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Immer mehr Hilfesuchende

Online-Glücksspiele und Geldspielautomaten in der Diskussion – Zahl der Hilfesuchenden steigt an


Werden Online-Glücksspiele auf dem Mobiltelefon der nächste große Trend auf dem Glücksspielmarkt? Zumindest in England und den USA wird es laut einer Branchenmeldung bald möglich sein, über das Handy an Glücksspielen um echte Geldbeträge teilzunehmen. So besteht bereits eine Partnerschaft zwischen einem großen Handyhersteller und einem (ebenfalls wirtschaftlich erfolgreichen) Glücksspielanbieter. Zukünftig wird es dann wohl zumindest im angelsächsischen Raum mobile Anwendungen (oft auch „Apps“ genannt) geben, über die jederzeit und unterwegs um Geld gespielt werden kann. In der Branchenmeldung wird der Geschäftsführers eines Glücksspielunternehmens mit den Worten wiedergegeben, „dass das mobile Glücksspiel die größte Chance der Spielentwickler seit dem Aufkommen des Internets“ sei.

Trotz Verbot – Glücksspiele im Internet offenbar weit verbreitet

Online-Glücksspiele sind in Deutschland verboten, auch die Teilnahme an Spielen ausländischer Anbieter ist strafbar. Befragungen zeigen jedoch immer wieder, dass eine Reihe von Menschen im Internet um Geldbeträge spielen. Laut SCHULBUS-Erhebung nimmt zum Beispiel eine Mehrheit der regelmäßig spielenden Jugendlichen in Hamburg an Online-Glücksspielen teil. Da Smartphones bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen besonders beliebt sind, ist gut vorstellbar, dass auch Glücksspiele im mobilen Internet eine große Anziehungskraft auf sie ausüben könnten.

Glücksspiele in ständiger Reichweite – für Spielsüchtige eine große Herausforderung

Die Vorstellung, dass in einigen Ländern bald ein Griff in die Hosentasche reicht, um Geld zu verspielen, ist beängstigend. Denn eine schnelle Erreichbarkeit zählt eindeutig zu den Risikofaktoren eines Glücksspiels.

Für Menschen mit problematischem Spielverhalten stellt ein in der Nähe befindliches bzw. leicht verfügbares Glücksspiel eine ständige Herausforderung dar, ihrem Spieldrang nicht zu folgen. Klassische Beispiele sind Spielorte wie die Stammkneipe oder die Spielhalle um die Ecke. Bei häufigerem Spielen werden sie zu sogenannten „auslösenden Reizen“, die das Verlangen nach einem Spiel hervorrufen können. Dieses Prinzip lässt sich auch auf Online-Glücksspiele übertragen, die aufgrund der nahezu allgegenwärtigen Präsenz des Internets besonders leicht zu erreichen sind.

Risikofaktoren von Online-Glücksspielen

Und Glücksspiele im mobilen Internet können vor diesem Hintergrund sicherlich als besonders riskant eingestuft werden. Hinzu kommen weitere Risikofaktoren, die Online-Glücksspiele – egal ob mobil oder am Computer zu Hause gespielt – gefährlich machen: Sie sind zeitlich unbegrenzt nutzbar, die Zahlweise erfolgt per Kreditkarte – dadurch sinkt die Hemmschwelle für hohe Einsätze. Auch die meist schnelle Abfolge der Spiele trägt zu ihrem Gefährdungspotential bei. Außerdem werden Online-Glücksspiele häufig alleine gespielt. Eine soziale Kontrolle des Spielenden (zum Beispiel in Person eines Freundes oder Bekannten, der auf das Risiko des Spiels hinweist) ist damit so gut wie ausgeschlossen.

