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Studie: Umstieg auf Online-Glücksspiele während der Corona-Lockdowns?

Gestern noch am Geldspielautomaten gestanden, heute vor verschlossener Spielhallen-Tür: So erging es vielen Glücksspielenden während der Lockdown-Phasen in der Corona-Pandemie. Und auch in den Spielbanken hieß es für mehrere Wochen am Stück: Game Over.

Spannende Frage: Wie wirkt sich die Pandemie auf das Spielverhalten aus?

Vor Beginn der Pandemie war eine solche Situation für die meisten von uns unvorstellbar: Alle Spielhallen und Spielbanken mussten für längere Zeit schließen. Zur Erinnerung: Der erste Corona-Lockdown begann im März 2020 und endete im Mai 2020, der zweite währte von November 2020 bis Mai 2021. Lotterien waren – mit sehr wenigen Ausnahmen – gestattet.


Angebote im Internet waren von der Spielpause natürlich nicht betroffen. Deshalb befürchten vor allem Glücksspielsucht-Fachleute, dass viele Menschen zu Online-Glücksspielen gewechselt sind. Ein eher optimistisches Szenario lautet dagegen: Spieler*innen haben die Zwangspause für einen „kalten Entzug“ genutzt, sind aus dem Spielen ausgestiegen – und kehrten auch nach Öffnung der Spielstätten nicht wieder dorthin zurück. Eine Studie des Instituts für Sucht- und Drogenforschung (ISD) in Hamburg hat untersucht, welches der beiden Szenarien eher zutrifft und inwieweit Spieler*innen tatsächlich in die Online-Glücksspielwelt umgestiegen sind.

Von der Spielhalle ins Internet?

Für ihre Untersuchung nutzten die Studienverantwortlichen ein Online-Panel. Der Befragungszeitraum lag zwischen dem 2. Dezember 2020 und dem 18. Januar 2021, also während des zweiten Lockdowns. Die Autor*innen der Studie geben zu bedenken, dass nicht genau einschätzbar ist, wie repräsentativ die gewonnenen Daten sind, die zudem auf Selbstangaben der Teilnehmenden beruhen. Die Ergebnisse der Studie müssen also mit Vorsicht interpretiert werden. Sie geben jedoch erste Hinweise darauf, wie sich die zeitweisen Schließungen der Spielstätten auf das Glücksspielverhalten ausgewirkt haben (könnten).

Ausweichen auf Online-Glücksspiele in Studie nicht zu erkennen

Diesen Ergebnissen zufolge ist ein „Spurwechsel“ zwischen stationären Glücksspielangeboten und Internet-Glücksspielen nicht zu erkennen. Ein Teil der Spieler*innen fing zudem nach Beendigung der Lockdowns gar nicht wieder mit dem Spielen an. Vor allem ausschließlich „stationär spielende“ Kasino- und Automatenspieler*innen gingen nach der mehrwöchigen Zwangspause des ersten Lockdowns nicht wieder zurück in die Spielbank oder die Spielhalle, wechselten aber auch nicht zu Online-Glücksspielen. Sogar ein Teil der zuvor ausschließlich online spielenden Menschen – insbesondere Frauen und jüngere Personen – stellte während des ersten Lockdowns der Corona-Pandemie das Spielen ganz ein.


Auch konnte in der Studie kein Anstieg von Glücksspielproblemen in Folge der Lockdowns nachgewiesen werden. Die mehrwöchigen Schließungen führten den Autor*innen der Studie zufolge „insgesamt weder zu einem nennenswerten Anstieg noch zu einer bedeutsamen Abnahme moderater oder auch schwerer Glücksspielprobleme“.

Werbung animiert zum Spielen

Die Studie zeigt, dass es Menschen gibt, die – unabhängig von corona-bedingten Lockdowns – ein höheres Risiko haben, Spielprobleme zu entwickeln. Dabei handelt es sich um Personen, die sowohl an stationären Spielorten als auch im Internet spielen.


In erheblicher Weise beeinflusst, den Ergebnissen der Studie zufolge, Werbung für Glücksspiele das Spielverhalten von Menschen. Vier von zehn Personen, die während des ersten Lockdowns mehr gespielt haben als davor, sagten, dass Glücksspielwerbung zumindest einer der Gründe für das vermehrte Spielen war.

Befristete Schließungen von Spielstätten = geeignete Schutzmaßnahme?

Da sich bei einigen Spieler*innen die Lockdowns offensichtlich positiv auf ihr Spielverhalten ausgewirkt haben, könne man überlegen, Spielstätten zukünftig befristet zu schließen, so die Autor*innen der Studie. Auf diese Weise würde es Spieler*innen erleichtert werden, ihr Spielverhalten kritisch zu überdenken bzw. ganz auszusteigen. Eine solche Maßnahme könnte unterstützt werden durch Fachleute aus dem Bereich der Suchtprävention und -hilfe, die Glücksspielende mit Ausstiegswunsch beraten könnten.

Interessante Schlussfolgerungen, die die Autor*innen aus ihren Ergebnissen ziehen. Allerdings muss zukünftig durch belastbare und repräsentative Studien erst noch untermauert werden, ob die Schließungen der Spielstätten während der Corona-Lockdowns tatsächlich bundesweit dazu geführt haben, dass Menschen in nennenswerter Anzahl aus dem Glücksspiel ausgestiegen (und nicht auf Online-Glücksspiele umgestiegen) sind. Außerdem bleibt abzuwarten, wie sich die Legalisierung von Internet-Glücksspielen (seit Juli 2021) mittel- und langfristig auf das Spielverhalten in der Bevölkerung auswirken wird.


Quelle: Buth S., Schütze C., Kalke J. (2021). Auswirkungen der Schließung von terrestrischen Glücksspielangeboten aufgrund eines pandemiebedingten Lockdowns auf das Glücksspielverhalten. Online abgerufen am 09.02.2022 unter https://www.isd-hamburg.de/wp-content/uploads/2022/01/BZgA_Bericht_final.pdf