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Automatenspiele im Fokus der öffentlichen Diskussion

Geldspielautomaten in Spielhallen und Gaststätten sind in den letzten Wochen und Monaten zunehmend in das Zentrum der öffentlichen Diskussion über Glücksspiele gerückt. Expertinnen und Experten für Glücksspielsucht fordern die Einführung einer Sperrdatei auch für Automatenspieler, vergleichbar mit Spielersperren an Spielbanken und bei staatlich angebotenen Glücksspielen wie Oddset, Toto oder Keno.
Prof. Tilman Becker von der Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim sprach sich beispielsweise dafür aus, dass sich Automatenspieler freiwillig in eine solche Sperrdatei eintragen lassen und dort mindestens ein Jahr verbleiben sollten. Ilona Füchtenschnieder von der Landesfachstelle Glücksspielsucht in NRW empfiehlt, Geldspielautomaten ausschließlich in Casinos aufzustellen, da nur dort die Kontrolle durch (geschultes, Anmerkung der Redaktion) Personal gewährleistet werden könne. Ihre Vorschläge begründen die Fachleute mit dem hohen Suchtpotential von Automatenspielen.

Männer haben mehr Erfahrungen mit Geldspielautomaten

Wie viele Menschen spielen eigentlich an den modernen High-Tech-Geräten, die früher auch als „Groschengräber“ bezeichnet wurden und welches Risiko geht von Automatenspielen aus? Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengestellt.
23 Prozent – also ein knappes Viertel – der erwachsenen Bevölkerung zwischen 16 und 65 Jahren haben, einer aktuellen Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zufolge, schon einmal an einem Geldspielautomaten gespielt (BZgA, 2012). Männer haben deutlich mehr Erfahrungen mit Automatenspielen als Frauen: Ca. 31 Prozent von ihnen haben bereits an einem Automaten gespielt, bei den Frauen liegt dieser Anteil mit ca. 15 Prozent nur halb so hoch. Knappe 3 Prozent der Deutschen haben in den letzten 12 Monaten an einem Geldspielautomaten gespielt.

Über 4.000 Geldspielautomaten allein in Hamburg

Erstmalig wurde im Rahmen der Studie der BZgA auch erhoben, welches das erste Glücksspiel war, mit dem die Befragten in ihrem Leben in Berührung gekommen sind. Wie zu erwarten rangieren bei dieser Frage Lotterien und private Glücksspiele auf den ersten Plätzen. Gleich darauf folgen jedoch bereits die Geldspielautomaten mit einem Anteil von 6 Prozent – ein erneuter Beleg für die hohe Verfügbarkeit dieser Glücksspielart. Dazu trägt auch die „Dichte“ der Spielgeräte bei. Allein in Hamburg wurden im Jahr 2010 4.181 Geldspielgeräte in Spielhallen gezählt. In den letzten Jahren ist die Anzahl der Geräte pro Spielhalle in der Hansestadt sogar gestiegen.
Dreiviertel der Automatenspielerinnen und -spieler (77 Prozent) verbringen pro Spieltag bis zu einer Stunde am Geldspielautomaten, weitere knapp 15 Prozent ein bis zwei Stunden. Etwa 3 Prozent verwenden zwei bis drei Stunden für Automatenspiele. Eine exzessive Nutzung von mehr als drei Stunden gaben knapp 5 Prozent der Befragten an (Basis jeweils: Personen, die in den letzten 12 Monaten an einem Geldspielautomaten gespielt haben, Studie der BZgA 2012).

Hohes Risiko durch schnelles Spieltempo und sofortige Gewinnauszahlung

Fachleute sind sich einig: Das Gefährdungspotenzial von Automatenspielen ist als hoch einzustufen. Dafür sprechen die schnelle Abfolge der einzelnen Spiele, die sofortige Auszahlung der Gewinnsummen und die aktive Rolle der Spielenden durch das Betätigen der Stopp- und Risiko-Tasten. Letzteres vermittelt den falschen Eindruck, dass der Spielausgang beeinflusst werden könne.
Dies sind nur einige der Faktoren, die das hohe Suchtpotential der Geldspielautomaten ausmachen. Die Folge: Unter Automatenspielerinnen und -spielern ist der Anteil von Personen mit einem riskanten oder süchtigen Glücksspielverhalten besonders hoch. Fast 9 Prozent von ihnen fallen in die Kategorien „problematisch" oder „pathologisch“ Spielende.

Automatenspiele sind Hauptauslöser für Glücksspielprobleme

Das hohe Risiko der Automatenspiele schlägt sich auch eindrucksvoll in den Ergebnisse der Studie „Pathologisches Glücksspielen und Epidemiologie (PAGE)“ nieder. Im Rahmen dieser Untersuchung wurden unter anderem Menschen mit pathologischem, d.h. süchtigem Spielverhalten gefragt, welche Glücksspielform am meisten zur Entstehung ihrer Probleme beigetragen hat. Mit deutlichem Abstand lautete die am häufigsten genannte Antwort auf diese Frage „Geldspielautomaten“: 49 Prozent, also die Hälfte dieser Befragten, führten ihre Schwierigkeiten in erster Linie auf die Automatenspiele zurück, mit deutlichem Abstand folgt Poker (ca. 15 Prozent).

Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen empfiehlt eine möglichst frühzeitige Beratung

Die Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen e.V. (HLS) rät dazu, erste Anzeichen auf ein riskantes Spielverhalten ernst zu nehmen und möglichst frühzeitig eine Beratung in Anspruch zu nehmen. Unter Bin ich gefährdet? finden Sie wichtige Hinweise zur Einschätzung des eigenen Spielverhaltens. Einen Überblick über Beratungsstellen in Hamburg bietet die Seite Welche Hilfs- und Behandlungsangebote gibt es?.
Ein möglichst früher Kontakt mit dem Beratungs- und Hilfesystem erhöht die Chancen auf eine erfolgreiche Bewältigung der durch das Glücksspielen entstandenen Probleme. Hier besteht noch ein deutlicher „Aufholbedarf“, wie die schon genannte PAGE-Studie zeigt: Lediglich 23 Prozent der pathologischen Glücksspielerinnen und Glücksspieler haben wegen ihrer Spielprobleme bereits einmal mit einer Ärztin bzw. einem Arzt oder anderen Fachleuten gesprochen oder eine Selbsthilfegruppe aufgesucht. Betroffene und auch ihre Angehörigen sollten das breitgefächerte Unterstützungsangebot in Hamburg nutzen, so die Empfehlung der HLS.

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Quellen: http://www.compliancemagazin.de/gesetzestandards/deutschland/bundestagbundesregierung/deutscher-bundestag4280312.html

Glücksspielverhalten und Glücksspielsucht in Deutschland 2007, 2009 und 2011 - Ergebnisse aus drei repräsentativen Bevölkerungsbefragungen (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln)

Pathologisches Glücksspielen und Epidemiologie (PAGE): Entstehung, Komorbidität, Remission und Behandlung (Endbericht 2011)

http://akspielsucht.de/wp-content/uploads/2012/02/Hamburg.pdf