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Wissenschaft bestätigt die Praxis der Suchtberatung: Glücksspiele hinterlassen Spuren im Gehirn!

Immer genauer verstehen Wissenschaftler, was im Gehirn von Glücksspielern vorgeht, wenn sie zum Beispiel am Automaten stehen oder im Internet um Geld spielen. Oftmals bestätigen die Arbeiten der Hirnforscher auch bereits bekannte Zusammenhänge, wie jetzt zwei kürzlich veröffentlichte Untersuchungen zeigen. In dem einen Fall geht es um die Bedeutung der Selbstkontrolle beim Glücksspielen. In der anderen Studie konnte nachgewiesen werden, wie blinkende Lichter und eingängige Sounds am Spielautomaten problematisches Spielverhalten verstärken können. Wir stellen die beiden Untersuchungen vor und zeigen, was sie für die Praxis von Suchtberatern und Spielern bedeuten können.

Sind die Gehirne von Risikospielern anders verdrahtet?

Wenn jemand nicht kontrollieren kann, wie lange und um wie viel Geld er spielt, ist das ein ernstzunehmendes Signal für ein problematisches Spielverhalten: Kontrollverlust zählt zu den Hauptsymptomen einer Abhängigkeitserkrankung. Forscher der Stanford University haben jetzt bei unkontrolliert spielenden Menschen („Risikospielern“) andere Aktionsmuster und -strukturen im Gehirn entdeckt als bei Personen, die kontrolliert spielen. Mit Hilfe von bildgebenden Verfahren fand man eine Verbindung zwischen zwei Hirnregionen, die zuvor nur bei Tierversuchen nachgewiesen werden konnte. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um die Verbindung zwischen einem Bereich, der für die Selbstkontrolle wichtig ist und einer Region, die zum sogenannten Belohnungssystem gehört. Die Forscher stellten fest, dass die Verbindung zwischen den beiden Hirnregionen bei kontrolliert spielenden Menschen dicker war als bei Risikospielern. Das könnte erklären, warum erstgenannte ihr Verhalten besser steuern können.

Kontrolle von Impulsen lässt sich trainieren

Aus anderen Untersuchungen von Hirnforschern weiß man inzwischen, dass sich das Gehirn auch im höheren Erwachsenenalter noch verändern kann, zum Beispiel durch Übungen zur Impulskontrolle. Zentraler Bestandteil jeder Therapie von problematischen Glücksspielen ist daher die Kontrolle von Spielimpulsen und der erfolgreiche Umgang mit Spielanreizen in der Umgebung (wie etwa der Leuchtreklame einer Spielhalle oder der Glücksspielwerbung im Internet). Der Logik der Hirnforscher folgend, könnte dieses Training der eigenen Kontrollfähigkeit mit der Zeit zu einer Stärkung der Nervenverbindung zwischen steuernden und belohnenden Instanzen im Gehirn führen.

Wenn Automatengeräusche zu Schlüsselreizen werden

Wer schon einmal in einer Spielhalle oder im Automatenbereich einer Spielbank war, weiß, dass dort ein permanentes Licht- und Soundkonzert auf einen wartet. Von dem Einfluss dieser Signale auf das Spielverhalten berichten zum Beispiel Menschen, die eine Therapie zur Bewältigung ihrer Glücksspielsucht machen. Die typischen Automatengeräusche sind für sie zu Schlüsselreizen geworden, die sie zum Spielen verlocken. Es erfordert von den Betroffenen – vor allem anfangs – oft  viel Selbstkontrolle, sich diesen Verlockungen zu entziehen. Das beobachteten jetzt auch Forscher in einem Tierexperiment, bei dem sie Ratten in einer Spielbank-Simulation um Belohnungen spielen ließen. Dabei handelte es sich natürlich nicht um Geld, sondern in diesem Fall um eine süße Flüssigkeit, die die Tiere für ein gewonnenes Spiel bekamen.

Studie: Licht und Sound verstärken die Bindung an Glücksspiele

Üblicherweise lernten die Tiere in dem Experiment schnell, riskante Spielweisen zu vermeiden. Nicht jedoch,  wenn der Spielaufbau um Töne und blinkende Lichtreize ergänzt wurde. Denn dann spielten die Tiere deutlich riskanter. Dass es sich bei diesen Risikospielen um ein abhängiges Verhalten handelt, wollten die Wissenschaftler damit beweisen, dass sie den Ratten ein Medikament gaben, das die Aktivität eines bestimmten (Dopamin-) Rezeptors im Gehirn blockiert. Dieser Rezeptor wird von Experten mit Abhängigkeitsverhalten in Verbindung gebracht. Und siehe da: Das problematische Spielverhalten der Tiere konnte durch die Medikamentengabe gestoppt werden. Dieser Effekt zeigt sich jedoch nicht, wenn die Tiere zuvor ohne Ton und Licht im Ratten-Casino gespielt hatten – für die Forscher ein Hinweis, dass Reize wie „Jingles“ oder Blinkleuchten zu abhängigem bzw. problematischem Spielverhalten beitragen. Für die Therapie von spielsüchtigen Menschen bedeutet dies, dass sie die entsprechenden Reize zunächst meiden sollten. Und dass sie lernen, zum Beispiel mit blinkender Glücksspielwerbung im Internet umzugehen.
Die Studien zeigen: Regelmäßiges Glücksspielen hinterlässt Spuren im Gehirn. Diesen Veränderungen sind Spieler aber nicht hilflos ausgeliefert. Durch längere Spielpausen oder einer Abstinenz vom Spielen, können sie ihnen entgegen wirken.

Auf der folgenden Seite finden Sie vertiefende Informationen zu Thema Glücksspielsucht.


 

Quellen:
University of British Columbia. "Flashing lights, music turn rats into problem gamblers." ScienceDaily. ScienceDaily, 20 January 2016. www.sciencedaily.com/releases/2016/01/160120111517.htm.
Stanford University. "Odds are good that risky gambling choices are influenced by a single brain connection." ScienceDaily. ScienceDaily, 8 January 2016. www.sciencedaily.com/releases/2016/01/160108083800.htm.