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Süchtig nach Bitcoins?

Von Bitcoins haben wir alle schon einmal gelesen. Aber Hand auf’s Herz: Könnten Sie aus dem Stegreif erklären, wie diese sogenannte „Kryptowährung“ genau funktioniert und was das überhaupt ist: eine Kryptowährung?

Digitale Vermögenswerte mit schwankendem Kurs

Bitcoins werden über dezentrale Computernetzwerke gehandelt – anders als beispielsweise der Euro, den die Europäische Zentralbank kontrolliert. Zum jeweiligen Tageskurs können Bitcoins eingewechselt werden, zum Beispiel gegen Euro.

Kryptowährungen sind also digitale Vermögenswerte, die gegen „echtes Geld“ getauscht werden können. In seiner Geschichte war der Wert beispielsweise des Bitcoins schon erheblichen Schwankungen ausgesetzt – auch und ganz besonders in diesem Jahr. Und genau an diesem Punkt wird es kritisch – und aus dem „digitalen Geld“ schnell ein Suchtmittel.

Trading Apps: ständig und überall verfügbar

Was Bitcoins so riskant macht: Während Börsen am Wochenende und an bestimmten Feiertagen geschlossen haben und es dort außerdem einen regelrechten Feierabend („Börsenschluss“) gibt, ist der Handel mit Kryptowährungen durchgehend möglich. Dafür reicht ein Griff in die Hosentasche. Bitcoins und andere Kryptowährungen können nämlich über Trading-Apps auf dem Smartphone verwaltet und gehandelt werden. Außerdem schwanken die Kurse oft erheblich. Der Wert kann steil nach oben schießen – oder die entgegengesetzte Richtung nehmen, was zu erheblichen Vermögensverlusten führen kann. Und das bei einem kaum zu durchschauenden Finanzprodukt.

Gefangen im Auf und Ab der Kurse

Ein Beispiel: Am 1. Juli 2022 lag der Kurs für einen Bitcoin bei 18.456,24 €, ein paar Tage später (6. Juli) schon bei 19.634,65 €: eine satte Steigerung des Wertes. Schauen wir aber nur einen Monat zurück, auf den 6. Juni 2022, zeigt sich eine Entwicklung in die andere Richtung. Da lag der Kurs nämlich bei 29.322,56 € für einen Bitcoin und ist danach stark gefallen. Das zeigt, wie hoch die Verluste sein können. Und auch innerhalb eines Tages treten beim Handel mit den digitalen Vermögenswerten oft hohe Schwankungen auf.

In diesem Auf und Ab der Kurse können sich Menschen verlieren – ständig mit der Frage beschäftigt, ob sie kaufen oder aussteigen sollen. Schon Börsengeschäfte können hoch riskant sein und zu einem Kontrollverlust – vergleichbar mit dem beim pathologischen Glücksspielen – führen. Beim Handel mit Kryptowährungen könnte diese Gefahr sogar noch größer sein. Aufpassen sollten besonders Menschen, die eine Neigung zu riskantem Glücksspielverhalten haben. Risikoverschärfend kann vermeintliches „Expert*innen-Wissen" hinzukommen, vergleichbar mit Kenntnissen über bestimmte Sportarten – die einem bei Sportwetten bekanntermaßen auch nicht weiterhelfen, sondern eher zu noch riskanterem Handeln (und damit zu höheren Verlusten) verleiten können.

Studien zeigen Zusammenhänge mit problematischen Glücksspielen

Hohe Gewinne, oftmals hohe Verluste und kaum vorhersehbare Ereignisse: Diese Beschreibung erinnert Sie an ein Glücksspiel? Uns auch – und damit sind wir beileibe nicht allein. Auch international interessieren sich immer mehr Sucht-Fachleute für das Phänomen „Kryptowährung“.

Erste Studien zeigen, dass es unter Menschen mit pathologischem Spielverhalten überproportional viele gibt, die auch in Kryptowährungen investieren. Und: Personen, die mit Kryptowährungen handeln, neigen auch verstärkt zu riskanten Börsenspekulationen und problematischem Glücksspielverhalten. Außerdem treten bei ihnen gehäuft Ängste und depressive Verstimmungen auf.

Fazit

Ob jemand riskante Finanzgeschäfte tätigen möchte oder eher konservative Finanzanlagen bevorzugt, ist eine persönliche Entscheidung. Wenn die Geldanlage jedoch zum Glücksspiel wird, sollte schnellstmöglich die Bremse eingelegt werden. Unterstützung bietet unter anderem die Helpline Glücksspielsucht.

Nachtrag

In der News des vergangenen Monats haben wir über die Arbeit der Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) berichtet. Auf deren Website gibt es nun die Möglichkeit, Hinweise zum Verdacht auf unerlaubtes Glücksspiel oder eine Beschwerde über Werbung für Glücksspiel VÖLLIG ANONYM zu melden. Hier geht es zum sogenannten Hinweisportal der GGL: https://www.gluecksspiel-behoerde.de/de/uebersicht-gluecksspielanbieter/verstoss-melden

Quellen:
Devin J. Mills, Lia Nower, Preliminary findings on cryptocurrency trading among regular gamblers: A new risk for problem gambling?, Addictive Behaviors, Volume 92, 2019, Pages 136-140, ISSN 0306-4603, https://doi.org/10.1016/j.addbeh.2019.01.005. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0306460318311900

MDR (2022). Bitcoin – Wie funktioniert die digitale Währung?. abgerufen am 17.08.22 unter
https://www.mdr.de/ratgeber/finanzen/bitcoin-krypto-digitale-waehrung-geld-anlage-100.html
Stern (2022). Glücksspiel mit dem digitalen Geld: Warum Bitcoin süchtiger macht als Sportwetten. abgerufen am 17.08.22 unter https://www.stern.de/digital/online/suechtig-nach-bitcoin-und-co--kryptowaehrungen-sind-gefaehrlicher-als-sportwetten-31825894.html