchgeführt wurde. Laut BADO war im Erhebungsjahr 2019 bei 22 Prozent der wegen Glücksspielproblemen betreuten Personen eine Schuldenregulierung erforderlich. In weiteren ca. 35 Prozent wurde die Schuldenregulierung schon eingeleitet und in etwa 12 Prozent waren die Schulden bereits erfolgreich reguliert worden.

Psychische Belastungen...

Es sind jedoch bei weitem nicht ausschließlich finanzielle Probleme, die die Glücksspiel-Klient*innen belasten. Knapp 38 Prozent von ihnen schätzen ihre psychische Belastung als „erheblich“ ein, etwa 6 Prozent sogar als „extrem“. Innerhalb dieser Gruppe der psychisch erheblich bzw. extrem belasteten Klient*innen zeigen sich ganz unterschiedliche (psychische) Auffälligkeiten. Am häufigsten berichten die Fachkräfte darüber, dass ihre Klientinnen und Klienten unter „mangelnder Impuls- bzw. Affektkontrolle“ leiden, was angesichts des Krankheitsbilds ‚Pathologisches Glücksspielen‘ nicht weiter verwunderlich ist. Bei etwa jede*r vierten Klient*in war demnach die Impuls- bzw. Affektkontrolle beeinträchtigt. Damit ist diese psychische Auffälligkeit bei problematisch bzw. pathologisch Spielenden mehr als doppelt so häufig zu beobachten wie bei Personen mit anderen Suchterkrankungen. Am zweit- und dritthäufigsten leiden die Glücksspiel-Klient*innen unter depressiver Stimmung und an überhöhter Selbsteinschätzung.

… und Gewalterfahrungen als Hypotheken aus der Vergangenheit

Die hohe Belastung der Klient*innen spiegelt sich auch in ihren Berichten über Gewalterfahrungen und Suizidversuche. So hat die Hälfte von ihnen in ihrem Leben körperliche Gewalt erfahren. Bei Frauen liegt dieser Anteil mit 60 Prozent sogar noch um einiges höher. Sexuelle Gewalt haben über die Hälfte der wegen ihrer Glücksspielprobleme behandelten Frauen erfahren, unter den männlichen Klienten liegt dieser Prozentsatz bei etwa neun Prozent.

Insgesamt elf Prozent der Glücksspiel-Klient*innen haben in ihrem Leben schon einmal einen oder sogar mehrere Suizidversuche unternommen.

Hilfsangebote in Hamburg

Die Ergebnisse der BADO zeigen ganz deutlich: Bei Menschen mit Suchtproblemen ist häufig eine umfassende Hilfe und Beratung notwendig, die auch ergänzende Angebote wie beispielsweise eine Schuldnerberatung und/ oder die Behandlung weiterer psychischer Erkrankungen beinhalten kann. Menschen, denen aufgrund einer Suchterkrankung ihr Leben aus den Händen zu gleiten droht, können sich zu diesem Zeitpunkt oft nur schwer vorstellen, dass sich ihre Lage einmal verändern wird. Falls Sie zu diesen Menschen gehören: Alle Berater*innen in den Hamburger Suchtberatungsstellen haben sehr gute Kenntnisse des gesamten Hilfesystems in Hamburg und kennen und bei Bedarf die „richtige Adresse“ bzw. sind bei der Vermittlung an andere Stellen behilflich. Zu den kostenfreien und anonymen Beratungsangeboten in Hamburg geht es hier.

Zum Hintergrund: Die Hamburger Basisdatendokumentation e.V. (kurz BADO e.V.) ist ein Zusammenschluss von Freien Drogenhilfeträgern in Hamburg und der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz - BGV. Der Bericht zur Basisdatendokumentation (kurz BADO) kann auf folgender Seite heruntergeladen werden: BADO — Basisdokumentation im Suchtbereich.