Bundesministerium plant Einführung einer „Spielerkarte“

Weiterhin in der Diskussion sind neue Regulierungsmaßnahmen für eine andere riskante Glücksspielform, die Rede ist von Geldspielautomaten in Spielhallen und Gaststätten. Aus zahlreichen Studien ist bekannt, dass von Automatenspielen ein besonders hohes Suchtpotential ausgeht. Unter Automatenspielerinnen und -spielern ist der Anteil von Personen mit süchtigem Glücksspielverhalten besonders hoch – fast 9 Prozent von ihnen fallen in die Kategorien der „problematisch" oder „pathologisch“ Spielenden.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) plant offenbar die Einführung einer sogenannten „Spielerkarte“. Ohne eine solche Karte soll der Betrieb von Spielautomaten bald nicht mehr möglich sein. Für die Ausgabe der Spielerkarten sollen die Betreiberinnen und Betreiber der Spielhallen oder Gaststätten zuständig sein. Mit der Karte soll verhindert werden, dass jemand parallel an mehreren Geräten spielt.

Experten bezweifeln ausreichende Wirkung der Spielerkarte

Expertinnen und Experten für Glücksspielsucht bezweifeln, dass die Spielerkarte die gewünschte Wirkung zeigen wird. Ihr hauptsächlicher Kritikpunkt: Die Karte gilt jeweils nur für einen Spielort und ist personenunabhängig. Der Suchtexperte Gerhard Meyer hält den Gesetzesentwurf deshalb für „absolut ineffektiv“. Ilona Füchtenschnieder, Leiterin der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht NRW, kritisiert, der Schutzeffekt sei leicht zu umgehen, da die Spielkarte nur jeweils für eine Spielstätte gelte. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sprach sich in einer Stellungnahme für personalisierte Zugangskarten aus, vergleichbar mit Identifikationskarten für Zigarettenautomaten. Vorher müssten jedoch technische und datenschutzrechtliche Fragen geklärt werden.

Helpline Glücksspielsucht verzeichnet deutlichen Anstieg der Anrufe
Anlässlich des bundesweiten Aktionstags Glücksspielsucht am 25. September 2012 stellt die Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen e.V. (HLS) mit Besorgnis fest, dass in Hamburg immer mehr Menschen mit einer Glücksspielsuchtproblematik Hilfe suchen. Die Nachfrage an der Hamburger Helpline Glücksspielsucht ist im Jahr 2012 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 60 Prozent gestiegen. Immer mehr Menschen wenden sich aufgrund von Problemen mit so genannten Glücksspielautomaten an die Helpline. Der Anteil von Personen mit Problemen mit Glücksspielautomaten ist im Vergleich zum Vorjahr 2011 von 47 Prozent auf 58 Prozent gestiegen.
„Diese Zahlen zeigen, dass das Gefährdungspotential gerade von Automatenspielen sehr hoch ist“, so Christiane Lieb, Geschäftsführerin der HLS. „Betroffene sollten sich möglichst frühzeitig Unterstützung holen. Der erste Schritt ist meist der Schwierigste. Deshalb sind niedrigschwellige Angebote wie die Helpline Glücksspielsucht so wichtig. Einige Menschen wissen auch gar nicht, welche Hilfen ihnen überhaupt zur Verfügung stehen oder haben Angst vor eventuellen Kosten einer Behandlung. Die Beraterinnen und Berater kennen sich in der Materie bestens aus und unterstützen dabei, das passende Hilfsangebot zu finden.“.


Quellen:
http://www.onlinecasinospiegel.de/echtgeld-online-glucksspiel-auf-dem-iphone-1198.html

Ergebnisse der Hamburger SCHULBUS-Studie zum Glücksspielverhalten von Jugendlichen

http://www1.wdr.de/themen/wirtschaft/spielautomaten100.html

http://www.tagesschau.de/inland/spielsucht112.html

http://www.welt.de/newsticker/news3/article108731624/Experte-Die-Automaten-Branche-lebt-von-Spielsuechtigen.html?nid=3402&cmd=newsdetailid=540&did=54919