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Pathologisch Spielende im ambulanten Suchthilfesystem in Hamburg: BADO veröffentlicht aktuelle Zahlen

Die Zahl der Menschen in Hamburg, die aufgrund von Glücksspielproblemen im ambulanten Suchthilfesystem betreut wurden, hat sich in den vergangenen Jahren ungefähr verdreifacht. Das zeigen die Statistiken der „Hamburger Basisdatendokumentation in der ambulanten Suchthilfe und der Eingliederungshilfe“ der BADO e.V. Am 26. November 2014 wurde der Bericht für das Jahr 2013 veröffentlicht. Demnach ist die Zahl der Menschen, die unter anderem wegen ihres pathologischen Spielverhaltens betreut wurden, abermals gestiegen – auf nunmehr 1.443 Personen im Jahr 2013. Hinter dieser Zahl stehen Menschen, die wegen ihrer Glücksspielsucht, aber auch aufgrund anderer Probleme, ein ambulantes Betreuungsangebot in Anspruch genommen haben. Betrachtet man ausschließlich jene mit dem „alleinigen Hauptproblem pathologisches Glücksspiel“, ist die Zahl der betreuten Personen von 640 im Vorjahr auf 599 im Jahr 2013 gesunken.

Mehr als jeder Dritte kommt aus eigener Initiative in die Betreuung

Und diese 599 Personen werden Bado-Bericht etwas genauer betrachtet – mit interessanten Ergebnissen. Zum Beispiel zu den Wegen, über die die Glücksspielklientinnen und -klienten zu ihrem Betreuungsangebot fanden. Mehr als jeder Dritte von ihnen (37 Prozent) suchte das Angebot aus eigenem Antrieb auf, weitere 28 Prozent kamen auf Initiative eines näheren Angehörigen. Ein weiteres knappes Viertel fand durch Vermittlung anderer Institutionen (Suchthilfe, medizinische Einrichtungen etc.) in die ambulante Betreuung.

Ambulante Suchthilfe: Glücksspielsüchtige Männer deutlich häufiger vertreten

Wie lassen sich die Hamburger Glücksspielklientinnen und -klienten kennzeichnen? Erwartungsgemäß überwiegt der Männeranteil: 88 Prozent der betreuten Menschen mit der (alleinigen) Hauptdiagnose Pathologisches Glücksspiel sind männlich. Der Anteil von Menschen mit einem Migrationshintergrund ist – im Vergleich zur Hamburger Allgemeinbevölkerung – ebenfalls (leicht) erhöht.

Einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung einer Glücksspielsucht ist eine Suchterkrankung der Eltern bzw. eines Elternteils. Der Bericht der BADO liefert hierfür ebenfalls einen Beleg. Ein Drittel der betreuten Personen ist in einem Haushalt mit einem süchtigen Elternteil aufgewachsen, bei weiteren sechs Prozent waren sogar beide Eltern von einer Suchterkrankung betroffen.

Häufiges Ergebnis einer „Spielerkarriere“: hohe Schuldentürme

Glücksspielsüchtige Menschen sind häufig hoch verschuldet. Das spiegeln auch die Ergebnisse der BADO-Erhebung wider. Ein Viertel (25 Prozent) von ihnen hat zum Zeitpunkt der Betreuung einen Schuldenstand von bis zu 25.000 Euro. Noch darüber (mehr als 25.000 Euro Schulden) liegen weitere 15 Prozent. Noch einmal 16 Prozent wissen nicht genau, wie viele Schulden sie haben. Bedenkt man dabei, dass ein knappes Viertel der betreuten Personen arbeitslos ist, wird deutlich, wie groß die finanzielle Belastung vieler dieser Menschen ist. Eine Schuldnerberatung ist deshalb oft Bestandteil von Hilfsangeboten für Glücksspielsüchtige.

Unterschiedlicher Erkrankungsverlauf bei glücksspielsüchtigen Frauen und Männern

Glücksspielsüchtige Frauen fingen im Alter von durchschnittlich knapp 30 Jahren mit dem Spielen an – und damit deutlich später als Männer, die mit durchschnittlich 22 Jahren erstmals Kontakt zu Glücksspielen bekamen. Und noch einen interessanten Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt es: Während Männer etwa zehn Jahre nach Beginn ihres pathologischen Spielverhaltens ein Betreuungsangebot in Anspruch nehmen, sind es bei Frauen im Schnitt 14 Jahre die vergehen, bis sie Kontakt zum Hilfesystem aufnehmen.

Bei Wetten liegt die Spielhäufigkeit höher als bei anderen Glücksspielarten

Nach wie vor steht das Spielen an Geldspielautomaten bei den meisten im ambulanten Hilfesystem betreuten Personen (71 Prozent) im Vordergrund ihrer Problematik. Auch über die Spielhäufigkeit geben die BADO-Daten Auskunft. Besonders häufig werden demnach vor allem Online-Wetten und Wetten in Sportwettbüros abgeschlossen. 19 Prozent der Personen, die aufgrund ihres pathologischen Umgangs mit Online-Wetten behandelt werden, haben in den 30 Tagen vor Betreuungsbeginn noch „täglich oder fast täglich“ Wetten abgeschlossen, bei Wetten in Sportwettbüros liegt der Anteil der „(fast) täglich Spielenden“ bei immerhin noch 16 Prozent.

2014 im Fokus: Sportwetten

Ein wichtiger thematischer Schwerpunkt für die Kampagne „Automatisch Verloren!“ im Jahr 2014 war die Sensibilisierung zu einem kritischen Umgang mit Sportwetten. Der Aktionstag Glücksspielsucht wurde dieser Glücksspielart gewidmet. Parallel dazu wurde ein gesonderter Bereich auf der Website eingerichtet, der über Sportwetten informiert.

Das Team von „Automatisch Verloren“ wünscht allen Leserinnen und Lesern einen erholsamen Jahresausklang und einen guten Start in das neue Jahr 2015.

 

Quelle:

Suchthilfe in Hamburg - Statusbericht 2013 der Hamburger Basisdatendokumentation in der ambulanten Suchthilfe und der Eingliederungshilfe (2014). Herausgeber: BADO e.V.; abrufbar unter http://www.bado.de/dokumente/2013/BADO-Statusbericht%202013_www.pdf