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Jahrbuch Sucht 2018 - Umsatz mit Glücksspielen steigt

Mehr als 45 Milliarden Euro wurden im Jahr 2016 in Deutschland mit Glücksspielen umgesetzt – ein Anstieg um etwa 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Am meisten Umsatz bringen nach wie vor die Geldspielautomaten in Spielhallen und Gaststätten: Fast 30 Milliarden Euro – ganz genau sind es 29,913 Milliarden – wurden hierzulande pro Jahr in die Automaten gesteckt. Diese und noch viele andere Zahlen sind im Jahrbuch Sucht 2018 zu finden, das vor kurzem erschienen ist.

Deutschland, wie es raucht, trinkt und spielt

Jedes Jahr veröffentlicht die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) ein Jahrbuch, in dem die aktuellsten Daten zu verschiedensten Suchtformen zusammengestellt werden. Wie viel wird in Deutschland getrunken, geraucht, gespielt und anderweitig konsumiert? Und wie hoch ist der Prozentsatz der Suchtkranken in der Bevölkerung? Fragen, die das Jahrbuch Sucht beantwortet.

Die Zahlen zum Glücksspielverhalten in Deutschland haben es auch diesmal wieder in sich. Denn erneut ist der Gesamtumsatz mit Glücksspielen angestiegen. Wie groß der „Umsatzkuchen“ inzwischen geworden ist, zeigt ein Vergleich mit dem Jahresumsatz aus 2002. Dieser betrug damals 27,539 Milliarden Euro. Auch schon ein hoher Betrag, aber doch deutlich niedriger als die mehr als 45 Milliarden (die genaue Summe beträgt 45,203 Milliarden) aus dem aktuellen Erhebungsjahr. Die entsprechenden Daten für 2017 liegen übrigens noch nicht vor, sie werden dann im nächsten Jahrbuch veröffentlicht.

Sattes Umsatzplus soweit das Auge reicht...

Etwa zwei Drittel des Umsatzes (66,2 Prozent) auf dem Glücksspielmarkt wurden im Jahr 2016 mit Geldspielautomaten gemacht. Auch hier hat es einen ziemlich satten Anstieg im Vergleich zum Vorjahr gegeben: fast 9 Prozent. Und das obwohl die Zahl der aufgestellten Geräte in Spielhallen und Gaststätten sogar leicht (um etwa 3.000 Automaten) zurückgegangen ist. Damit gab es im Jahr 2016 noch 264.000 Geldspielautomaten in Deutschland. Die meisten davon, etwa 70 Prozent, stehen in Spielhallen, der Rest in Gaststätten.

Es dürfte spannend werden, wie sich die Umsatzzahlen gerade in diesem Segment des Glücksspielmarkts entwickeln werden. Denn laut Gesetzgebung soll eine ganze Reihe von Spielhallen schließen, um die geforderten Mindestabstände zwischen Spielhallen sowie zwischen Spielhallen und Einrichtungen für Jugendliche (zum Beispiel Schulen) zu gewährleisten. Zu sehr vielen Schließungen ist es bisher allerdings noch nicht gekommen. Vielerorts haben Kommunen Duldungen erlassen und etliche Betreiber berufen sich auf Härtefallregelungen. Auch in Spielbanken ist der Umsatz übrigens gestiegen, um immerhin 3,6 Prozent, auf 6,4 Milliarden.

… aber weniger Spielende

Es wird also mehr Geld gemacht mit Glücksspielen. Dann könnte man doch davon ausgehen, dass auch mehr Leute in Deutschland spielen, oder? Die Untersuchungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeichnen jedoch ein anderes Bild vom Glücksspielverhalten in Deutschland. Demnach ist der Bevölkerungsanteil, der überhaupt Erfahrungen mit Glücksspielen hat, seit dem Jahr 2009 zurückgegangen. Etwa dreiviertel aller Befragten (75,3 Prozent) gaben im Jahr 2017 an, schon einmal in ihrem Leben ein Glücksspiel gespielt zu haben. Im Jahr 2009 waren es noch fast 12 Prozent mehr. Und auch der Prozentsatz derjenigen, die schon mal an einem Geldspielautomaten gestanden haben, ist in dieser Zeit kleiner geworden. Mehr Umsatz, weniger Spielende: Offenbar gaben die einzelnen Spielerinnen und Spieler mehr Geld für Glücksspiele aus.

Jede/r hundertste in Deutschland hat ein Glücksspielproblem

Wie vielen Menschen entgleitet ihr Spielverhalten? Auch darüber gibt das Jahrbuch Auskunft. Sogar gleich mehrfach, denn es liegt eine ganze Reihe von Untersuchungen darüber vor, wie viele problematischen und pathologischen Spielerinnen und Spieler es in Deutschland gibt. Sie unterscheiden sich zum Beispiel im Altersspektrum der Befragten oder beim Erhebungsjahr. Die zuletzt veröffentlichte Untersuchung der BZgA kam auf etwas mehr als 500.000 Menschen in Deutschland, die die Kontrolle über ihr (Glücks-) Spielen verloren haben. Sie gelten als entweder „problematische“ oder „pathologische“ Spielerinnen und Spieler.

Damit hat etwa jede/r Hunderte in Deutschland ein Problem mit Glücksspielen. „Betroffen“ von dem Thema sind aber noch viel mehr Menschen, vor allem natürlich die Familien der Spielenden und auch ihre Gläubiger sowie Arbeitgeber, die vormals zuverlässige Beschäftigte verlieren.

Weitere Infos rund um Glücksspiele finden Sie hier

Quelle:
Meyer, G. (2018): Glücksspiel – Zahlen und Fakten. In: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (Hrsg.): DHS Jahrbuch Sucht 2018. Lengerich: Pabst Science Publishers.