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Lohnendes Geschäft für die Glücksspielindustrie, erhöhtes Risiko für die Spielenden: Online-Glücksspiele

Zu jeder Tages- und Nachtzeit spielen, keine Wartezeiten haben und bequem zu Hause bleiben, anstatt das Jacket für den Spielbankbesuch heraussuchen zu müssen: Mit diesen und anderen vermeintlichen Vorteilen von Online-Casinos werben die Anbieter von Internetglücksspielen um ihre Kundinnen und Kunden. Offenbar mit Erfolg, denn die Umsätze mit Online-Glücksspielen steigen beträchtlich.

Internet-Glücksspiele locken rund um die Uhr

Was für die Anbieterseite „Werbeargumente“ sind, stellt für Suchtexpertinnen und -experten eher „Gefährdungsfaktoren“ dar. Denn beispielsweise die Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit von Glücksspielen im Internet macht einen großen Teil ihres Risikos aus. Und die angesprochenen „Wartezeiten“, die in realen Spielhallen oder Casinos auftreten können, sind für die Spieler eigentlich eine Art „Glücksfall“ – denn so können sie sich (theoretisch) zwischen den Spielen „abkühlen“ und ihre Selbstkontrolle wiedergewinnen. Sie fassen dann eher den Entschluss, erst einmal nicht mehr weiterzuspielen und gehen stattdessen vielleicht sogar nach Hause.

Nach Hause gehen müssen Online-Spielerinnen und -spieler dagegen nicht, denn dort sitzen sie in der Regel bereits (wenn sie nicht gerade mobil spielen). Aus der Sicht von Suchtfachleuten ein weiterer Risikofaktor, denn die Chance, dass eine wohlmeinende Person einen Hinweis auf exzessives Spielen gibt oder einen Ausstieg nahelegt, ist äußerst gering, wenn ein Spieler bzw. eine Spielerin alleine in der Wohnung sitzt. Die Fachleute sprechen deshalb auch von „fehlender sozialer Kontrolle“, die Online-Glücksspiele riskanter macht.

Neuer Schwerpunkt zum Thema Online-Glücksspiele

Steigende Umsätze auf Seiten der Glücksspielanbieter, ein erhöhtes Risiko für die Spielenden – Anlass genug für die Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen (HLS), anlässlich des diesjährigen „Aktionstag Glücksspielsucht“ am 23. September das neue Informationsangebot zu den Verführern im Netz online zu stellen.

Erhöhtes Risikopotenzial von Online-Glücksspielen schlägt sich auch in Praxis nieder

Dass die Umsätze der Glücksspielanbieter im Netz steigen, liegt auch daran, dass Menschen grundsätzlich immer mehr Zeit im Internet verbringen: Davon ist Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks überzeugt: „Viele Jugendliche und Erwachsene nutzen regemäßig mobile Geräte wie Handys und Tablets, um fast überall und rund um die Uhr Zugang zum Internet zu haben. Dies nutzen Anbieter von Glücksspielen, in dem sie auf scheinbar unverdächtigen Internetseiten den Zugang zu Gratis- und Demospielen verlinken. Dahinter steht vielfach eine ausgeklügelte Strategie, um letztendlich kostenpflichtige Angebote zu verkaufen.“[1]

Unter Internet-Casinospielern gibt es einen deutlich erhöhten Anteil von Personen, die die Kontrolle über ihr Spielverhalten verloren haben. Das hat unter anderem die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in ihren Untersuchungen herausgefunden.

Und auch Christiane Lieb, Geschäftsführerin der HLS, kann dies bestätigen. Sie berichtet aus der Praxis: „Sehr häufig kommen Menschen in die Beratungsstellen in Hamburg, die aufgrund von Problemen mit Glücksspielangeboten im Internet Unterstützung benötigen. Diesen Menschen ist häufig nicht bewusst, dass es sich bei vielen häufig zunächst kostenfreien Spielangeboten um Glücksspiele handelt und sie regelrecht von der Glücksspielindustrie geködert wurden.“

Tipps zum Umgang mit Online-Glücksspielen

Bei Online-Glücksspielen ist also besondere Vorsicht angebracht. Vier Tipps helfen ihnen, „auf der sicheren Seite“ zu bleiben:

  1. Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind Glücksspiele im Internet in Deutschland verboten. Wer Rechtssicherheit möchte, spielt also am besten gar nicht im Netz um Geld. Dass letzteres bei einem eventuellen Gewinn ausgezahlt wird, ist außerdem gar nicht so sicher.
  2. Sogenannte „Gratisspiele“ sind keine Geschenke, sondern reine Werbemittel, die zum Spielen mit echtem Geld verleiten sollen. Erfahrungen zeigen, dass dies häufig gelingt. Seien Sie also vorsichtig, wenn man Ihnen im Netz etwas „schenken“ möchte
  3. Wer doch im Internet spielt, sollte sich selber Grenzen setzen. Zum Beispiel indem man sich vornimmt, nur eine bestimmte Geldsumme zu verspielen. Oder indem man sich von vornherein ein Zeitlimit für das Spielen selbst. Wer (vor allem mehrfach) feststellt, dass es ihm oder ihr schwer fällt, die selbst gesetzten Grenzen einzuhalten, sollte sich Unterstützung holen. Je früher desto besser – denn wenn die Kontrolle über die Spieldauer verloren geht, ist das ein ernstzunehmendes Frühwarnzeichen für einen problematischen Umgang mit Glücksspielen.
  4. Testen Sie, ob sie das Spielen noch im Griff haben, mit unserem Selbsttest.

Hier geht es zum neuen Informationsangebot über Online-Glücksspiele.

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[1] Pressemitteilung „Glücksspiele im Internet und Online-Glücksspiele“ http://www.sucht-hamburg.de/uploads/docs/696.pdf

Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2014). Glücksspielverhalten und Glücksspielsucht in Deutschland. Ergebnisse des Surveys 2013 und Trends. Köln. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
http://www.automatisch-verloren.de/de/nachrichtenarchiv/215-gluecksspiele-im-internet-und-online-gluecksspiele-riskant-und-weitgehend-ohne-kontrolle