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Interview zum Thema Gratisspiele im Internet: „Die Zukunft des Glücksspiels liegt im Netz“

Im Februar fand in Berlin der Fachtag „Game over? Gaming und Gambling im Fokus der Prävention“ statt. Die Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen e.V. (HLS) war durch Colette See vertreten, die über das Thema „Free-to-Play Games“ (kostenfreie Spiele im Internet, Anm. der Redaktion) sprach. Ihr Vortrag „Vom Free-to-Play Game in die Glücksspielsucht?“ stieß auf großes Interesse. Für alle, die nicht dabei waren, erzählte sie uns im anschließenden Gespräch, welche Risiken mit „Umsonst-Spielen“ im Internet verbunden sind.

Was sind „Free-to-Play Games”?

Free-to-Play Games sind Spiele, die im Internet kostenlos heruntergeladen oder direkt im Browser gespielt werden können. Mittlerweile gibt es zahlreiche Spieleseiten, die mit Slogans wie „Keine Kohle, ständig neue Games zu kaufen? Macht nichts: Zocken Sie gratis!“ für ihr Angebot werben. Über das Internet sind so Shooter, Renn-, Rollen-, Strategie- und auch Glücksspiele jederzeit verfügbar.

Über welche Wege sollen Spieler von „Spielen ohne Einsatz“ zur zahlungspflichtigen Teilnahme an Glücksspielen gebracht werden?

Es gibt eine Fülle an Free-to-Play Games, die klassische Glücksspiele wie Automatenspiele, Roulette oder Poker oder zumindest glücksspielähnliche Elemente enthalten. Sie bieten neuen Spielerinnen und Spielern auf so genannten „Demo-Seiten“ die Möglichkeit, sich ohne Geldeinsätze im jeweiligen Spiel zu Recht zu finden. Schnell stellen sie reale Gewinne in Aussicht und motivieren zu einer Teilnahme mit realem Geld. Derartige Angebote können grundsätzlich als eine Art „Trainingslager“ für zukünftige Glückspieler angesehen werden.

Es wird zum Teil damit geworben, dass es bei diesen Spielen auf das individuelle Können und die Geschicklichkeit des Spielers/der Spielerin ankommt und eben nicht auf Glück. Mit ansprechendem Game-Design und dem Einsatz bspw. beliebter Superheldenfiguren, wird die Neugier auf Spielen um Geld schon bei jungen Menschen geweckt und eine eventuelle Affinität zum Glücksspielen verstärkt. Die Anbieter unternehmen einiges, um Neukunden zu gewinnen und Spielerinnen und Spieler zu halten. Neben klassischen TV-Spots unter anderem mit prominenten Testimonials, gibt es Begrüßungsgeschenke, Pop-up-Fenster mit Werbebotschaften oder regelmäßige Erinnerungsmails bei Spielpausen oder Einladungen durch andere Spielerinnen und Spieler. All diese Maßnahmen tragen auch zu einer Normalisierung von Glücksspielen bei.

Gibt es Menschen, die für Online-Glücksspiele besonders anfällig sind?

Studien zeigen, dass Jungen generell eher betroffen sind als Mädchen. Individuelle Risikofaktoren sind hohe psychosoziale Belastungen, ein geringes psychisches Wohlbefinden, Substanzmissbrauch sowie ein Migrationshintergrund. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Personen mit einer exzessiven Internetnutzung ein erhöhtes Risiko für problematisches Glücksspielen haben.

Worin bestehen die besonderen Risiken von Online-Glücksspielen?

Es besteht das Risiko, dass Kinder und Jugendliche früher in Kontakt mit Glücksspielen oder glücksspielähnlichen Produkten kommen. Wenn Minderjährige im Internet surfen oder spielen, werden sie zwangsläufig mit Glücksspielangeboten konfrontiert.
Wie bei allen Suchtproblemen spielt die Verfügbarkeit auch bei Online-Glücksspielen eine große Rolle. Mit mobilen Endgeräten kann theoretisch in jeder Schulpause oder zum Beispiel während der Bahnfahrt die Spielewelt betreten werden. Unzureichende Altersverifikationen ermöglichen auch Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Glücksspielangeboten. Beispielsweise durch Paysafe-Karten können sogar Minderjährige Geldeinsätze tätigen. Das Internet gewährleistet Anonymität und einen leichten Einstieg in Glücksspiele, bei dem man auch keine Angst haben muss, als „Anfänger“ entlarvt zu werden.

Ist mit einer Zunahme von Glücksspielangeboten im Internet zu rechnen?

Die Zukunft des Glücksspiels ist im Netz. Es gibt zunehmend kommerzielle Anbieter von Glücksspielen, aber auch das selbstorganisierte Spielen um Geldgewinne spielt im Internet mittlerweile eine Rolle. Aktuell werden ca. zehn Prozent der weltweiten Glücksspielumsätze über das Internet erzielt. Vor allem bei der Zielgruppe der jungen Erwachsenen erfreut sich dieser Zugang einer hohen Beliebtheit. Viele dieser Spielerinnen und Spieler haben ihre ersten Erfahrungen mit Glücksspielen nicht mit den Eltern am Lottostand oder an einem Automaten in der Gaststätte gemacht, sondern im Netz. Bei der Dynamik auf den Onlinemärkten ist hier ein weiterer Anstieg zu erwarten.

Was empfehlen Sie Spielern, aber auch Angehörigen (zum Beispiel Eltern) für den Umgang mit Online-Glücksspielen?

Kinder und Jugendliche stoßen heutzutage im Internet viel leichter auf Glücksspiele oder glücksspielähnliche Angebote. Auch auf Spieleseiten für Kinder wird massiv für den Einsatz von Echtgeld geworben. Kinder und Jugendliche brauchen die Unterstützung ihrer Eltern für eine kompetente Internetnutzung. Neben einem regelmäßigen Austausch über Medieninhalte, sollten Eltern Regeln aufstellen und für eine konsequente Umsetzung sorgen. Ein Verbot von Glückspielen mit Echtgeld bei Minderjährigen oder eine Deaktivierung von „In-App-Käufen“ gerade bei kleinen Kindern sind Möglichkeiten, einem frühen Einstieg in Glückspiele vorzubeugen.

Aufgrund seiner typischen Charakteristika ist Online-Gaming besonders für Problemspieler sehr attraktiv. Online-Glücksspieler müssen sich bewusst machen, dass durch die Verfügbarkeit, die hohe Ereignisdichte, die vielfältigen Angebote und das bequeme Spiel von zu Hause aus, ein möglicher Kontrollverlust über das Glücksspielen weiter verstärkt werden kann. Das individuelle Spielverhalten muss hier regelmäßig auf den Prüfstand gestellt werden, um einer drohenden Abhängigkeit vorzubeugen.

Ob Online-Glücksspiele oder andere Formen des Glücksspielens: Die Helpline Glücksspielsucht informiert und hilft:

Helpline Glücksspielsucht: 040 23934444

Montags - Donnerstags 10.00 - 18.00 Uhr, Freitags 10-15 Uhr (zum Ortstarif aus dem deutschen Festnetz). Die Helpline-Glücksspielsucht wird im Auftrag der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen e.V. betrieben vom LUKAS Suchthilfezentrum Hamburg-West.

Bundesweit steht das Beratungstelefon zur Glücksspielsucht der BZgA unter 0800 1372700 kostenlos und anonym zur Verfügung (Montag bis Donnerstag 10 - 22 Uhr, Freitag bis Sonntag 10 - 18 Uhr).

Zu unserem Angebot zum Thema „Exzessive Internetnutzung“ geht es hier

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