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7 Millionen Europäer spielen Glücksspiele im Internet

EU-Kommission empfiehlt Maßnahmen zum verstärkten Schutz von Jugendlichen

Die Europäische Kommission hat vor den wachsenden Risiken durch Online-Glücksspiele gewarnt und die europäischen Mitgliedsländer dazu aufgerufen, Spielende und insbesondere Minderjährige durch verstärkte Maßnahmen vor diesen Risiken zu schützen.

Sieben Millionen Online-Glücksspieler in Europa

Der Online-Markt entwickelt sich rasant, mobile Endgeräte (z.B. Smartphones, Tablets) sorgen dafür, dass das Internet für eine zunehmende Zahl von Menschen ständig in Griffnähe ist. Eine Begleiterscheinung dieser Entwicklung: Auch das Angebot und die Nutzung von Online-Glücksspielen nehmen stetig zu. Die EU-Kommission schätzt die Zahl der Europäer, die im Internet Glücksspiele spielen, auf etwa 7 Millionen. Damit halte Europa einen Marktanteil von 45 Prozent am weltweiten Markt für Online-Glücksspiele, so die Kommission.

Online-Glücksspiele: Wenn es nicht mehr nur um Spaß geht, steigt das Risiko

In einer Stellungnahme betont die EU-Kommission, dass Glücksspiele im Internet den meisten Menschen zwar in erster Linie zur Unterhaltung und Entspannung dienen. Glücksspiele im Internet könnten jedoch zum Problem werden, wenn es nicht mehr nur um den Spaß am Spielen geht und sich eine Abhängigkeit entwickelt.

Auch in Deutschland weisen Experten schon seit längerer Zeit darauf hin, dass Online-Glücksspiele mit besonderen Risiken verbunden sind. So hat die Kampagne Automatisch Verloren! zum Jahreswechsel auf mögliche Gefahren durch Online-Glücksspiele aufmerksam gemacht. Zu den spezifischen Risiken dieser Glücksspielform gehört zum Beispiel die Zahlweise per Kreditkarte oder per Wertkartensystem – dabei geht der Überblick über die getätigten Einsätze schnell verloren. Ein weiterer Risikofaktor: Gewinne werden sofort ausbezahlt bzw. gutgeschrieben – und von vielen Menschen dann direkt wieder eingesetzt. Zum besonderen Gefährdungspotential von Online-Glücksspielen gehört auch, dass sie meist alleine gespielt werden. Die Chance, dass eine andere Person eingreift, wenn die Kontrolle über das Spielen verloren geht, ist damit äußerst gering.

Über 400.000 Menschen in Deutschland mit pathologischem Spielverhalten

Die Europäische Kommission schätzt, dass in den Mitgliedsländern der Bevölkerungsanteil mit einem pathologischen, also süchtigen Spielverhalten zwischen 0,1 und 0,8 Prozent variiert. Zum Vergleich: Eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) kam kürzlich auf einen Prozentsatz von 0,82 Prozent der 16-bis 65-Jährigen Bevölkerung in Deutschland, die ein pathologisches Spielverhalten aufweisen, umgerechnet sind das 438.000 Personen.

Besonders durch Online-Glücksspiele gefährdet: Kinder und Jugendliche

Besonders durch Online-Glücksspiele gefährdet sind laut EU-Kommission Kinder und Jugendliche, weil sie das Internet häufiger und intensiver nutzten als Erwachsene. Dabei könnten sie leicht in Kontakt mit Angeboten und Werbung für Online-Glücksspiele kommen.

Um den möglichen Schaden durch online getätigte Glücksspiele so gering wie möglich zu halten und besonders Heranwachsende zu schützen, empfiehlt die Kommission den Ländern eine Reihe von Maßnahmen, darunter die Einführung einer verpflichtenden Angabe von Alter und Identität bei der Registrierung für ein Online-Glücksspiel. Darüber soll zum einen sichergestellt werden, dass Minderjährige keinen Zugang zu Glücksspielangeboten im Internet bekommen.

Der Registrierungsprozess inklusive Alter und Identität soll aber noch einen zweiten Zweck erfüllen: Anbieter könnten darüber das Spielverhalten der Nutzer verfolgen und bei einem kritischen Verlauf ein „Warnsignal“ senden. Online Spielende sollten auf den Websites der Glücksspielanbieter zudem über Hilfsangebote informiert werden.

Drogenbeauftragte begrüßt Vorschläge der EU-Kommission zur Regulierung von Online-Glücksspielen

Im aktuellen Drogen- und Suchtbericht (2014) begrüßt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, „die Initiative der EU-Kommission für einen umfassenden europäischen Rahmen für das Online-Glücksspiel“.

In dem Bericht werden unter anderem auch die Ergebnisse der aktuellen BZgA-Befragung zum Glücksspielverhalten in Deutschland vorgestellt. Danach finden sich beispielsweise gerade unter Internet-Casinospielern vermehrt sogenannte „Problemspieler“, d.h. Menschen, deren Spielverhalten als entweder „problematisch“ oder sogar „pathologisch“ bezeichnet werden kann. Dieser Problemspieleranteil liegt bei Personen, die in den zurückliegenden 12 Monaten Casinospiele im Internet gespielt haben, bei 17 Prozent. Zum Vergleich: Für Lotteriespiele wurden Problemspieleranteile von meist unter 3 Prozent gemessen.

Weitere Glücksspiele mit einem besonders hohen Risikopotential sind laut der Studie Automatenspiele und Live-Wetten mit Problemspieleranteilen von 29 bzw. 27 Prozent.

Termin merken: Am 25. September ist Aktionstag Glücksspielsucht

Auch in diesem Jahr wird der bundesweite Aktionstag zur Glücksspielsucht wieder dafür genutzt, öffentlichkeitswirksam über die Risiken von Glücksspielen zu informieren und Hilfsangebote für Betroffene und ihre Angehörigen vorzustellen. Auch die Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen e.V. (HLS) und der Hamburgischen Arbeitskreis Glücksspielsucht (HAGS) werden wieder gemeinsam eine Aktion veranstalten, die Vorbereitungen laufen schon. Termin ist der 25. September, wir informieren Sie auf dieser Website rechtzeitig über den Ort und die genaue Zeit.

Quellen:

http://europa.eu/rapid/press-release_IP-14-828_en.htm

Artikel aus „proJugend, die Fachzeitschrift der Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern e.V; Heft 4/2013 - CASINO INTERNET - Jugendliche und Glücksspiele im Netz“: Ein Milliardenmarkt und sein Schatten Realitäten des Onlineglücksspiels; Dr. Ingo Fiedler

Die Drogenbeauftragte (2014): Drogen- und Suchtbericht 2013. Berlin.