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Glücksspielsucht in Familien: schmerzhafter Vertrauensverlust

Glücksspielsucht in Familien: schmerzhafter Vertrauensverlust

Nirgends zeigt sich schmerzlicher als in Familien, dass eine Glücksspielsucht immer auch andere Menschen (be-) trifft. Familienangehörige und darunter ganz besonders die Kinder leiden, wenn die spielende Person – oftmals der Vater – die Zeit in der Spielhalle oder vor dem Computer anstatt mit der Familie verbringt. Gleichzeitig häufen sich mit der Zeit meist hohe Spielschulden an – Geld, das für wichtige Anschaffungen und Rücklagen fehlt.

Studie: weniger Liebe und Geborgenheit in glücksspielsuchtbelasteten Familien

Eine vor Kurzem erschienene Studie hat die schwierige Situation von Kindern aus glücksspielsuchtbelasteten Familien näher beleuchtet. Durchgeführt wurde die Untersuchung vom Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung (Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen). Die Studienverantwortlichen befragten 67 jugendliche und junge erwachsene Kinder von pathologischen Glücksspieler*innen, das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei knapp 28 Jahren.

Die Ergebnisse zeigen eindrücklich, dass Kinder erheblichen Belastungen ausgesetzt sind, wenn sie in einer Familie aufwachsen, in der ein Elternteil die Kontrolle über das Glücksspielen verloren hat. Die Erfahrungen der befragten Kinder reichten von „fehlender emotionaler und finanzieller Sicherheit und Stabilität“ über „Verlust- und Existenzängste“ bis zu einem Mangel an Liebe und Geborgenheit. Die Beziehung zum spielenden Elternteil war in den meisten Fällen deutlich schlechter als die zum nicht-spielenden Elternteil. Kinder von pathologischen Glücksspieler*innen werden in ihrem sozialen Umfeld außerdem oft ausgegrenzt.

Hilfen für Angehörige von pathologischen Glücksspieler*innen

Auch dieses Ergebnis der Studie ist gleichermaßen bedrückend und interessant: Kinder, die in einer glücksspielsuchtbelasteten Familie aufwachsen, kommen früher und häufiger mit Glücksspielen in Kontakt als andere Kinder. Das Spielen der Eltern bzw. des Elternteils prägt also auch den eigenen Umgang mit Glücksspielen.

Die Studienverantwortlichen kommen zu dem Schluss, dass Kinder aus glücksspielsuchtbelasteten Familien insgesamt einer hohen psychischen Belastung ausgesetzt sind und suchtgefährdeter sind als Kinder, die in „glücksspielfreien“ Familien aufwachsen. Gleichzeitig wird durch die Studie deutlich, dass die betroffenen Familien oftmals keine Hilfsangebote nutzen – obwohl ihr Bedarf an früher und niedrigschwelliger Unterstützung groß ist.

Deshalb sei es an dieser Stelle noch einmal betont und in fetten Buchstaben geschrieben: (Auch) Angehörige profitieren von einer professionellen (anonymen und kostenfreien) Beratung. Hier geht es zu den Beratungsangeboten in Hamburg.

Neue Arbeitshilfe für Fachkräfte erschienen

Das Präventionsprojekt Glücksspiel | pad gGmbH aus Berlin hat eine Arbeitshilfe zur Unterstützung von Kindern aus glücksspielsuchtbelasteten Familien veröffentlicht. Sie richtet sich an „Fachkräfte der Kinder- und Jugendarbeit, Sozialen Arbeit, Kinderbetreuung und -erziehung, des Gesundheitswesens und anderer Berufe im Umgang mit Kindern und Jugendlichen“. Fachkräfte aus den genannten Bereichen kommen oftmals mit Kindern aus suchtbelasteten Familien in Berührung und können daher eine wichtige Brücke zwischen den Betroffenen und dem Hilfesystem bilden. In der Arbeitshilfe wird anschaulich in die Problematik von Kindern aus glücksspielsuchtbelasteten Familien eingeführt, außerdem werden Handlungsspielräume für Fachkräfte aufgezeigt.

Die Arbeitshilfe kann hier heruntergeladen werden.

Quellen:

Fischer, L. C. & Klein, M. (2021). Kinder aus glücksspielsuchtbelasteten Familien – Situation, Folgen, Hilfen. Abschlussbericht an die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung. Köln.

Präventionsprojekt Glücksspiel (Hrsg.) (2022). Arbeitshilfe zur Unterstützung von Kindern aus glücksspielsuchtbelasteten Familien. Abgerufen am 24.05.2022 unter https://www.faules-spiel.de/materialdatenbank/arbeitshilfe-zur-unterstuetzung-von-kindern-aus-gluecksspielsuchtbelasteten-familien/