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Problematisches Spielverhalten? Jetzt digitale und telefonische Hilfsangebote nutzen

In Folge der Coronavirus-Ausbreitung ist in ganz Deutschland – und in vielen anderen Ländern der Welt – das öffentliche Leben nahezu zum Stillstand gekommen. Vorerst geschlossen bleiben unter anderem: Schwimmbäder, Bibliotheken, Kinos, Museen – und auch Spielhallen und Casinos. Für alle Spielerinnen und Spieler (auch jene, die eine Glückspielabhängigkeit entwickelt haben) bedeutet der verwehrte Zugang zu ihrem gewohnten Spielort eine abrupte Zwangspause – und das für mindestens mehrere Wochen. Ein in Deutschland einmaliger Vorgang, der in diesem Fall auf eine Branche mit gewohntermaßen nahezu unbeschränkten Öffnungszeiten trifft. Schließlich haben Spielhallen normalerweise an fast jedem Tag und so gut wie rund um die Uhr geöffnet, auch Spielbanken haben oft und lange offen. Wie können Spielende mit dieser Situation bestmöglich umgehen und welche Risiken gibt es jetzt zu beachten? Und wie reagiert das Hilfesystem auf die Schließungen allerorten und angesichts der Maßgabe, soziale Kontakte möglichst zu vermeiden?

Spieldrang in Zeiten von Corona

Menschen, die ihr Spielverhalten nicht mehr steuern können, gehen oft über Grenzen, um spielen zu können. Wenn kein Geld mehr da ist, leihen sie sich welches oder sie bitten um Lohnvorauszahlungen, um dem nächsten Gewinn hinterherjagen zu können. Manche gehen gar an die Ersparnisse von Familienangehörigen oder beschaffen sich ihr Spielgeld auf illegale Weise –  zu groß ist ihr Drang zu spielen. Wie Menschen in dieser Verfassung auf den mindestens mehrwöchigen „Shutdown“ ihrer gewohnten Spielorte reagieren: Darüber lässt sich allenfalls spekulieren. Denn für die aktuellen Rahmenbedingungen gibt es keinerlei Vorerfahrungen, auf die man in seiner Einschätzung jetzt zurückgreifen könnte.

Positive und negative Szenarien

Im positiven Falle sorgt der Spielstopp bei den Betroffenen für eine Besinnung hinsichtlich ihres entgrenzten Spielens und seine Folgen – und führt zu einer mittel- und langfristigen Verhaltensänderung, die idealerweise in einen Ausstieg aus dem Glücksspielen mündet. Wer nicht mehr spielen kann, hat zumindest prinzipiell die Chance, sich zu entwöhnen und ein Bewusstsein darüber zu erlangen, wie sehr das Spielen ihm oder ihr an die Substanz geht. Beispielsweise unser Selbsttest unterstützt Sie bei diesem Prozess.

In einem negativen Szenario weicht ein größerer Teil der Spielenden auf Online-Angebote (zur Erinnerung: Die Teilnahme an Glücksspielen ist außerhalb der Landesgrenzen von Schleswig-Holstein verboten  oder illegale Glücksspiele aus und entzieht sich damit auch jeglicher Form von Spielerschutz.

Dicke Luft zu Hause

Wenn zudem mehr Zeit zu Hause verbracht wird, kommt es häufiger auch zu mehr Streitereien zwischen Familienmitgliedern, gerade bei einigen Menschen mit Glücksspielproblemen. Denn letztere werden oft von Beziehungsschwierigkeiten und Konflikten zu Hause begleitet. Dem Spielen kommt dann die häufig die Funktion zu, dafür dem Ort des Konflikts zeitweise „entkommen“ zu können. Wenn diese Ausweichmöglichkeit nun wegfällt und mit ihr auch viele andere Alternativen außerhalb der eigenen vier Wände, können Streitereien eskalieren. Entzugserscheinungen, die eintreten, weil nicht mehr gespielt werden kann, können die psychische Verfassung zusätzlich belasten.

Hilfe und Unterstützung per Telefon und online

Hilfreich ist in solchen Fällen Unterstützung von außen, beispielsweise durch eine professionelle Familien -und/ oder Suchtberatung. In der gegenwärtigen Situation ist jedoch auch das Hilfesystem nur eingeschränkt handlungsfähig: Einige persönliche Beratungen vor Ort und Selbsthilfegruppen pausieren ebenfalls. Unsere Empfehlung deshalb: Nutzen Sie verstärkt telefonische und Online-Angebote. Wichtig: Das gilt gleichermaßen auch für Angehörige von Menschen mit Spielproblemen.

Hamburgische Helpline Glücksspielsucht

Bei der Helpline Glücksspielsucht können sich Betroffene und Angehörige zu allgemeinen Fragen rund ums Thema Glücksspiel und Spielsucht anonym in Hamburg beraten lassen. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen vermitteln gegebenenfalls in weitere, geeignete Hilfsangebote.

Telefon: (040) 23934444

Montags - Donnerstags 10.00 - 18.00 Uhr, Freitags 10-15 Uhr (zum Ortstarif aus dem deutschen Festnetz). Die Helpline-Glücksspielsucht wird im Auftrag von SUCHT.HAMBURG betrieben vom LUKAS Suchthilfezentrum Hamburg-West.

Bundesweit steht das Beratungstelefon zur Glücksspielsucht der BZgA unter 0800 / 1372700 kostenlos und anonym zur Verfügung (Montag bis Donnerstag 10 - 22 Uhr, Freitag bis Sonntag 10 - 18 Uhr).

Gegebenenfalls veränderte Erreichbarkeit von Beratungsstellen

In Hamburg gibt es ein weit verzweigtes Netz von Beratungsstellen, die teilweise anstelle von persönlichen Beratungsangeboten telefonische Hilfen anbieten. Hier geht es zu einer Übersicht der Beratungsstellen zum Thema Glücksspielsucht in Hamburg. Unter www.kointer.de finden Sie eine Online-Suchtberatung für Hamburg.

Bei Sorgen und psychischen Problemen unterschiedlichster Art, hilft auch die TelefonSeelsorge (www.telefonseelsorge.de), die neben der telefonischen Beratung auch eine Mailberatung und Chatberatung bereithält. Kinder, Jugendliche und Eltern finden Unterstützung bei der Nummer gegen Kummer (www.nummergegenkummer.de).